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Fokus Osteuropa

Sprachtest für Präsidentschaftskandidaten in Kirgisistan

Präsident Kirgisistans soll im Juli nur der Bewerber werden, der auch ordentlich Kirgisisch spricht. In Bischkek wurde der Sprachtest für die Anwärter zum Medienereignis im Stile einer Quiz-Show.

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Kandidaten schreiben ihr Programm auf Kirgisisch

Eine für die Sprachprüfung eigens einberufene Kommission aus Wissenschaftlern sollte klären, ob die Präsidentschaftskandidaten gut genug Kirgisisch lesen, schreiben und vor allem sprechen können. Zu Beginn waren es 18 Anwärter. Jeder von ihnen musste drei Aufgaben erfüllen und reichen Wortschatz sowie richtige Aussprache unter Beweis stellen.

Zunächst sollte jeder Bewerber in 45 Minuten sein politisches Programm auf ein Blatt Papier schreiben. In der darauf folgenden Viertelstunde mussten sie ihre politischen Ansichten mündlich vortragen und zum Schluss noch einen Prosa-Text vorlesen. Die Mehrheit der Stimmen der Kommissionsmitglieder war sozusagen das Ticket, das man brauchte, um den Wahlkampf für das Präsidentenamt weiter führen zu können. Wer diese Mehrheit nicht bekam, wurde vom Wahlkampf ausgeschlossen. Dieses Ereignis wurde wie eine Show konzipiert und live im Fernsehen übertragen.

Russisch neben Kirgisisch wichtigste Sprache

Der amtierende Präsident Kurmanbek Bakijew hat das Examen bereits bestanden. Die Aufgaben seien nicht besonders kompliziert gewesen, erklärt er. "Erstens lege ich schon zum zweiten Mal dieses Examen ab. Und zweitens bin ich arbeitsbedingt oft unterwegs und muss die Staatssprache eben sprechen."

Auch die beiden Oppositionskandidaten Temir Sariew und der frühere Premierminister Almas Atambaew haben den Test bestanden. Atambaew gab allerdings zu, ein wenig nervös gewesen zu sein. "Ein Examen ist für mich immer ein Examen. Egal, ob ich zehn oder 52 Jahre alt bin." Er war auch derjenige, der Fehler in dem Test selber fand. "Ich habe die Kommissionsmitglieder darüber informiert. Das ist verständlich, die kirgisische Sprache galt ja lange Zeit als zweitrangig."

Darin liegt der Grund für den Sprachtest: Nach dem Zerfall der Sowjetunion hat die russische Sprache in Kirgisistan kaum an Bedeutung eingebüßt - anders als in den Nachbarstaaten Turkmenistan und Usbekistan. Das hat zur Folge, dass viele Bürger des Kirgisischen immer noch nicht mächtig sind. Jeder zehnte Kirgise, das sind geschätzt über eine halbe Million Menschen, ist als Gastarbeiter in Russland tätig. Russisch ist neben Kirgisisch die wichtigste Sprache in Kirgisistan und genießt dort einen so genannten offiziellen Status.

Sprachtest nach wie vor umstritten

Der Sprachtest für Präsidentschaftskandidaten wurde im Jahr 2000 eingeführt. Viele Beobachter behaupteten damals, einziger Grund sei der Kampf gegen einen unliebsamen Konkurrenten des damaligen Präsidenten Askar Akajew gewesen. Doch viele Experten kritisieren die Prüfung noch heute. Die bekannte Anwältin Nina Sotowa meint sogar: "Diese Norm widerspricht der Verfassung." In der Tat steht in Artikel 5, dass kein Bürger wegen seiner schwachen Kenntnisse der Staatssprache diskriminiert werden dürfe.

Auch in der Bevölkerung ist die Haltung gegenüber dem Test eher ablehnend. "Warum sollen die Kandidaten dann nicht auch in Geografie und in anderen Fächern ein Examen ablegen?", so ein Einwohner der Hauptstadt. "Ich habe keine Zeit, mir so was im Fernsehen anzuschauen, ich muss viel arbeiten", sagt eine Frau. Und ein weiterer Bürger Bischkeks erklärt: "Diese Live-Übertragungen sind ein ganz normales Instrument der Öffentlichkeit, um zu wissen, was die Kandidaten können und welche politischen Programme sie haben. Aber ich finde, die müssen dann nicht nur die Staatsprache Kirgisisch sprechen können, sondern auch Russisch."

Zwei der Präsidentschaftskandidaten sind inzwischen aus dem Rennen für die Wahl am 23. Juli. Es handelt sich um den Unternehmer Kutmanbek Eschenbajew und den ehemaligen Militär Asamat Ulamajew. Beide haben die Sprachprüfung nicht bestanden.

Autor: Michail Bushuev
Redaktion: Markian Ostaptschuk

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