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Bücher

Sprache als Gastgeberin: Dichter SAID wird 70

Seine Worte erzählen von der inneren Zerrissenheit eines Exilanten. Obwohl sein Herz noch bis heute an seinem Geburtsland Iran hängt, hat SAID seine Heimat schließlich in der deutschen Sprache gefunden.

"Der Glückliche" bedeutet der Künstlername in seiner persischen Muttersprache. Doch das Leben des exil-iranischen Schriftstellers SAID ist vor allem geprägt von Heimatlosigkeit und Einsamkeit. Seine Heimat, zumindest seine literarische, hat er schließlich in Deutschland gefunden. Wenn ihn die Gedanken an das Geburtsland bedrängen, dann schreibt er. Das Exil war und ist seine literarische Inspiration, und gleichzeitig die Quelle seines inneren Zwiespalts. Heute wird SAID 70 Jahre alt.

Verschlossene Heimat 

SAID wird 1947 in Teheran geboren. Als Jugendlicher geht er fürs Studium nach München, wo er sich intensiv mit den politischen Misständen in seinem Land auseinandersetzt. Zusammen mit anderen iranischen Studenten organisiert er Rechtsanwälte für politische Gefangene im Iran. In Deutschland kann er das aussprechen, was in seiner Heimat nicht mehr geht. Das Regime von Schah Reza Pahlavi duldet keine Widerworte und unterdrückt die immer größer werdende Oppositionsbewegung.

Irans Revolutionsführer Ajatollah Chomeini (Foto: picture-alliance/dpa/AFP/G. Duval)

Anführer der Islamischen Revolution: Ajatollah Chomeini nach Rückkehr aus dem französischen Exil

Erst nach 14 Jahren in Westdeutschland kehrt SAID 1979 nach dem Sturz des Schahs in den Iran zurück. Doch er fühlt sich fremd. "Der Flieder duftet nicht wie früher", schreibt er in einem Gedicht. Die Wirren und der Terror der Islamischen Revolution bewegen SAID dazu, schon nach einigen Wochen wieder nach München zurückzukehren. Die Mullahs unter Führung von Ajatollah Chomeini hatten nun die Macht über seine Heimat. "Die Machthaber wechseln, der Terror bleibt", schreibt er später.

Literarisches Zuhause

Zurück in der Bundesrepublik verarbeitet er die Erfahrungen der Rückkehr in das Land seiner Kindheit und Jugend im Gedichtband "Wo ich sterbe, ist meine Fremde". Im Iran konnte er seine Heimat nicht finden und auch in Deutschland fühlt er sich nicht zu Hause. Die Leere und Einsamkeit, aus der er keinen Ausweg zu sehen scheint, beschreibt er in seinem Gedicht "Im Exil": "Wie ein Goldfisch / im klaren Glas / mit trübem Wasser / spiele ich blaues Mittelmeer / und pflege meinen Hechtkult. / Manchmal nur / küsse ich den Wasserspiegel / und behaupte, / dass ich lebe." Im Exils flüchtet sich SAID in die Literatur und findet in ihr schließlich seine Heimat. Die deutsche Sprache wird sein Sprachrohr, sein Bezugspunkt, seine "eigentliche Gastgeberin", wie er sagt.

Frauenkirche in München mit Bergpanorama (Foto: picture-alliance/dpa)

Neue Heimat: Seit den Sechzigerjahren wohnt SAID in München

Nach seinem literarischen Debüt "Liebesgedichte" 1981 veröffentlicht SAID  zahlreiche lyrische und prosaische Werke sowie Kinderbücher und Hörspiele und wurde zu einem der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller. In seinen Arbeiten thematisiert er seither vor allem die Themen Liebe und Exil. Auch die Kritik an den politischen Verhältnissen im Iran sind ein wiederkehrendes Motiv. Doch für einen politischen Autor hält sich SAID nicht. "Literatur muss nur schön sein. Wenn Sie sich instrumentalisieren lassen wollen, gehen Sie in die Partei", sagt er.

Ausgezeichneter Kultur-Mittler

Von 2000 bis 2002 wird SAID als erster ausländischer Schriftsteller Präsident des PEN-Zentrums Deutschland. Während seiner Amtszeit engagiert er sich intensiv für verfolgte Schriftsteller, auch aus dem Iran, denen Stipendien in Deutschland ermöglichte. Für sein literarisches Werk sowie sein politisches und kulturelles Engagement erhielt SAID zahlreiche Auszeichnungen wie die Hermann-Kesten-Medaille, Adelbert-von-Chamisso-Preis und die Goethe-Medaille. 2014 würdigte ihn der damalige Bundespräsident Joachim Gauck als "Vermittler zwischen den Kulturen" und verlieh ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Berlin: Übergabe Türkei-Petition der Schriftstellervereinigung PEN an die Bundesregierung (Foto: DW/A. Scholz)

Mitglieder der Schriftstellervereinigung PEN setzen sich für verfolgte Autoren weltweit ein

Ob SAID der Bedeutung seines Namens gerecht wird und tatsächlich glücklich ist? Der Schriftsteller scheint zumindest seine innere Rastlosigkeit auch mit 70 Jahren nicht ablegen zu können - sein aktuelle Gedichtband "auf der suche nach dem licht" erschien im vergangenen Jahr.

Für ihn mag das Fluch und Segen zugleich sein. Für die deutschsprachige Literatur ist es letzteres.

 

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