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Deutschland

Springer-Verkauf sorgt für Empörung

Die Axel Springer AG verkauft mehrere Traditionsblätter an die Funke-Mediengruppe. Der Deal wird von Experten scharf kritisiert. Stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel?

Der Axel Springer Hauptsitz in Berlin (Foto: Reuters)

Seit den 1940er Jahren verlegt das Axel Springer-Haus Zeitungen und Zeitschriften - mehrere Blätter wandern jetzt aber ab

Es ist die Medienschlagzeile des Sommers: Die Axel Springer AG trennt sich von etlichen Traditionsblättern - darunter die Programmzeitschrift Hörzu, das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost. Die Funke-Mediengruppe - vormals WAZ-Mediengruppe - soll die Blätter für rund 920 Millionen Euro kaufen. "Das hat mich sehr überrascht, genauso wie die gesamte deutsche Medienszene", kommentiert der Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Hendrik Zörner, im DW-Gespräch die Nachricht. "Damit hat niemand gerechnet, zumal es sich bei den Titeln, die Springer jetzt an Funke verkauft, keineswegs um Defizitbringer handelt." Laut dem Konzern, der auch die Tageszeitung "Die Welt" und das Boulevard-Blatt "Bild" herausgibt, hatten die Segmente im vergangenen Geschäftsjahr einen Erlös von 512,4 Millionen Euro erzielt. Das entspricht etwa 15 Prozent des Gesamtumsatzes.

"Die Strategie scheint auf jeden Fall in die Richtung zu gehen, sämtliche Online-Aktivitäten des Konzerns in den Vordergrund zu stellen. Damit sind nicht nur Nachrichtenportale wie etwa bild.de gemeint, sondern auch Unterhaltungsseiten, mit denen Springer richtig Geld macht", sagt DJV-Sprecher Zörner. Schon jetzt betreibt Springer etliche Online-Portale wie etwa autohaus24, finanzen.net, immonet oder Stepstone. Auch das Einkaufsportal idealo und die Vermittlungsplattform für private Unterkünfte, Airbnb, gehören zum Sortiment.

Ein Zeitungsregal steht am in Berlin auf der Pressekonferenz des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger.(Foto: Robert Schlesinger/dpa)

Neben zwei Zeitungen gehen vor allem lang bewährte Zeitschriften an den Konkurrenten Funke

Digitale Gemischtwarenbude

Es ist genau diese Ausrichtung, die den Medienschaffenden in Deutschland nun Bauchschmerzen bereitet. Während die Wirtschaftswoche die Entscheidung des Verlags in erster Linie "konsequent" findet, äußern sich andere weniger lobend. Der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Kurt Kister, nimmt mit einem Schreiben an die Leser sogar Abschied vom Verlag. Das Unternehmen sei lediglich eine "digitale Gemischtwarenbude", klagt er. Spiegel-Redakteur Janko Tietz vermutet, dass sich der "Verkauf rächen" wird. Er sei eine "Zäsur", weil sich Springer vom Journalismus und damit von seinen Wurzeln verabschiede, schreibt Tietz im Medien-Magazin Vocer.

Wolfgang Donsbach, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Technischen Universität Dresden.( Foto: privat)

"Geld für die Kriegskasse": Wolfgang Donsbach von der Technischen Universität Dresden

Doch die Entscheidung stößt nicht nur auf Unverständnis. Der Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt habe noch mal richtig Geld in "die Kriegskasse" gespült, erklärt der Dresdner Kommunikationswissenschafts-Professor Wolfgang Donsbach der DW die Entscheidung. Dies sei wichtig für eine digitale Wende des Konzerns. "Das scheint die Botschaft zu sein: Wir setzen langfristig auf den digitalen Bereich, wir behalten zwar noch Printprodukte, die zum Markenkern gehören - also Welt und Bild - aber ansonsten machen wir uns Gedanken, wie wir uns in der Zukunft aufstellen, wenn die Digitalisierung noch weiter geht."

Laut der jüngsten Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) nimmt die Zahl der Print-Leser immer weiter ab. Zwar greifen noch immer rund 45,5 Millionen Menschen in Deutschland täglich zu einer gedruckten Zeitung, das sind jedoch etwa eine Million weniger als bei einer Zählung im Sommer 2012. Vor allem jüngere Leser wechseln zu kostenlosen Informationsangeboten im Netz.

Folgen für Belegschaft

Dem Deutschen Journalistenverband macht indes vor allem eins Sorge - die Zukunft der Arbeitsplätze. "Ich will da keine Panik verbreiten, aber es gibt natürlich zum jetzigen Zeitpunkt keine Beschäftigungsgarantie", sagt Zörner. Die Funke-Mediengruppe hatte bereits in den vergangenen Monaten für Negativschlagzeilen gesorgt, etwa als die komplette Redaktion der Westfälischen Rundschau geschlossen und etwa 150 Redakteure entlassen wurden.

Auch Medienexperte Donsbach hält einen Stellenabbau nicht für ausgeschlossen: "Im Moment halten sich beide Verlage bedeckt, aber wenn man sich überlegt, warum man zukauft und zusammenlegt, dann kommt ja immer das etwas beschönigende Stichwort Synergie. Das heißt, dass man Ressourcen einsparen will und zwar da, wo sie besonders teuer sind und das ist im Personalbereich."

Kartellrechtliche Bedenken?

Bis zum Sommer 2014 hat die Funke-Gruppe nun Zeit, 660 Millionen Euro zu bezahlen. Das restliche Geld gewährt Springer als Darlehen. Doch auch wenn beide Vertragspartner sich einig sind - auch die Kartellbehörden müssen zustimmen. Sie müssen feststellen, ob die Vielfalt gefährdet ist.

"Und unsere stille Hoffnung ist, dass es vom Bundeskartellamt kein grünes Licht gibt", sagt DJV-Sprecher Zörner. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dieser Wunsch eher unrealistisch. Kommunikations-Professor Donsbach glaubt nicht, dass der Verkauf verwehrt wird. Er rechnet bis Ende des Jahres mit einer positiven Entscheidung.

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