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Kultur

Sprachexotik im Mittelmeer

Am 1. Mai 2004 ist auch für den Dolmetscher- und Übersetzungsdienst der Europäischen Kommission Stichtag: Neun Sprachen kommen hinzu. Eine nicht ganz einfache ist die Sprache Maltas, das "Malti".

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Sprechen Sie Malti?


Nach der Osterweiterung werden im Europäischen Parlament die Abgeordneten statt in elf in zwanzig Sprachen diskutieren. Theoretisch werden bei den Debatten pro Sprache zwanzig Dolmetscher benötigt. Dazu kommen unzählige Dokumente wie Gesetzestexte, Pressemitteilungen oder Internetseiten, die eilig übersetzt werden müssen.

Dolmetscher Mangelware

Bis dahin muss Brüssel auch für den Sprachexot Malta jeweils 40 Dolmetscher und Übersetzer finden. Robert Rowe vom Übersetzerdienst umschreibt diese Aufgabe gegenüber DW-WORLD diplomatisch: "Das ist eine große Herausforderung." Gerade einmal 400.000 Menschen beherrschen Maltesisch. Schon allein wegen dieser geringen Zahl sinkt die Wahrscheinlichkeit erheblich, qualifizierte Übersetzer für diese Sprache zu finden.

Viele Malteser sind mehrsprachig und beherrschen neben Maltesisch sehr gut englisch und häufig auch noch italienisch. Allerdings gibt es auf Malta keine Fakultät, die Übersetzer oder Dolmetscher ausbildet. Vor allem Dolmetscher sind Mangelware: Der Internationale Verband der Konferenzdolmetscher, AIIC (Association Internationale des Interprètes de Conférence), listet lediglich einen Dolmetscher für Maltesisch auf. Zum Vergleich: für Deutsch stehen über 1000 auf der Liste.

Task-Force forscht nach Übersetzern

Der Großteil von über 80.000 Gesetzestexte wurde bereits von Freelance-Übersetzern aus Malta übersetzt. Ab Mai 2004 braucht die EU aber Übersetzer, die in Brüssel oder Luxemburg Vollzeit arbeiten. Um Übersetzer für die exotischen Sprachen - zu denen übrigens auch die baltischen Sprachen zählen - aufzuspüren, sei eine Task-Force gegründet worden, erzählt Rowe. Sie versuche vor allem über Bildungseinrichtungen in den jeweiligen Ländern mit Sprachkennern in Kontakt zu kommen.

Maltesisch stand lange nicht auf der Sprachenliste der Europäischen Union. Englisch ist die zweite offizielle Amtssprache in dem Inselstaat, die maltesischen Geschäftsleute wickeln ihre Geschäfte gewöhnlich auf Englisch ab. Auf dem Inselstaat leben zudem Dutzende Sprachschulen nicht schlecht von den Englischkursen, für die Studenten aus der ganzen Welt anreisen. Dennoch: für die Malteser ist Maltesisch ein Symbol ihrer Unabhängigkeit und deshalb drängten sie auf die Anerkennung als offizielle Amtssprache. Erst 1934 wurde die Inselsprache von den britischen Kolonialherren als offizielle Landessprache anerkannt.

Semitische Sprache mit lateinischen BuchstabenMaltesisch ist die einzige semitische Sprache, die mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird. Laut- und Wortbildung sowie Grammatik sind stark mit dem Arabischen verwandt. Über 98 Prozent der Bevölkerung ist katholisch, doch das Wort für "Gott" ist immer noch "Allah". Auch andere Kulturen, die einst die Insel beherrschten, haben Spuren hinterlassen. Zwei Drittel des Wortschatzes stammten aus dem Sizilianischen, erläutert Manfred Moser im Gespräch mit DW-WORLD. Moser ist Autor eines deutsch-maltesischen Wörterbuchs, für das er über 60.000 maltesische Wörter und Redewendungen gesammelt hat.

Moser schätzt die Lebendigkeit und geringe Standardisierung des Maltesischen. "Ein Standard-Wörterbuch vergleichbar dem Duden gibt es nicht", so der Malta-Fan. Viele Inselbewohner könnten Maltesisch nur sprechen, aber nicht schreiben. Die Aussprache variiere je nach Ort, viele urtümliche Redensarten hätten sich bewahrt. Natürlich seien auch zahlreiche englische Begriffe übernommen worden. Bei Recherchen für sein Wörterbuch stößt Moser aber immer wieder auf Wörter, für die es keine Entsprechung im Deutschen gibt. "Etwas zwischen Daumen und Zeigefinger drehen, dafür gibt es im Maltesischen ein eigenes Wort", sagt Moser, der an der zweiten Auflage seines Wörterbuchs arbeitet. Seine Motivation: "Wenn die Malteser sehen, dass ein Fremder sich für ihre Sprache interessiert und diese dann auch noch spricht, ist die Freude riesengroß."

  • Datum 20.02.2004
  • Autorin/Autor Steffen Leidel
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  • Permalink http://p.dw.com/p/4hBZ
  • Datum 20.02.2004
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