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Sport

Sportmuffel auf dem Vormarsch?

Millionen sind hierzulande als Jogger, Radler und Inline-Skater unterwegs oder pilgern ins Fitness-Studio. Doch eine Umfrage legt den Schluss nahe, dass die Deutschen ihre sportlichen Aktivitäten eher zurückschrauben.

Mann liegt faul auf der Liege. Foto: dpa

37 Prozent treiben seltener Sport als noch vor drei Jahren, während nur 27 Prozent dies angeblich häufiger tun. So lautet das Ergebnis einer Studie, bei der Fitness-Studio-Betreiber INJOY mehr als 1.000 Bundesbürger im Erwachsenenalter befragen ließ. Demnach sind knapp 40 Prozent nicht oder kaum sportlich aktiv.

Der Bayreuther Sportwissenschaftler Wolfgang Buskies, der die Studie begleitet hat, differenziert das Bild vom "Bewegungsmuffel": "Für mich ist eigentlich das Wichtigste, dass immer noch so viele Leute nicht so intensiv Sport betreiben, dass es gesundheitlich positive Anpassungserscheinungen gibt." Ein Teil mache de facto überhaupt keinen Sport. Ein anderer großer Teil bezeichne sich zwar als Sportler, belaste sich aber nicht intensiv genug.

Schwelle überschreiten

Gruppe beim Nordic Walking. Foto: DW

Ab und zu ist zu wenig

Auch der Rekordzahl von gut 27,4 Millionen Vereinsmitgliedern, die der Deutsche Olympische Sportbund zuletzt meldete, bescheinigt Professor Buskies durchaus gute Absichten. Aber wer im Klub zumeist als "Karteileiche" überwintert oder ab und zu Nordic Walking betreibt, darf offenbar kaum auf Wunder hoffen: "Das Minimum, wenn Sie gesundheitliche Effekte auf das Herz-Kreislaufsystem oder das Immunsystem erzielen wollen, ist ein Mehrverbrauch pro Woche von circa 700 bis 1000 Kilokalorien. Das entspricht in etwa 80 Minuten Training."

Beliebteste sportliche Betätigung ist laut Umfrage Fitnesstraining, gefolgt von Jogging sowie Radfahren und Inline-Skating. Und jeden Vierten zieht es bereits in kommerzielle Fitness-Studios, knapp sechs Millionen Deutsche sollen dort nach Angaben des Deutschen Sportstudio-Verbands (DSSV) mittlerweile Mitglieder sein.

Verena Geweniger, Präsidentin des Deutschen Pilates Verbands, trainiert auf einem Spezialgerät. Foto: V. Geweniger

Pilates-Körpertraining, ob mit oder ohne Gerät, ist in

Den Wunsch, sein Training möglichst individuell und notfalls allein gestalten zu können, belegt auch die aktuelle Studie. "Jeder, der die Schwelle überschreitet, wird eher staunen über das Ambiente und die Betreuung durch qualifizierte Trainer", beschreibt INJOY-Geschäftsführer Paul Underberg die Vorzüge der Fitness-Studios. "Theoretisch ist man hier nur an Öffnungszeiten gebunden, aber es gibt natürlich auch Gruppenaktivitäten, wie die jetzt wieder besonders populären Yoga- oder Pilates-Kurse."

Lifestyle und Therapie

Das Klischee von der "Mucki-Bude" scheint also passé. Dieser Trend spiegelt sich auch an den mehr als 220 Standorten des Unternehmens wider, das sich als Marktführer in Europa bezeichnet: Dort liegt der Frauenanteil schon bei über fünfzig Prozent, wobei der Altersdurchschnitt der Mitglieder insgesamt 43 Jahre beträgt.

Unbenutzter Fitnessraum in einem Schweizer Hotel. Foto: ap

Hanteln wollen auch benutzt werden

Laut Studie wird aber am liebsten zuhause oder im privaten Rahmen trainiert. 38 bzw. 35 Prozent entfielen bei Mehrfachnennungen auf diese Segmente. Doch gerade hier meldet Sportmediziner Wolfgang Buskies auch Zweifel an: "Sie glauben gar nicht, wie viele Fahrrad-Ergometer, Cross-Trainer oder Hantelsets sich weitgehend unbenutzt in deutschen Haushalten finden lassen!"


Nach Zeitmangel wurden als häufigster Grund, auf Sport zu verzichten, übrigens Rückenschmerzen genannt. "Das mutet befremdlich an, weil wir ja wissen, dass ein Großteil der erwachsenen Bevölkerung Rückenbeschwerden hat“, kommentiert Professor Buskies. „Und wir kennen viele Programme, um Rückenschmerzen wirksam vorbeugen oder therapieren zu können. Insofern sollten eigentlich fast alle Leute, die Rückenbeschwerden haben, auch körperlich weiter aktiv sein.“

Spaßfaktor eher gering

Stabhochspringer Danny Ecke mit Stab auf der Schulter. Foto: ap

Leben ohne Sport - für Danny Ecker unvorstellbar

Fitness und Gesundheit sind für die Befragten denn auch die wichtigsten Motive. Nur bei knapp 22 Prozent steht offenbar der Spaß beim Training im Vordergrund. Eine verblüffend geringe Zahl, zumal diese als Indikator für das Durchhaltevermögen oder gar Etablieren als „Lifetime-Sportler“ gelten kann. "In der Kindheit fängt man doch nicht an, weil man einen guten Strandkörper kriegen möchte, sondern weil man Freude an der Bewegung hat", staunt selbst ein Top-Athlet wie Stabhochspringer Danny Ecker. "Die werde ich auch so schnell nicht verlieren - und deshalb dürfte ich auch nach Beendigung meiner Karriere immer sportlich aktiv bleiben."


Autor: Lutz Kulling

Redaktion: Stefan Nestler

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