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Sprechen Sie Bahndeutsch!

Vor 180 Jahren fuhr die erste deutsche Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth. Seitdem haben Züge nicht nur unser Leben beschleunigt, sondern auch für so manches Wort und Sprichwort in der Sprache gesorgt.

Audio anhören 06:19

Sprechen Sie Bahndeutsch! – die Folge als MP3

Seit die Eisenbahn durchs Land fährt, geht es zügig zu. Vorne weg fährt die Lokomotive und zieht die Wagen hinter sich her. Die Herkunft des Wortes Zug wäre also schon mal geklärt. Gerne zieht die Lokomotive auch bildhaft durchs Land etwa als Wachstumslokomotive oder Wirtschaftslokomotive.

Sprichwörter der Schiene

Historisches Symbolbild: Eine abfahrende Dampflok, auf dem Bahnsteig sitzt ein Mann auf seinen Koffern

Der Zug ist abgefahren ...

Wer nicht vorne mit dabei ist, muss auf den fahrenden Zug aufspringen oder er bleibt übrig und trägt die rote Laterne, bildet das Schlusslicht. Die rote Laterne war früher übrigens wirklich üblich, um den letzten Wagen eines Zuges zu kennzeichnen. Dass jemand, der eine Gelegenheit verpasst hat, hinter den Zug springt, hat man auch schon gehört. Bei einem derartigen Tempo kommt es schon mal vor, dass man meint, im falschen Zug zu sitzen.

Im schlimmsten Fall kommt man auch gar nicht mehr mit und müsste eigentlich Dampf machen oder gar eine Schippe drauflegen, etwas, dass die Heizer auf der Dampflok immer dann tun mussten, wenn der Zug eine Steigung vor sich hatte. In jedem Fall ist es wichtig, im Leben die richtigen Weichen zu stellen. Sonst ist der Zug abgefahren und man kann schnell auf dem Abstellgleis landen.

Langsam wie die Eisenbahn

Ein Heizer schippt mit einer Schaufel Kohlen in den ofen einer Dampflok

Noch eine Schippe drauflegen ...

Wer nicht beachtet wird, unter die Räder kommt, will sich vielleicht aus Verzweiflung vor den Zug werfen. Besser wäre es allerdings doch, die anderen in die Schranken zu weisen. Wer sich all dem Stress des Vorankommens nicht aussetzen will, der kann es mit den Schwaben halten. In Süddeutschland heißt es: „Ein alter Mann ist kein D-Zug.“

Der D-Zug heißt übrigens so, weil er der erste war, bei dem die Wagen, die bis vor kurzem auch Wagons hießen, mit einem Durchgang verbunden waren. Man musste also nicht aussteigen, um vom einen in den anderen Wagen zu kommen. Fahren wir nun – nach diesem kurzen Exkurs – im Eilzugtempo fort und fragen uns, warum so viele Menschen manchmal Bahnhof verstehen.

Nichts wie weg hier

Heimkehrende Soldaten auf dem Bahnhof

Der Sehnsuchtsort für heimkehrende Soldaten: Ich verstehe nur Bahnhof!

Als der Erste Weltkrieg einfach nicht aufhören wollte, hatten viele Soldaten nur noch einen Wunsch: endlich nach Hause zu kommen. In die Heimat kam man damals gemeinhin mit der Eisenbahn. Der Bahnhof wurde zum Sehnsuchtsort aller, die genug hatten von der Front. Viele sinnlose, lange Gespräche wurden dementsprechend mit dem Satz beendet: „Ich verstehe nur Bahnhof. Quatsch nicht rum, ich will nach nur nach Hause.“

Dieses geflügelte Wort hat sich bis heute gehalten. Es wird immer dann benutzt, wenn man etwas nicht versteht oder nicht verstehen will. Mit der schlechten Qualität von Bahnhofslautsprechern hat das also gar nichts zu tun. Doch die Ansagen auf Bahnhöfen und in Zügen sind eine Klasse für sich.

Bahndeutsch für Genießer

„Zug endet hier“. So heißt es oft an der Endstation einer Bahnlinie. Doch kann ein Zug wirklich enden? Dann müsste er ja auch anfangen. „Enden“ kann doch eigentlich nur die Zugfahrt selbst. Nachdem der Zug endet, heißt es gerne noch: „Bitte alles aussteigen“. Hmmm, wer ist „alles“? Vielleicht ist damit gemeint: „Bitte alle Fahrgäste aussteigen“ oder gar „liebe Fahrgäste, bitte steigen Sie aus“. Aber Worte sind wohl ein knappes Gut bei der Bahn, sonst hieße es ja auch: „Der Zug endet hier“.

Ein Fahrgast betrachtet die Tafel mit dem Wagenstandanzeiger auf dem Hauptbahnhof Berlin. Im Hintergrund eine Bahnhofsuhr.

Ein wichtiges Wort: der Wagenstandanzeiger!

Dann gibt es noch den Schrecken aller Fahrgäste mit einer Platzreservierung: die umgekehrte Wagenreihung. Die entsteht immer dann, wenn der Zug aus irgendeinem Grund falsch herum unterwegs ist. Schließlich haben moderne Züge eine Lok vorne und eine hinten. Wer also auf dem Wagenstandsanzeiger – auch so ein schönes Wort aus der Bahnsprache – herausgefunden hat, wo er einsteigen muss, darf oft – kurz bevor der Zug eintrifft – noch schnell einmal den Bahnsteig entlanghetzen, um seinen Wagen zu finden. Bis zu einem Drittel der Züge verkehren in falscher Wagenreihung. Ganz schön viel oder? Auch immer noch üblich ist die Formulierung: „Der Zug fährt heute aus Gleis 5.“ Aber Fahrgäste müssen jetzt nicht beunruhigt sein: Wie immer die Ansage lautet, er fährt weiterhin nicht aus sondern auf Gleis 5.

ssenkju for Träweling

Am Bahndeutsch werden wir wohl noch lange Freude haben. Das Bahnenglisch hingegen ist auf dem Rückzug. Oft wurden die Zugchefs wegen ihrer Aussprache belächelt. Doch diese Peinlichkeit wird ihnen heutzutage meistens erspart. Englische Ansagen kommen oft aus dem Computer, so dass das legendäre „ssenkju for Träweling wiss Deutsche Bahn“ zur Seltenheit geworden ist.




Arbeitsauftrag
Erstellt ein Glossar aller Redewendungen und bahntypischen Begriffe in diesem Text mit den dazu gehörenden Erklärungen. Formuliert eine eigene kurze Geschichte unter dem Titel „Meine Fahrt mit der Deutschen Bahn“, in der ihr diese Redewendungen und Begriffe verwendet.

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