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Sport

Springreiten

Reitsportler nehmen bei Olympischen Spielen eine Sonderstellung ein. Nur sie greifen zusammen mit einem tierischen Sportskameraden nach Gold. Vor vier Jahren sorgte ausgerechnet das Pferd „Goldfever“ für Schlagzeilen.

Piktogramm für den Reitsport bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking, China. Foto: +++(c) Picture-Alliance / ASA+++

15 bis 20 Hindernisse werden im olympischen Springreitparcours in Hongkong stehen. Um die möglichst schnell und ohne Fehler zu überwinden, muss den Reiter und sein Pferd eine außergewöhnliche Partnerschaft verbinden. Das weiß auch Ludger Beerbaum, der mit bisher vier Olympiasiegen der erfolgreichste noch aktive Springreiter ist: „Ich muss mit meinem Pferd gut abgestimmt sein und ein Vertrauensverhältnis aufgebaut haben. Nur dann bin ich in der Lage, die Aufgaben im Parcours zu erfüllen. Also das richtige Tempo und den passenden Absprungspunkt zu finden.“


Unberechenbarer Partner

Wenn diese Kommunikation zwischen Reiter und Pferd nicht reibungslos funktioniert, dann hagelt es meistens Strafpunkte.

Ludger Beerbaum im Sattel von Gladdy (2004)

Ludger Beerbaum

Den Zuschauern stockt in solchen Situationen oft der Atem, wenn ein Pferd beispielsweise vor einem Hindernis abbremst, den Sprung verweigert und dem Paar damit Strafpunkte beschert. Für Beerbaum gehört das aber zu seinem Sport mit dazu: „Das ist die Faszination und das ist auch immer diese kleine gewisse Unsicherheit und Unbekannte. Selbst wenn man sich selber topfit fühlt, aber das nicht rüberbringt aufs Pferd, dann muss das noch nicht unbedingt klappen.“

Seine Olympische Premiere feierte das Springreiten schon im Jahr 1900 in Paris. Der Belgier Aimé Haegeman wurde dort auf seinem Pferd „Benton“ erster Olympiasieger. Damals standen übrigens auch noch ein Hoch- und ein Weitsprungwettbewerb auf dem Programm der Springreiter. 1904 und 1908 gab es noch einmal „pferdefreie“ Olympische Spiele. Aber seit 1912 wird ohne Unterbrechung um die Goldmedaillen im Einzel- und im Mannschaftswettbewerb geritten.


Noch kein Einzelsieg für eine Amazone

1956 durften in Stockholm zum ersten Mal auch Frauen in den olympischen Springreitparcours. Als erste Amazone strahlte bei der Premiere die Britin Patricia Smythe, als sie Bronze mit der Mannschaft holte. Eine Goldmedaille im Einzelspringen konnte bis heute noch keine Frau gewinnen. Das hat ihnen unter anderen Ludger Beerbaum voraus. Für ihn war der Olympiasieg 1992 in Barcelona ein Meilenstein in seiner Karriere: „Natürlich ist auch ein Europa- oder Weltmeistertitel fantastisch. Aber die Olympischen Spiele sind einfach ein globales Ereignis und die Olympische Goldmedaille deshalb auch einzigartig.“

Der deutsche Springreiter und Weltmeister Hans-Günter Winkler auf Halla beim Überwinden eines Hindernisses im ersten Durchgang des Olympischen Jagdspringens in Stockholm am 17.06.1956. Mit vier Fehlerpunkten wurde er Bester im ersten Umritt. Später sicherte er sich durch einen fehlerfreien Ritt im entscheidenden Durchgang den Olympiasieg. Die Olympischen Reiterspiele konnten aufgrund der strengen Veterinär-Bestimmungen in Australien nicht in Melbourne ausgetragen werden und fanden deshalb in Stockholm statt.

Olympia 1956: Winkler siegt auf Halla in Stockholm

Mit je fünf Goldmedaillen im Einzelspringen sind Franzosen und Deutsche die erfolgreichsten olympischen Springreiter-Nationen. Den spektakulärsten Sieg sicherte sich der Deutsche Hans-Günter Winkler 1956 bei den Reiterspielen in Stockholm. Der mit insgesamt fünf Olympiasiegen beste Springreiter aller Zeiten saß mit einem schmerzenden Leistenbruch auf seiner Stute „Halla“ und beide zusammen schafften dennoch mit einem Null-Fehler-Ritt den Gold-Triumph.


Deutschland verlor Gold am grünen Tisch

Im Mannschaftswettbewerb holte keine andere Nation so oft Gold wie die Deutschen. Insgesamt acht Mal triumphierten sie schon.

Von links: Otto Becker, Marco Kutscher, Christian Ahlmann and Ludger Beerbaum - bei der Siegerehrung 2004 in Athen. Die Goldmedaille wurde jedoch nachträglich aberkannt. (AP Photo/Susan Walsh)

Mannschaftsgold in Athen, doch die Freude währte nur kurz.

Das neunte Team-Gold, gewonnen bei den Spielen 2004 in Athen, wurde der Equipe um Ludger Beerbaum nachträglich aberkannt. Der Deutsche hatte eine Wundstelle bei seinem Pferd mit einer nicht angemeldeten, kortisonhaltigen Salbe behandelt. Offiziell galt „Goldfever“ so als gedopt, obwohl keine Leistungsbeeinflussung beabsichtigt und erst recht nicht erreicht worden war.

Beerbaum nahm den „riesig doofen Fehler“ damals auf seine Kappe, hat die Enttäuschung aber immer noch nicht ganz verdaut: „Das ist tatsächlich bitter gewesen, aber jetzt ist natürlich die Motivation groß, diese Medaille wiederzuholen.“ Neben den Deutschen ist der amtierende Welt- und Europameister Niederlande der große Favorit auf Olympia-Gold 2008.

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