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Sport

"Sportförderung spielt sich in den Armeen ab"

Bei den Olympischen Winterspielen soll Deutschland wieder erfolgreichste Wintersportnation werden. Ohne Förderung z.B. der Bundeswehr könnte Deutschland diese führende Stellung im Weltsport kaum behalten.

Rodlerin Tatjana Hüfner in der Eisrinne (Foto: AP)

Oberfeldwebel Tatjana Hüfner will Gold im Rodeln

Sind Sie bereit, für 1919 Euro brutto im Monat 60 Stunden pro Woche zu arbeiten? Haben Sie die Bereitschaft, viel zu reisen und auch mal bis zu fünf Wochen von der Familie getrennt zu sein? Machen Ihnen auch "extreme Temperaturen" nichts aus? Dann könnten Sie bald zu Deutschlands Spitzensportlern gehören.

Nach einer Studie der Sporthochschule Köln beträgt das monatliche Bruttoeinkommen vieler deutscher Topsportler nur 1919 Euro – manche verdienen sogar nur ein Drittel davon. "Das ist eine fast unvorstellbare Lebenssituation, und dennoch erbringen diese Athleten mit unglaublichem Enthusiasmus und Leidenschaft Höchstleistungen", meint Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick, die selbst ab 1991 von der Deutschen Sporthilfe mit damals "100 oder 200 D-Mark" gefördert worden war.

15.000 Euro für Gold

Jochen Hecht von den Buffalo Sabres (vorn) am Puck. (Foto: AP)

Jochen Hecht ist der Krösus der deutschen Olympioniken

Dabei könnte man vermuten, dass Leistung Geld bringe. Der Chef der Deutschen Sporthilfe, Werner E. Klatten brachte kürzlich das "Elite-Plus-Programm" auf den Weg, das ab Januar 2011 startet und Spitzenathleten mit bis zu 2000 Euro im Monat fördert. "Mit einer Förderung dieser Summe kann sich ein Athlet ausschließlich auf Sport konzentrieren. Das ist notwendig, um dann wirklich auch die Erfolge zu haben, die wir uns wünschen."

Bei sportlichen Topereignissen wie den Olympischen Winterspielen kleckern die meisten Nationen nicht – sie klotzen. Die erfolgreichsten Russen zum Beispiel kassieren aktuell pro Goldmedaille eine Prämie von 100.000 US-Dollar und ein Auto; Gastgeber Kanada zahlt zwar "nur" 20.000 Dollar an ihre Olympiasieger, aber die Stiftung CAN schüttet weitere 100.000 Dollar an jeden Gewinner aus. Zum Vergleich: Die Deutsche Sporthilfe spendiert bei Gold 15.000 Euro, bei Silber 10.000 Euro und bei Bronze 7.500 Euro pro Athlet. Von den deutschen Dachorganisationen zahlen nur der Ski- sowie der Bob- und Schlittenverband extra Preisgelder. Der Deutsche Skiverband verteilt insgesamt 500.000 Euro an seine Medaillengewinner.

Glücklich ist, wer einen guten Sponsoren- oder gleich einen profitablen Profi-Vertrag in der Tasche hat, so wie Deutschlands Eishockeyspieler. Topverdiener unter den deutschen Olympioniken ist Stürmer Jochen Hecht von den Buffalo Sabres mit jährlich 3,8 Millionen Dollar.

Bundeswehr sieht sich als größten Förderer

Josef Nehren (li) und Andreas Hahn vom Dezernat Spitzensport der Bundeswehr

Die Bundeswehr fördert die Athleten: Nehren (li) und Hahn

Eine Alternative bietet die Bundeswehr. Sie ist - neben der Sporthilfe, dem Zoll und der Bundespolizei - der größte Förderer des deutschen Hochleistungssports. Bei den Olympischen Winterspielen 2010 stellt die Bundeswehr 63 (42 Frauen/21 Männer) der insgesamt 153 Athleten. "Damit unterstützen wir die Zielsetzung der Bundesrepublik im Hochleistungssport", sagt Andreas Hahn vom Dezernat Spitzensport der Bundeswehr. "Das heißt: internationale Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften und Olympischen Spielen. Die Spitzensportförderung in vielen Ländern dieser Erde spielt sich in den Armeen ab."

Die Sportsoldaten absolvieren eine Grundausbildung von acht Wochen, danach wenden sie 30 Prozent der Dienstzeit für die militärische Aus- und Weiterbildung auf. Die restlichen 70 Prozent umfassen Training, Wettkampfvorbereitungen und –teilnahmen. "Das Geheimnis unserer Förderung ist die Zeit, die die Sportler bekommen, um möglichst erfolgreich zu werden", sagt Dezernatsleiter Josef Nehren. "Wir stellen Tisch, Bett und Zeit, natürlich auch die Bezahlung."


Hauptfeldwebel Kati Wilhelm: deutsche Biathlon-Goldhoffnung

Biathletin Kati Wilhelm im Schießstand (Foto: AP)

Zielen und treffen: Hauptfeldwebel Kati Wilhelm bei der Arbeit

Insgesamt können im Moment maximal 824 Sportler von der Bundeswehr gefördert werden. Voraussetzung: Sie müssen Mitglied bei einer Nationalmannschaft sein und einem höchsten drei Bundeskader angehören. Auch nicht-olympische Sportarten, die im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) organisiert sind, werden berücksichtigt. Bezahlt wird nach Dienstgrad. Sold ist Sold. "Hauptfeldwebel Kati Wilhelm bekommt genauso viel wie Hauptfeldwebel Schmitz", erklärt Nehren. Unabhängig davon, ob die Biathletin gerade Gold gewonnen hat.

Kati Wilhelm ist wohl das berühmteste Aushängeschild der Bundeswehr. Auch Oberfeldwebel Tatjana Hüfner (Rennrodeln), Hauptfeldwebel Tobias Angerer (Ski-Langlauf) und der Gefreite Pascal Bodmer (Skispringen) verdienen ihren Sold bei der Bundeswehr - so wie früher Susi Erdmann oder Silke Otto (Rennrodeln/Bob).

Bundeswehr erfüllt parlamentarischen Auftrag

Im Mai 1968 wurde die Bundesregierung durch Beschluss des Deutschen Bundestages dazu aufgefordert, "zur Förderung von Spitzensportlern bei der Bundeswehr Fördergruppen einzurichten, die soweit wie möglich an Leistungszentren der Sportverbände angelehnt werden sollten."

Im Moment gibt es 15 dieser Sportfördergruppen in der Nähe von Olympiastützpunkten und Leistungszentren. In den letzten Jahren betrugen die Kosten der Bundeswehr für die Sportförderung durchschnittlich rund 25 Mio. Euro – eine Investition, die sich gelohnt hat: Bei den letzten zehn Olympischen Spielen seit 1992 haben Bundeswehrangehörige 188 Medaillen und damit rund 43 Prozent der insgesamt 435 deutschen Medaillen geholt. Bei den letzten Winterspielen in Turin 2006 waren es 19 von 29 Medaillen – also fast zwei Drittel, Tendenz steigend. "Wenn der DOSB mit seinen Medaillenhoffnungen Recht behält, werden wir wieder ganz oben mit dabei sein", prophezeit Dezernatsleiter Nehren.

Autorin: Olivia Fritz
Redaktion: Stefan Nestler

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