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Wirtschaft

Springer zieht Angebot zum Verkauf von ProSieben zurück

Der Übernahmepoker um die ProSiebenSat.1-Gruppe geht in die nächste Runde: Der Springer-Konzern zog sein Angebot an das Bundeskartellamt zurück, mit dem Verkauf von ProSieben die Übernahme zu ermöglichen.

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Mathias Döpfner und Haim Saban (v.l.)

Springer Haus in Berlin

Das Springer-Haus in Berlin

Die Axel Springer AG hat ihr Auflagenangebot an das Bundeskartellamt zurückgezogen: Springer hatte der Behörde angeboten, den Sender ProSieben zu verkaufen, um die kartellrechtliche Freigabe für den Kauf der ProSiebenSat.1 Media AG zu bekommen. Daraufhin hatte das Bundeskartellamt erklärt, den Kauf nur zu erlauben, wenn der Sender ProSieben vor der Übernahme verkauft werde. "Nach Prüfung dieses Vorschlags ist die Axel Springer AG zu der Auffassung gelangt, dass ein Verkauf des Senders ProSieben vor Vollzug der Übernahme rechtlich nicht in Betracht kommt", teilte das Unternehmen am Montag (16.1.2006) mit. Daher habe sich die Springer AG entschieden, das Auflagenangebot "zur Wahrung ihrer Rechtsposition" zurückziehen. Jetzt erwartet das Unternehmen nach eigenen Angaben, dass das Bundeskartellamt die Übernahme untersagen werde. Springer werde dann die "zur Verfügung stehenden Rechtsmittel und Optionen prüfen".

"Alles wieder auf Null"

Das Bundeskartellamt bestätigte die Rücknahme des Angebots des Springer-Konzerns. Springer habe zugleich einen Antrag auf Fristverlängerung des Kaufs von ProSiebenSat.1 bis zum 27. Januar gestellt, teilte das Kartellamt mit. Dem habe die Behörde stattgegeben.

Angesichts der Probleme mit dem Kartellamt droht der geplante Verkauf an den Axel Springer Konzern nach Einschätzung von Branchenkennern jedoch zu platzen. Die Investorengruppe um den bisherigen Eigentümer Haim Saban bliebe dann im Boot, hieß es am Wochenende. "Dann würde alles wieder auf Null gesetzt", hieß es. Im Gegensatz zu Springer-Chef Mathias Döpfner war der US-israelische Medieninvestor Saban offenbar nicht bereit, das Herzstück ProSieben aus dem Konzern herauszulösen, um den Wettbewerbshütern entgegenzukommen. Der Springer-Konzern wollte sich am Samstag nicht dazu äußern. Auch ProSiebenSat.1 lehnte einen Kommentar ab. "Spekulationen kommentieren wir nicht."

Aufregung in der Branche

Die Bereitschaft von Springer, den Sender ProSieben vor der Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 zu verkaufen, hatte in der Medienbranche für Aufregung gesorgt: Zahlreiche Investoren meldeten ihr Interesse an dem Kanal an, der zu den größten und profitabelstens in Deutschland gehört. Auch der Pay-TV-Sender Premiere hält ein Engagement bei ProSieben für denkbar, um damit die angestrebte Kombination aus Bezahl- und Gratis-TV zu realisieren. "Bei vernünftigen Konditionen könnte ich mir das durchaus vorstellen", sagte Premiere-Vorstandschef Georg Kofler. Nach dem Kurssturz der Aktie im Dezember könnte Premiere den Kauf aber kaum alleine stemmen.

Springer hatte dem Kartellamt nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vorgeschlagen, die Senderkette nur für eine juristische Sekunde zu übernehmen, um nicht das ganze Geschäft neu aufrollen zu müssen. Auch das hatte das Kartellamt abgelehnt. Döpfner wolle aber nichts unversucht lassen, dem Konzern den Weg in Fernsehgeschäft doch noch zu ebnen. Sollte ihm das nicht gelingen, ginge der Springer-Konzern aus dem Machtkampf aber ohne finanziellen Schaden hervor. Das Kartellrisiko habe Döpfner durch eine Vertragsklausel mit Saban vermieden und ein Rücktrittsrecht ausgehandelt. Auch eine so genannte Break-up-fee falle in dem Fall nicht an. Nur wenn sich das Geschäft länger hinzöge, müsse Springer eine Verzinsung auf den noch nicht gezahlten Kaufpreis zahlen.

Folgt ein ausländischer Investor?

Sollte der Deal mit Springer scheitern, käme wegen der kartellrechtlichen Probleme vermutlich nur ein ausländischer Investor in Betracht. Zu den Interessenten für ProSieben gehörte zuletzt unter anderem der französische Konzern TF1, der schon nach dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe im Spiel war. Auch die türkische Mediengruppe Dogan Media Group ("Hürriyet") ist einem Bericht des Magazins "Spiegel" zufolge nicht abgeneigt. Daneben habe es auch mit der Beteiligungsgesellschaft Permira Gespräche gegeben, die Miteignerin des europäischen Medienkonzerns SBS ist.

Analysten hatten einen möglichen ProSieben-Verkaufserlös in den vergangenen Tagen auf 800 Millionen bis eine Milliarde Euro geschätzt. Dem Vernehmen nach gehen die Beteiligten aber von einem deutlich höheren Preis aus. Nach gängigen Berechnungen komme man wegen der Ertragsstärke von ProSieben auf eine Bewertung des Senders von bis zu 2,4 Milliarden Euro.

Springer war bei seinen TV-Übernahmeplänen sowohl auf Widerstand des Kartellamts als auch der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) gestoßen. Die KEK hatte die Übernahme als "nicht genehmigungsfähig" beurteilt. Durch die Fusion entstehe eine vorherrschende Meinungsmacht in Deutschland. Die Entscheidung der KEK kann aber von den Landesmedienanstalten noch überstimmt werden. Die Direktoren der Landesmedienanstalten (DLM) hatten am Freitag in Berlin erklärt, es bestünden Zweifel an den Berechnungsmethoden der KEK. (stu)

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