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Kultur

Sprachkenntnis ist Pflicht

Manch einer, der in eine neue Heimat gefunden hat, möchte auch die Nationalität wechseln. Ein Sprachtest ist oft Voraussetzung. Aber wie sieht so eine Prüfung aus?

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Büffeln für den Sprachtest: junge Osteuropäer lernen Deutsch

Auf dem Weg in eine neue Staatsangehörigkeit liegt so manche hohe Hürde. Zahlreiche Wanderungen durch stickige Behördenflure, Berge von Antragsformularen in mehrfacher Ausfertigung sowie die Suche nach etlichen Dokumenten gilt es zu meistern. In manchen Ländern kommt ein Sprachtest hinzu, beispielsweise in Deutschland, den Niederlanden und Australien. Der Antragsteller soll beweisen, dass er die Sprache seines künftigen Heimatlandes leidlich beherrscht.

Beamte vor Ort entscheiden im Einzelfall

Wer seine Deutschkenntnisse nicht mit Zeugnissen von Schule oder Universität nachweisen kann, muss sich prüfen lassen. Aber in Deutschland gibt es keinen einheitlichen Test. Zwar sieht die allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Paragrafen acht des Staatsbürgerschaftsgesetzes ausreichende Sprachkenntnisse als gegeben, "wenn sich der Einbürgerungsbewerber im täglichen Leben einschließlich der üblichen Kontakte mit Behörden in seiner deutschen Umgebung sprachlich zurechtzufinden vermag". Dazu gehöre es auch, einen "Text des alltäglichen Lebens" verstehen und wiedergeben zu können. Was genau darunter zu verstehen ist, bleibt den Ämtern der einzelnen Bundesländer überlassen. Das kann also von Land zu Land variieren.

Die südlichen Bundesländer verlangen, dass der Anwärter einen kurzen Text auf Deutsch schreibt, zum Beispiel eine Postkarte. Oft übernehmen die Volkshochschulen die Prüfung, das letzte Wort bleibt aber den Behörden vorbehalten. In den nördlichen Ländern genügt es, wenn der Staatsbürger in spe bei einem Prüfungsgespräch einen kleineren Zeitungsartikel inhaltlich wiedergeben kann. Ob die gebotene Darstellung ausreicht, liegt im Ermessen der Beamten.

Spiel mit Klischees: die "Integrationsshow"

Die niederländischen Nachbarn erwarten mehr von ihren angehenden Mitbürgern. Diese müssen in einem Einbürgerungstest sowohl vorgesprochene als auch geschriebene Texte verstehen und in eigenen Worten mündlich und schriftlich wiedergeben können. Doch gilt es nicht nur die Sprachfertigkeit unter Beweis zu stellen. Auch Fragen zu Land, Leuten und Staatsaufbau werden gestellt.

Im holländischen Fernsehen wird die Einbürgerung zum Spaß. Mehrere "Ausländerteams" treten in der "Großen Integrationsshow" gegeneinander an, um den Titel der "bestintegrierten Minderheit der Niederlande" zu erringen. Statt Punkte gibt’s Käse für richtig geträllerte Schlager oder einen "echt niederländischen" Fahrradklau.

Der feierliche Eid gehört dazu

Die Australier nahmen es Anfang des vergangenen Jahrhunderts noch ernster. Das Land "Down Under" verstand sich als europäischer Außenposten, weshalb der Zuzug von Asiaten verhindert werden sollte. Jeder Einwanderer wurde in einer willkürlich gewählten europäischen Sprache geprüft. Asiaten hatten bei einem Test auf Finnisch oder Ungarisch somit kaum eine Chance.

Mittlerweile reicht es zwar aus, wenn der angehende Australier in einem Interview seine Rechte und Pflichten als Staatsangehöriger kennt und sich grundlegend auf Englisch ausdrücken kann. Ein Punktesystem mit unterschiedlichen Kategorien sorgt aber für eine strikte Regelmentierung des Zuzugs. Die Glücklichen die angenommen wurden, leisten dann bei einer Zeremonie den Schwur auf das australische Vaterland.

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  • Datum 09.09.2003
  • Autorin/Autor Sebastian Ertinger
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  • Permalink http://p.dw.com/p/42gI
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