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Doping

Sportler zahlten für Dopingvertuschung

Nach Recherchen von ARD und "Le Monde" hat der Leichtathletik-Weltverband IAAF auffällige Blutwerte von mindestens sechs russischen Sportlern bewusst ignoriert - gegen Zahlung von Schutzgeld.

Kolumbien IAAF Präsident Lamine Diack (Getty Images/IAAF/B. Mendes)

Im Visier der französischen Justizbehörden: Der frühere IAAF-Präsident Lamine Diack und sein Clan

Der Doping- und Korruptionsskandal im Leichtathletik-Weltverband IAAF hat offenbar weit größere Ausmaße als bisher angenommen.  Nach Informationen der ARD-Dopingredaktion und der französischen Tageszeitung "Le Monde" sollen Schutzgelder erhoben und Millonenverträge verschoben worden sein, und das über Jahre. Das gehe aus Unterlagen der Pariser Staatsanwaltschaft hervor, die gegen den Clan um den ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack ermittelt. Führende Vertreter des Weltleichtathletikverbandes IAAF, so ARD und "Le Monde", hätten extrem auffällige Blutwerte aus dem Jahr 2011 und auch aus folgenden Jahren von mindestens sechs russischen Spitzensportlern bewusst ignoriert - gegen Zahlungen von jeweils 300.000 bis 700.000 Euro. 

Eigentlich überführte Athleten konnten weiter starten

Hindernisläuferin Julija Michailowna Saripowa gewinnt bei Olympia Gold 2012, später muss sie die Medaille wegen Dopings abgeben. Foto: Getty Images

Saripowa wurde ihr Olympia-Gold 2012 aberkannt

Namentlich genannt werden die Marathonläuferin Lilija Schobuchowa, die Geher Waleri Borchin, Olga Kaniskina, Sergej Kirdjapkin, Wladimir Kanaikin sowie Hindernisläuferin Julija Saripowa. Die IAAF habe die auffälligen Blutwerte dieser Sportler bewusst ignoriert. Sie konnten demnach unbehelligt bei internationalen Wettkämpfen wie Olympia und Weltmeisterschaften antreten und Medaillen gewinnen. Laut den Unterlagen, die die ARD-Dopingredaktion einsehen konnte, sind diese sechs Athleten Teil einer Liste von insgesamt 23 Sportlern, die in Dokumenten im Zusammenhang mit Doping-Vertuschung auftauchen. Borchin, Kaniskina, Kirdjapkin und Saripowa sind ihre Olympiasiege von Peking und London inzwischen aberkannt worden.

WADA zögerlich

Auch die derzeit wegen Dopings gesperrte Türkin Asli Cakir Alptekin, die ihre Goldmedaille über 1500 m von London inzwischen ebenfalls zurückgeben musste, hatte im vergangenen Juli zugegeben, vom Diack-Clan erpresst worden zu sein. Sie hatte eine Zahlung allerdings verweigert und war gesperrt worden. Offenbar hat auch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) nur zögerlich gehandelt. Die WADA soll die IAAF-Ethikkommission im Herbst 2014 über auffällige Blutwerte und den Verdacht der Schutzgeldzahlungen informiert haben. Im weiteren Verlauf seien die Dopingjäger diesen Hinweisen aber nicht aktiv nachgegangen.

Die französischen Behörden ermitteln in dem Korruptionsskandal unter anderem gegen Lamine Diack, seinen Sohn Papa Massata Diack und den ehemaligen Anwalt des Clans, Habib Cisse. Sie sollen nicht nur Schutzgeld erhoben haben, sondern auch Millionen-Beträge auf Offshore-Konten in der Karibik verschoben haben.

sn/jk (ARD, sid)

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