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Kultur

Sportexperte de Marees: Fasten gefährlich

Welche Gefahren drohen fastenden Sportlern? Der Sportmediziner de Marees im DW-Interview

DW: Herr de Marees, kann ein Fußballspieler während einer WM streng fasten?

Markus de Marees: Wenn Fasten bedeutet: zwölf Stunden lang keine Flüssigkeit aufnehmen, und ich bei 32 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent Hochleistungen vollbringen soll, dann ist das schwer vorstellbar. Jedenfalls nicht ohne gravierende Leistungseinbußen.

Was passiert im Körper eines Sportlers, der keine Nahrung und keine Flüssigkeit aufnimmt?

Nicht der Verzicht auf Nährstoffe und Energie ist das Problem. Limitierender Faktor ist der Mangel an Flüssigkeit. Der Körper heizt auf, erreicht kritische Temperaturen – unter den brasilianischen Bedingungen bis zu 40 Grad. Während des Spiels verliert ein Spieler bis zu sechs Litern Flüssigkeit. Das geht nicht ohne Leistungseinbußen.

In Brasilien werden die Spiele auch schon mal in der größten Mittagshitze angepfiffen. Droht Gefahr für die fastenden Spieler?

Es kommt darauf an, wie der Ramadan praktiziert wird: Wenn ich wirklich den ganzen Tag über nichts trinke, dann ist das schon gefährlich. Es gibt Untersuchungen, die eine größere Verletzungshäufigkeit während des Ramadan belegen. Aber da wurden nicht die Klimabedingungen von Brasilien berücksichtigt…. Wir sprechen hier von einer Weltmeisterschaft. Da bringt es nichts, wenn ich 95 Prozent meiner Leistungsfähigkeit bringe. Da sollten es schon 100 Prozent sein - oder ein bisschen mehr.

Worauf sollten fastende Profisportler und ihre Trainer achten?

Wenn ich einen fastenden Spieler einsetze, muss ich ihn ausreichend versorgen. Wenn das nicht geht, sollte ich ihn extern kühlen, das heißt, mit einer geringeren Kerntemperatur in das Spiel gehen lassen, in der Halbzeitpause wieder runter kühlen und nach dem Abpfiff ebenfalls. Aber es bleibt ein hohes gesundheitliches Risiko!