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Sport

Sport ist keine heile Welt

Eine Studie über den deutschen Spitzensport hat teilweise alarmierende Ergebnisse gebracht. Manipulationen, Doping und psychische Erkrankungen von Sportlern sind weiter verbreitet, als mancher dachte.

Der deutsche Spitzensport ist alles andere als eine heile Welt. So könnte man die Ergebnisse einer Studie der Sporthochschule Köln zusammenfassen. Die Forscher hatten auf Basis einer Datenbank der Deutschen Sporthilfe 1154 deutsche Topsportler befragt. Immerhin 8,7 Prozent von ihnen gaben an, schon einmal an Ergebnis-Absprachen beteiligt gewesen zu sein. 37 Prozent antworteten auf diese Frage nicht. Fußballer wurden nicht befragt.

Auch Doping ist im deutschen Sport offenbar mehr als eine Nebenerscheinung: 5,9 Prozent der Befragten räumten ein, regelmäßig zu Dopingmitteln zu greifen. Auch hier ist die Dunkelziffer hoch, 40,7 Prozent äußerten sich nicht. 10,8 Prozent der Spitzensportler gaben an, sie konsumierten regelmäßig Schmerzmittel.

Symbolbild Doping. Foto

Doping - mehr als nur die Ausnahme?

Das Unrechtsbewusstsein ist bei einer beträchtlichen Zahl von Sportlern offenbar unterentwickelt: 10,2 Prozent sehen absichtliche Regelverstöße als legitimes sportliches Mittel. 40,4 Prozent antworteten nicht auf diese Frage.

Viele haben Existenzangst

Viele Sportler empfinden ihre Lage als prekär. 9,3 Prozent litten nach eigenen Angaben an Depressionen, 11,4 Prozent an Burn-Out, 9,6 Prozent an Essstörungen. Mehrfachnennungen waren möglich. Auch hier lag die Zahl der Nicht-Antworten bei jeweils rund 40 Prozent.

Das durchschnittliche Nettoeinkommen, das die Befragten durch den Sport erzielen, liegt bei 538 Euro im Monat, zusätzlich verdienten sie 542 Euro netto abseits des Sports. Vor diesem Hintergrund ist es kaum überraschend, dass 57,7 Prozent der Athleten Existenzangst als möglichen Grund für Fehlverhalten im Sport angaben. 88,6 Prozent nannten Erfolgsdruck, 55,5 Prozent Profitgier als möglichen Antrieb für Doping, Betrug oder andere Regelverstöße.

Die Studie zeigt auch, dass der Spitzensport in der Bevölkerung in einigen Bereichen deutlich anders wahrgenommen wird als von den Sportlern selbst. So konnten sich in einer Umfrage nur 12,7 Prozent vorstellen, dass Existenzangst Sportler zu Fehlverhalten verleitet.

Die Spitze des Eisbergs?

Die Ergebnisse der Studie lösten eine Diskussion über den Zustand des deutschen Spitzensports aus. Die Zahlen gäben Anlass zur Sorge, sagte die SPD-Politikerin Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses. Möglicherweise sei es nur die Spitze des Eisbergs. "Die Studie zeigt vor allem, dass der Sport mitten in der Gesellschaft stattfindet", meinte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), "und dass die Sportler die gleichen Probleme und Sorgen haben wie die Menschen um sie herum." Die DOSB-Athletenkommission verwahrte sich gegen den Eindruck, dass Sportler korrupt seien und massenhaft manipulierten. "Allerdings ist es längst an der Zeit, die Nöte und komplexen Belastungen unserer Sportler auf dem Weg in die Weltspitze ernst zu nehmen", hieß es in einer Erklärung der Kommission.

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