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Sprachbar

Sprachmächtiges "Ein"

Eine Buchstabenfolge ohnegleichen: E-i-n. Der unbestimmte Artikel hat es in sich. "Wiederverigung"? Unvorstellbar. "Ein" verbindet – "Ein" bestimmt indirekt mit – "Ein" ist unverzichtbar.

"Du bist mein Ein und Alles" – "You are my one and only love": Der Liebessong von Ricky Nelson aus dem Jahr 1957 macht die Sprachmächtigkeit des kleinen, unbestimmten Artikels deutlich: Es gibt nur dich für mich; keine andere kann deinen Platz einnehmen. Du bist einzigartig. Einzigartig!

Großes und kleines "Ein"

"Ein" ist ein unbestimmter Artikel. Neutrum. Singular. Ein Bier, ein bisschen Geduld. Aber "ein" ist ja viel mehr. Eine Buchstabenfolge mit großer Wirkung, die ihresgleichen sucht. Es macht ohne Weiteres aus einem Wasservogel, einem Reiher, einen Herrenanzug mit nur einer Knopfleiste.

Bilden wir nun einen Satz "Am Bach steht ein Reiher", haben wir einen unbestimmten Artikel plus Nomen. Maskulinum. Singular. Jetzt aber schreiben wir "Ein" groß und setzen es dem Reiher vor. Als Vorsilbe. Wir haben dann den "Einreiher" und eine andere Bedeutung.

Wort-David mit Hilfsfunktion

Sprachspielerei? Ja und nein. Das "Ein" ist ein David unter den Wörtern, der den Goliaths erst zu ihrer imposanten Größe verhilft. Was wäre die deutsche Wiedervereinigung ohne ihr verbindendes "ein"?

Ein Torso, ein verstottertes "Wiederverigung". Alteingesessene Bürgerinnen und Bürger schrumpfen ohne ihr "ein" zu "altgesessenen", und der Traditionsverein "Eintracht Frankfurt" stünde als "Tracht Frankfurt" da. Und der bekannte Spruch der drei Musketiere: "Einer für alle, alle für einen" käme ziemlich sinnentstellt rüber: "Alle für en, er für alle". Das hört sich an, als seien die entscheidenden Silben in Maßkrügen abgesoffen.

Numerale Funktion

Einerseits nur ein unbestimmter Artikel, kann "ein" andererseits aber auch ein Numeral, ein Zahlwort, sein: Ein Bier statt zwei oder drei. Einfach statt zweifach oder dreifach. Einsilbig statt zwei- oder dreisilbig; einmal statt zwei- oder dreimal, und, und, und … .

In die Jahre gekommen

"Ein" steckt aber auch in zahllosen Verben wie einpacken, einnehmen, einsehen, einläuten – allesamt Tätigkeiten. Oder in Nomen wie Einfaltspinsel, Einbahnstraße, Einsiedler, Einfall. Ja, und es steckt in "allein". Allein ist auch so ein Wort. Und was für eins. Allein mit sich. Ganz allein. Mutterseelenallein. Sprachwissenschaftlich ist "allein" aus "eine allein" hervorgegangen.

"Ein" – ein kleiner Partikel, der die Patina der Jahrhunderte angesetzt hat. Seit dem 8. Jahrhundert ist er im Alt- und Mittelhochdeutschen nachgewiesen. Allerdings hat die Entwicklung zum unbestimmten Artikel schon weit vorher stattgefunden.

Einzigartig

Ja, ja, das Unbestimmte. So ganz unbestimmt ist es dann doch wieder nicht, das "ein". Denn es steht nur mit dem Singular. Es heißt also: "Ich liebe (die) eine Frau". Sonst hieße es: "Ich liebe (die) Frauen". Womit wir wieder bei Ricky Nelson "Du bist mein Ein und Alles" und der Einzigartigkeit wären.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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