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Sport

Sport in der Stadt

Vor der Tür brummt der Verkehr, drinnen quengelt das Kind. Großstadtalltag in Deutschland. Die Deutsche Sporthochschule hilft Eltern dabei, ihre Kinder trotzdem gesund groß werden zu lassen.

Ein Zuhause ohne Garten, berufstätige Eltern – wie kann ein Kind trotzdem sportlich gefördert werden? Noch dazu, wenn man in einer Großstadt wohnt und nur eine Drei-Zimmer-Wohnung zur Verfügung steht? Diese Frage hat sich die Sporthochschule Köln gestellt und im Rahmen eines Gesundheitsprojektes einen Fitnesstest für Kinder entwickelt. Dort kann man prüfen, wie aktiv Kinder im Vergleich zu Gleichaltrigen sind und Eltern bekommen wichtige Tipps. So lässt sich der Alltag zwischen Kindertagesstätte und eigener Wohnung durchaus sportlich und gesund gestalten.

Das beginnt übrigens schon bei den Kleinsten, den Unter-Dreijährigen. Für die Kleinsten ist Bewegung elementar, erklärt Tanja Becker, Leiterin des Familien-Servicebüros der Deutschen Sporthochschule Köln. Es sei erwiesen, dass jede Gefühlsregung über Bewegung ausgedrückt werde und dass der Kontakt zu den Eltern oder den Geschwistern über Bewegung erfolge. Die Sprache reiche dafür noch nicht aus. "Also bedienen sie sich ihres Körpers, um mit der Welt und mit sich selbst in Kontakt zu treten."

Alte Matratze besser als Tische und Stühle

Deshalb ist es enorm wichtig, Kindern die Möglichkeit zu geben, sich zu bewegen. Nicht nur draußen, sondern auch in der eigenen Wohnung, im Kinderzimmer. "Es gibt ein sehr schönes Buch: 'Schafft die Stühle ab'. Das sollte das Motto sein im Kleinstkindbereich", erklärt Becker. Also möglichst keine festen Möbel, sondern viel Platz zum Bewegen und Erkunden. Kindgerecht ist ein Zimmer, wenn man dort gefahrlos spielen kann. Das heißt: keine scharfen Kanten, keine offenen Steckdosen, aber auch keine Regale, die erklettert werden könnten. Am besten, man begebe sich selbst einmal auf alle Viere und schaue aus dieser Höhe durch das Zimmer, rät Becker: "Für so kleine Kinder sind Teppiche, Matten, oder eine alte Matratze, die auf dem Boden liegt, schon genug Anregung zum Krabbeln, Heraufspringen, Herumtoben."

Die zwei Stofftiere Ball und Birne helfen bei der Gesundheitsförderung im Kindergarten (Foto: Sporthochschule Köln)

Die Stofftiere Ball und Birne helfen spielerisch bei der Gesundheitserziehung im Kindergarten

Das genügt schon für den Anfang, wo Kinder zunächst krabbeln, kriechen und rollen lernen, später dann stehen, gehen und laufen. Daraus entwickelt sich dann das Klettern, Niederspringen und Balancieren. Zudem sei alles ideal und kindgerecht, was mit Rhythmik zu tun habe, also klatschen, stampfen, wippen, schaukeln, sagt Becker. All das lasse sich auch in den Alltag einbinden, wenn man sich dazu Zeit nehme. Zum Beispiel könnte man, statt den Kinderwagen zu nehmen, das Kind selber laufen lassen. "Das wären elementare kleine Sachen, wovon das Kind viel mehr profitiert als von Frühförderung in der Mini-Ballettgruppe oder ähnlichem. Das ist zumindest unsere These."

"Jedes Kind ist bewegungsfreudig"

In großen Turnhallen mit entsprechender Lärmkulisse und mit vielen anderen tobenden Kindern lassen sich Jüngere oft einschüchtern, ziehen sich zurück und beobachten erst einmal. Auch das sei in Ordnung. "Jedes Kind ist bewegungsfreudig, aber nicht jedes Kind ist ein Draufgänger", sagt Becker. Für größere Kinder bietet sich ein Sportverein oder eine Turngruppe eher an, meint ihre Kollegin Kristin Manz. "Es wird empfohlen, dass Kinder mindestens zwei Stunden am Tag aktiv sind, wobei ein Anteil strukturiert sein sollte, also angeleitet."

Manz weist auch noch einmal auf den bewiesenen direkten Zusammenhang von Fernsehkonsum und Übergewicht hin und betont, dass Kinder, die früh übergewichtig und unsportlich seien, auch im Schulalter darunter litten. Ein Teufelskreis. "Wir empfehlen, erst ab zwei Jahren mit dem Fernsehgucken anzufangen, dann aber nicht lange und beobachtet."

Ausprobieren lassen

Kinder auf ein Klettergerüst (Foto: ddp images/AP Photo/Tara Todras-Whitehill)

Klettern, toben, ausprobieren auf dem Kinderspielplatz

Angeleitete Aktivität gibt es in Arbeitsgruppen, Vereinen oder auch in schulischen Projekten. Die siebenjährige Maike ist zum Beispiel eine echte Sportskanone. Sie kann sich gar nicht entscheiden, welche Sportart sie am liebsten mag. In einem Zirkusprojekt ihrer Schule lernte sie, am Trapez zu schweben, all das setzt sie nun an den Ringen um. "Ich kann mich hinstellen und Spagat machen. Und ich kann die Brücke und mich runterhängen lassen und mich anschaukeln. Und noch mehr Dinge, die mir gerade nicht einfallen." Ihre Mutter ist begeistert, allerdings hat sie ihr Kind auch immer machen lassen.

Spielen, toben, Spaß haben an der Bewegung, all das sollte man schon im Vorschulalter fördern – ohne Leistungsgedanken und ohne Angst. Auch in der Großstadt gibt es Möglichkeiten, sein Kind draußen spielen zu lassen: in Parkanlagen oder auf Spielplätzen. Denn je früher ein Kind aktiv wird, desto mehr profitiert es von seinen Bewegungserfahrungen und wirkt späterem Übergewicht entgegen.

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