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Sprachliches Müsli

Jogi, Schweini, Poldi: Kenner der Szene wissen, dass es sich hier um bekannte Fußball-Persönlichkeiten handelt. Ihre Namen sind in die Mühlen des Diminutivs geraten – die Verkleinerungs- oder Koseform im Deutschen.

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Sprachliches Müsli

Nicht nur die Personen kommen im deutschen Märchen häufig im Diminutiv vor, auch die Sachen und Tiere: Der Tisch wird zum Tischlein, der Spiegel zum Spieglein, im Wald singen die Vögelein und vieles dauert ein Weilchen. Aber ist ein Weilchen kürzer als eine Weile und das Spieglein an der Wand kleiner als ein Spiegel? Vermutlich nicht, denn das Diminutiv verkleinert oft nur gefühlsmäßig, um sprachlich eine Nähe zu Kindern herzustellen – aber auch zu Erwachsenen.

Der Sprung ins Wörterbuch

Ein Mann hält ein Modell eines sehr kleinen Häuschen mit drei Etagen in der Hand, in dem auf einer Wohnfläche von ca. 20 Quadratmetern ein Mann lebt.

Manches Häuschen bietet auch auf 20 Quadratmetern Platz zum Wohnen

Grammatisch ist die Diminutivbildung im Deutschen einfach. Es gibt zwei Formen, „ -lein“ und „-chen“, die als Suffixe an das Grundwort angehängt werden: Aus „Tisch“ wird also „Tisch-chen“ oder – literarischer − „Tisch- lein“, Haus wird zu „Häuschen“, Bier zu „Bierchen“, Reform zu „Reförmchen“, und so weiter.

Grundsätzlich kann man zu jedem deutschen Substantiv eine Diminutivform bilden, aber in der Hochsprache wird von dieser Möglichkeit wenig Gebrauch gemacht. In den Dialekten ist das anders: Hier kommt, vor allem im Süden, das Diminutiv häufig vor, und manche Dialektform, wie das schweizer-alemannische „Müsli“, schafft den Sprung ins allgemeine Wörterbuch.

Vom strengen Vater zum lieben Vati

Neben der Standardform auf „-lein“ und „-chen“ kennt das Deutsche noch ein spezielles Diminutiv mit dem Suffixvokal „-i“, das hauptsächlich bei der Anrede im Umgang mit Kindern oder vertrauten Personen verwendet wird: Vat-i, Mutt-i, Hans-i.

Viele Vornamen haben deshalb eine Kurz- und Koseform auf „-i“: Rudi von Rudolf, Jogi von Joachim, Lilli von Elisabeth. Diese Kosenamen sind traditionell und reichen geschichtlich bis ins Althochdeutsche zurück.

Poldi und Schweini

Fußballer Lukas Podolski (links) und Bastian Schweinsteiger (rechts). Poldolski macht ein Selfie von den beiden.

„Poldi“ und „Schweini“ im Duo

Seit den 1980er Jahren hat sich der Gebrauch des Diminutiv-i in zwei Richtungen ausgeweitet: Es wird erstens für Mitglieder von Personengruppen verwendet, wie in „Sponti“, „Fundi“, „Wessi“ und „Ossi“. Zweitens bekommen die Namen von Prominenten heute gerne eine öffentliche Kurzform mit dem vertraulichen Diminutiv-i.

So traten bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 die Stürmer Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger in den Medien als „Poldi“ und „Schweini“ auf, die durch die gegnerische Mannschaft streiften wie einst Hänsel und Gretel durch den Wald und für Deutschland die Tore schossen.

Helden zum Anfassen

Jogi Löw bei der Weltmeisterfeier 2014 in Berlin. Er trägt eine Sonnenbrille, lacht und zeigt den Daumen der rechten Hand bei hochgerecktem Arm als Zeichen für Toll gemacht

Ein erfolgreicher Nationaltrainer zum Knuddeln: „Jogi“ Löw

Sprachlich ist die Fußballwelt heute eine Märchenwelt geworden, in der die Helden – hier: Spieler und Trainer – im Diminutiv stehen, zum Anfassen oder gar zum Knuddeln. Früher war das anders: Der erfolgreichste deutsche Nationaltrainer war Sepp Herberger, und niemand kam auf den Gedanken, ihn „Seppi“ zu nennen. Der jetzige Trainer heißt „Jogi“, mit bürgerlichem Namen Joachim Löw, und er folgte auf Berti, Rudi und Klinsi.

Ob Poldi, Schweini, Klinsi oder Jogi – alle diese Fußball-Prominenten sind athletisch gebaute Männer, keine unscheinbaren Männlein. Weshalb also das Diminutiv-i im Namen?

Vertrautheit schaffen

Nun, es verkleinert die soziale Distanz zwischen dem Star und dem Fan und schafft sprachlich eine Vertrautheit, die real nicht besteht, die aber der Fan braucht wie das Kind, dem man ein Märchen erzählt. Ein Herr Podolski wäre viel zu fern, ein Lukas zu alltäglich. Einem Poldi hingegen kann man begeistert zurufen: „Wir lieben Dich!“




Arbeitsauftrag
Findet weitere Namensdiminutive von deutschen Persönlichkeiten. Schreibt eine kleine Geschichte, in der drei dieser Personen aufeinandertreffen und sich darüber streiten, ob diese Form der öffentlichen Liebkosung Sinn macht. Tragt die eine oder andere Geschichte in eurer Lerngruppe mündlich vor.

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