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Alltagsdeutsch – Podcast

Sportwagen in Handarbeit

Deutschlands Automarken wie BMW, Mercedes und Volkswagen sind weltweit bekannt – auch für ihre sportlichen Modelle. Autos mit einem Gecko als Markenzeichen sind nur etwas für eine kleine, exklusive Kundschaft.

Sportwagen in Handarbeit, Werkshalle Wiesmann. Copyright: Wiesmann Juni, 2012 ***Nur im Zusammenhang mit dem Beitrag verwenden***

Sportwagen in Handarbeit Wiesmann

Sprecher:
Wer an die deutsche Automobilindustrie denkt, dem fallen Städte wie München, Stuttgart oder Wolfsburg ein, in denen BMW, Mercedes und Volkswagen ihren Sitz haben. Aber wer kennt schon Dülmen? Hier – am Rande des Ruhrgebietes – steht die Manufaktur der Firma Wiesmann. Das Wort Manufaktur drückt schon aus, dass dort etwas in Handarbeit gemacht wird: In diesem Fall sind es Sportwagen – in klassischem Design, aber mit modernster Technik. Riesige Hallen, in denen Arbeiter unterstützt von Robotern hunderttausende Fahrzeuge herstellen, sucht man vergeblich. Bei Wiesmann verlassen pro Jahr etwa 250 Autos das Firmengelände. Und es sind nicht irgendwelche Autos, sondern luxuriöse, sehr schnelle Sportwagen. Martin Wiesmann, einer der beiden Firmengründer, ist sich dieser besonderen, exklusiven Stellung seines Unternehmens bewusst:

Martin Wiesmann:
„Ja gut, es ist natürlich schon ’n bisschen ungewöhnlich, was [wir] hier machen. Es gibt nicht so ganz viele Firmen in Deutschland, die Autos in dieser Art bauen. Und insofern haben wir schon ’ne relativ exklusive Stellung.“

Sprecher:
Schon als Kind hatte Martin Wiesmann davon geträumt, einmal Autos zu entwickeln. 1988 gründeten er und sein Bruder Friedhelm ihr eigenes Unternehmen. Erfahrung in der Branche hatten sie im elterlichen Autohaus gesammelt. Die Idee, einen eigenen Sportwagen zu entwickeln, der an Fahrzeuge der 1960er Jahre erinnerte, kam den Wiesmann-Brüdern bei einer Automesse:

Martin Wiesmann:
„1985 war ich in Essen auf der ‚Motor Show’ und sah dann viele Kleinserienautos, die aber schlecht gemacht waren zum Teil. Und da dachte ich mir, das kannst du eigentlich auch – oder sogar besser.“

Sprecher:
Martin Wiesmann hatte auf der einmal im Jahr stattfindenden 'Motor Show' in Essen Sportwagen gesehen, die – wie auch er es sich vorstellte – in geringer Stückzahl, in einer Kleinserie, produziert wurden. Allerdings erfüllten manche dieser Wagen nicht seine Vorstellung von Qualität. Sie waren schlecht gemacht und mit veralteter Technik ausgestattet. Er wollte es besser machen. 1993 war dann der erste serienreife Wiesmann auf der Straße. Inzwischen sind die Sportwagen mit einem kleinen Gecko als Firmenlogo Liebhaberstücke. Angetrieben werden sie von PS-starken BMW-Motoren. Und wie ist es den Wiesmann-Brüdern gelungen, den großen Autokonzern davon zu überzeugen, dessen Technik zu nutzen, obwohl die Rechtsabteilung des bayerischen Autokonzerns zunächst dagegen war?

Martin Wiesmann:
„Dann sind wir am 1. September 1993 nach BMW gefahren und haben das Auto mitgenommen und haben das Auto präsentiert. Und der war damals, glaub’ ich, sehr angetan von dem, was wir ihm präsentierten. Und Dr. Reitzle, damals der Technikvorstand, er hat dann bewirkt, dass ’ne Entscheidung getroffen wurde bei BMW, uns zu beliefern.“

Sprecher:
Die Brüder nahmen redensartlich das Heft in die Hand. Sie fuhren nach München – wie Martin Wiesmann im Dialekt sagt – nach BMW. Im Ruhrgebiet ist es gebräuchlich, statt der Präposition zu die Präpositionen nach zu verwenden, wenn es sich um Ortsangaben handelt, die keine Städte oder Länder sind. In München führten die Wiesmann-Brüder ihren Sportwagen dann dem damaligen BMW-Vorstandsmitglied Wolfgang Reitzle vor, der ihn gut fand. Er war von ihm angetan und veranlasste, dass Wiesmann mit der BMW-Motortechnik beliefert wurde. Bis ein Wiesmann komplett fertig ist, dauert es durchschnittlich 350 Stunden. Beteiligt daran sind unter anderem Mitarbeiter aus der Schlosserei, der Technik, der Elektrik, der Sattlerei, also der Lederverarbeitung, und der Montage. Rahmen, Tanks, Auspuffanlagen, Karosserien und Klimaanlagen – alles wird in Dülmen hergestellt und verarbeitet. Auch das hat seinen Grund, wie Martin Wiesmann erklärt:

Martin Wiesmann:
„Ja, zum Beispiel haben wir selber ’ne Kälteanlage entwickelt. Normalerweise ist das so: ’n großer Hersteller geht zu einem bekannten Zulieferer. Der entwickelt ihm eine komplette Klimaanlage und liefert die auch ans Band. Bei uns ist es eben so, dass wir es selber machen müssen, weil sich keiner findet, der für diese kleinen Stückzahlen so was macht.“

Sprecher:
Bei Fahrzeugen aus Massenproduktion werden die Teile von anderen Herstellern gebaut und zugeliefert – wie Martin Wiesmann sagt – ans Band geliefert. Sie liefern sie so, dass sie sofort am Fließband, auf dem die Autos montiert werden, eingebaut werden können. Bei einer Produktion in kleinen Stückzahlen lohnt sich das allerdings finanziell für die Hersteller nicht. Das einzelne Teil würde letztlich zu teuer. Die Firma Wiesmann erfüllt fast jeden Gestaltungswunsch ihrer Kundschaft. Jeder lieferbare Lack wird aufgetragen, jedes beliebige Leder genäht, gern auch mit dekorativem Stich und passend zu Handtasche und Aktenkoffer. Die Klientel von Wiesmann entspricht ganz dem Klischee: männlich, über 50 Jahre alt, mehrere Sportwagen, gefülltes Bankkonto. Die meisten Wagen werden in Deutschland verkauft, aber auch in Europa, Asien und dem Nahen Osten sind die Autos von Wiesmann gefragt. Das Geschäft läuft sehr gut – trotz der Diskussion um den Umweltschutz und den Ausstoß des schädlichen Kohlendioxids CO2. Gibt es ein Umweltbewusstsein bei Herstellern und Käufern?

Martin Wiesmann:
„Ich glaube aber, dass durchaus ’n Interesse unserer Kundschaft besteht, geringere Verbräuche zu haben und CO2-Ausstoß zu minimieren und auch insgesamt umweltgerechtere Autos zu fahren. Aber es steht sicherlich nicht zentral im Vordergrund. Wichtig ja, aber nicht das entscheidende Argument für den Kauf.“

Sprecher:
Martin Wiesmann ist der Überzeugung, dass seine Kunden schon umweltgerecht handeln, das heißt, an den Schutz der Umwelt und des Klimas denken. Sie hätten Interesse daran, dass der Benzinverbrauch nicht so hoch sei. Übrigens: Das Substantiv Verbrauch gibt es nur im Singular, obwohl in der Umgangssprache manchmal der Plural Verbräuche verwendet wird. Der Umweltaspekt ist jedoch – so Martin Wiesmann – nicht der Hauptgrund, das entscheidende Argument, für einen Kauf. Seine Kundschaft lege Wert auf ein „emotionales Auto“, eines, bei dem man die Fahrt auf Berg- und Landstraßen richtig genießen könne.






Fragen zum Text

Gefällt jemandem etwas, kann er/sie sagen: …
1. „Ich bin enttäuscht.“
2. „Ich bin davon angetan.“
3. „Das hat mich sehr bewogen.“

Fertig produzierte Autos …
1. laufen vom Band.
2. sind am laufenden Band unterwegs.
3. bewegen sich auf dem Fließband.

Von diesem Uhrenmodell gibt es nur 100 Exemplare, da es …
1. ein Serienmodell ist.
2. in einer Kleinserie hergestellt wurde.
3. nicht in Serie gegangen ist.


Arbeitsauftrag
Manche Nomen im Deutschen gibt es nur im Singular. Welches der unterstrichenen Nomen kann nicht in den Plural gesetzt werden?

1. Die Wärme in tropischen Ländern ist für viele Deutsche schwer erträglich.
2. Weiches Holz ist nicht geeignet, um daraus Möbel herzustellen.
3. Das Glück mancher Menschen ist unglaublich.
4. Viele Bäume im Wald haben so viel Laub, dass es ganz dunkel ist.
5. In diesem Kaufhaus habe ich einen schönen Stoff gesehen.
6. Gestern ist unser Gepäck nach Hause geliefert worden, das bei unserer Rückkehr aus den Ferien im falschen Flugzeug unterwegs war.

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