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Sprachbar

Sprachkekse

Weicheier haben manchmal einen Kloß im Hals, wenn sie sich Klopse geleistet haben. Sie gehen manchen dann auf den Keks, müssen die Suppe selbst auslöffeln. Hauptsache, sie spielen nicht die beleidigte Leberwurst.

Wer hat das nicht schon mal erlebt: Da steht man und will etwas sagen. Entweder will man die Geliebte fragen, ob sie einen heiraten möchte – schließlich hat man ja lange genug den Schillerschen Spruch "Gut prüfe, wer sich ewig bindet" beherzigt. Oder man steht vor dem Chef und will ihm eingestehen, dass man sich einen dicken Klops geleistet hat. Und da gibt es dieses dicke Ding, was einem – bildlich gesprochen – im Hals steckt, was verhindert, dass man das, was man sagen will, heraus bringt.

Kloß im Hals

Eine Mann macht einer Frau mit einem Blumenstrauß einen Heiratsantrag

Sie macht es ihm nicht leicht – und dann noch ein Kloß im Hals!

Der sprichwörtliche Kloß im Hals. Der Kloß im Hals ist nicht etwa ein Knödel oder eine halbe Frikadelle. Der Kloß im Hals ist etwas, woran man schwer zu schlucken hat. Etwas, was einem die Tränen in die Augen treiben kann.

Diese Art Kloß ist im übertragenen Sinn etwas schwer Verdauliches. Etwas, woran man lange und schwer zu kauen hat. Ein dicker Brocken eben. Ein anderes Wort für Kloß ist Klops und ein dicker Klops bezeichnet umgangssprachlich einen schweren Fehler, den sich jemand geleistet hat.

Du Weichei!

Außer Kloß und Klops sind noch viele andere Wörter, die eigentlich Ess- und Trinkbares bezeichnen, in bildhaften, umgangssprachlichen Ausdrücken vertreten. So das Weichei. Es ist beileibe kein weiches Ei, sondern das Gegenteil eines hartgesottenen Burschen. Also jemand, der zum Beispiel lieber warm als kalt duscht, der sensibel ist. Weicheier sind keine Machos.

Von Keksen und Geistern

Diese können der ein oder anderen Frau mit ihrem prahlerischen Gehabe bisweilen ziemlich auf den Keks gehen – sprich auf die Nerven gehen. Der Keks ist so etwas wie die Birne. Die wiederum so etwas wie der Kopf.

Denn was dem einen auf den Keks geht, geht dem anderen auch schon mal auf den Geist. Es nervt! Vor mehr als 40 Jahren war Keks eines der Synonyme für LSD. Und diese Droge ging im wahrsten Sinne auf den Geist und löste Halluzinationen aus.

Beleidigte Würste

Dicke Frau in einer Fußgängerzone

Wie eine abgebundene Leberwurst?

Aber jetzt lieber zu Herzhaftem. Da haben wir zum Beispiel die Leberwurst. Von ihrer Form her wirkt sie eher gedrungen. Menschen mit ausgeprägter Leibesfülle, die sich fatalerweise auch noch in zu enge Kleidungsstücke quetschen, werden gerne mal als abgebundene Leberwurst bezeichnet.

Wem eine solche nicht gerade wohlwollende Charakterisierung zu Ohren kommt, der wird wiederum die beleidigte Leberwurst spielen. Wie um alles in der Welt ausgerechnet eine Leberwurst zu beleidigen ist; niemand weiß es. Allerdings klänge beleidigter Katenrauchschinken noch merkwürdiger. Aber um Besonderheiten ist die deutsche Sprache ja nicht verlegen. Über viele Sprüche, Redewendungen und Floskeln lässt sich oft nur mutmaßen wie sie entstanden sind.

Friedliche Eierkuchen

So soll die Wendung Friede, Freude, Eierkuchen mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu tun haben. Es war endlich Frieden, es war Freude, und – es wurden Eierkuchen gebacken. Für Sahnetorten war die Zeit noch nicht gekommen.

Ob diese Geschichte stimmt, ist eigentlich Wurscht, will heißen ist egal. Sie ist zumindest ganz nett erfunden. Der Ausdruck Das ist Wurscht soll übrigens daher stammen, dass es zumindest früher völlig egal war, was die Metzger und Fleischer in die Wurst mischten, was also verwurstet wurde.

Tomaten auf den Augen

Tomatenschlacht in Spanien: ein Mann liegt in zermatschten Tomaten mit geöffnetem Mund und halbgeschlossenen Augen

Nicht nur Tomaten auf den Augen ...

Wie gesagt: Mutmaßungen. Nichts Genaues weiß man nicht. So ist es auch mit den Tomaten. Erboste Fußballfans brüllen schon mal den Schiedsrichter an, ob er Tomaten auf den Augen habe. Völlig klar. Wer Tomaten auf den Augen hat sieht nichts und trifft geradezu zwangsläufig Fehlentscheidungen. Zumindest dann, wenn es sich um ein Fußballspiel handelt.

Mit den Tomaten soll es aber – die Sehkraft betreffend – eine ganz besondere Bewandtnis gehabt haben. Die Kelten glaubten, dass Blinde ihre Sehkraft wieder bekommen könnten, wenn ihnen frische Tomaten auf die Augen gelegt würden. Erwiesen ist hingegen, dass bei manchen heutigen Zeitgenossen das Hungergefühl rapide nachlässt, wenn sie Tomaten essen. Durchaus auch in Suppenform.

Gelöffelte und eingebrockte Suppen

Wobei wir bei der Suppe sind, die man auslöffeln muss. Samt dem, was man sich eingebrockt, also eingehandelt hat. "Du hast es doch so gewollt. Nun sieh zu, wie du mit dem klarkommst, was du dir eingebrockt hast", bekommt jemand zu hören, der etwas gemacht hat, dessen Konsequenzen er nicht bedacht hatte.

Eine Kürbissuppe mit einem Löffeln und Brotstücken in der Suppe

Das, was man sich eingebrockt hat, muss man auslöffeln!

Wohlgemeinte sagen dann zum Trost auch schon mal umgangssprachlich: "Häng nicht rum wie ein Schluck Wasser in der Kurve!". Diesem Ausdruck mit bierernsten Erklärungen beikommen zu wollen, ist geradezu unmöglich. Man könnte auch sagen "Hock nicht rum wie ein Napfkuchen!"

Einem im Tee

In der entsprechenden Situation lässt sich aber ziemlich gut verstehen, was gemeint ist, auch wenn noch niemand einen Schluck Wasser in der Kurve gesehen oder einen Napfkuchen beim Rumsitzen erwischt hat. Es sei denn, er oder sie hätte nach ein paar Gläsern Wein mächtig einen im Tee gehabt. Den unausweichlichen Folgen am nächsten Tag kann man etwas vorbeugen, wenn man mit etwas Essbarem eine Grundlage legt, wobei wir wieder bei der Frikadelle wären …

Fragen zum Text

Hat man Angst, etwas auszusprechen, dann …

1. hat man sich verschluckt.

2. hat man einen Kloß im Hals.

3. hat man Tomaten auf den Augen.

Menschen, die viel reden, …

1. gehen einem auf den Keks.

2. gelten als Weicheier.

3. spielen die beleidigte Leberwurst.

Hat man sich etwas eingebrockt, dann …

1. tut man kleine Brocken in etwas Trink- oder Essbares.

2. hat man sich in Schwierigkeiten gebracht.

3. hat man etwas Gutes getan.


Arbeitsauftrag

Schreiben Sie einen Dialog zwischen zwei Personen zu einem von Ihnen selbst gewählten Thema. Bringen Sie dort alle Redewendungen unter, die wir in dieser Sprachbar erklärt haben.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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