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Kultur

Sprachlich fit für Europa

Die EU-Kommission hat ein ehrgeiziges Ziel: Jeder Europäer soll in Zukunft mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen. Die EU fördert deshalb Projekte zur Sprachenvermittlung.

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Sprachen lernen fürs Leben

Einwanderer lernen Deutsch von einem Muttersprachler. Wenn Tien Duc Nguyen vom Caritasverband in Magdeburg von seinen "Sprachpartnerschaften" spricht, blitzt der Stolz in seinen Augen. Nie hätte er damit gerechnet, dass seine Idee ein solcher Erfolg werden würde - zumal "Magdeburg nicht gerade für Toleranz stand", wie er sagt.

Dennoch meldeten sich 30 Menschen, die jetzt in ihrer Freizeit Immigranten aus Vietnam, dem Kosovo oder dem Irak Einzelunterricht in Deutsch geben. "Isolation ist ein Problem für Fremde hierzulande", sagt Tien Duc, der selbst vor 27 Jahren nach Deutschland kam. "Durch die Sprachpartnerschaften kommen sie in Kontakt mit den Menschen und erfahren gleichzeitig viel über die deutsche Mentalität und Kultur."

Sprachensiegel für Immigranten

Die EU-Kommission war so beeindruckt von dem Projekt, dass sie Tien Duc auf der Sprachenmesse EXPOLINGUA in Berlin mit dem "Europäischen Sprachensiegel 2004" in Silber auszeichnete, mitsamt 1000 Euro Preisgeld. Der Wettbewerb wird seit 1999 auf nationaler Ebene in 31 Ländern ausgetragen. Diesmal stand er unter dem Motto "Sprachenlernen und sozialer Zusammenhalt - Chancen für Erwachsene" und schloss damit auch Integrationsprojekte für Immigranten ein.

"Das war bewusst so gewählt, um zu verdeutlichen, dass auch dieser Personenkreis ein Teil der Gesellschaft ist, der eingebunden werden muss, deren Potentiale auch erschöpft werden müssen", sagt Andreas Pieper, einer der Wettbewerbsorganisatoren von der Nationalen Agentur Bildung für Europa. "Immerhin sind Immigranten mindestens zweisprachig. Da gilt es, diese verborgenen Schätze zu fördern, in das Wirtschafts- und Arbeitsleben zu integrieren und dann natürlich die Vorteile daraus zu ziehen."

Englisch allein reicht nicht

Coverbild Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache

Deutsch büffeln mit dem Duden

Der Wettbewerb soll klar machen: Fremdsprachen werden in ganz Europa immer wichtiger, egal ob für Einwanderer oder Einheimische. In vielen Berufen sind sie heutzutage bereits wichtige Voraussetzung. Die EU-Kommission hat deshalb ein anspruchsvolles Ziel: Jeder Bürger in Europa soll künftig drei Sprachen beherrschen.

"Man braucht in Zukunft einfach mehrere Fremdsprachen und nicht nur Englisch, um miteinander zu kommunizieren", sagt Andreas Pieper. Schließlich sei EU gerade auf 25 Staaten angewachsen. "Es ist einfach wichtig, die Sprache des Nachbarn zu beherrschen, vor allem wenn man in einer Grenzregion lebt."

Deutschland im Mittelfeld

Bislang sind es nur kleine Staaten wie Luxemburg oder Finnland, in denen die Maßgaben der EU zum Großteil umgesetzt sind. Für drei Viertel der Bevölkerung ist eine zweite Fremdsprache dort ganz normal. In Deutschland hapert es da noch etwas. Hier spricht gerade mal jeder zweite eine Fremdsprache, sagt Andreas Pieper. Damit liege Deutschland europaweit aber im guten Mittelfeld.

Katarina Stefan ist eine löbliche Ausnahme. Neben ihrer Muttersprache Deutsch spricht sie Englisch und Russisch. Beide Sprachen studiert die 21-jährige derzeit an der Universität Potsdam. "Ich war bereits ein Jahr in England", erzählt sie. "Jetzt will ich nach Russland, damit es auch mit Russisch besser klappt." Katarina Stefan weiß, dass osteuropäische Sprachen nicht von vielen Deutschen beherrscht werden. Auf dem europäischen Arbeitsmarkt aber können solche Kenntnisse aber nur von Vorteil sein.

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