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Sport

Sponsoren sorgen für Unbehagen in London

Die Olympischen Spiele in London sind in vollem Gang und Großbritannien hat bis jetzt, im Großen und Ganzen, Lob für den Ablauf bekommen. Aber es gibt auch einige Bedenken über die Rolle der großen Sponsoren.

Die London 2012 Eröffnungsfeier am vergangenen Freitag wurde als Triumph in der ganzen Welt verkündet, und verdiente sogar eine Auszeichnung in der Bild-Zeitung: die "coolste Show aller Zeiten." Die französische Tageszeitung Libération nannte die Leistung voll von "Humor und ungezügelter Phantasie," und Le Parisien fand die Show "großartig, originell und ausgefallen."

Und, abgesehen von ein paar Problemen, scheinen die Spiele bis jetzt auch relativ glatt zu laufen. Die Medien haben sich weitgehend auf die sportlichen Geschichten konzentriert: sie berichten vom Medaillenspiegel, Dopingkontroversen und von erstaunlichen sportlichen Leistungen.

Aber es gab auch ein paar Pannen, vor allem die peinlichen Bilder von leeren Sitzen in einer Reihe von Veranstaltungen, einschließlich der Gymnastik und dem Aquatics Center - obwohl es hieß die Ereignisse seien ausverkauft.

Englische soldaten sitzen in leeren sportarenen

Peinlich für die Veranstalter: viele leere Ränge bei den Spielen

Um das Problem zu vertuschen, wurden Truppen und Studenten eingesetzt, um die Lücken auszufüllen, und die Organisatoren gaben bekannt, dass mehr Tickets Tag für Tag zur Verfügung gestellt würden.

Sponsoren

Aber im Land selbst gibt es ein Gefühl des Unbehagens über die Rolle der großen Sponsoren bei den Spielen.

Es gab Beschwerden über globale Giganten wie Coca-Cola und McDonalds. Elf Riesen-Sponsoren haben insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar für die exklusive Nutzung der olympischen Marke bezahlt. Doch Kritiker sagen, dass diese Exklusivität in einer plumpen Art und Weise umgesetzt worden ist, ganz und garnicht im Sinne des olympischen Geistes.

Die Spiele haben sogar die Aufmerksamkeit des amerikanischen Anti-Konsum-Prediger und Komiker Reverend Billy Talen geerntet, der auf den Straßen von London Parolen gerufen hat: "Die Konzerne raus aus den Olympischen Spielen! Die Olympiade ist korrupt!"

Seine Ausschweifungen haben Resonanz bei manchen Briten gefunden. Julian Cheyne hat sich gegen die Olympischen Spiele in London engagiert.

"Das sind große Unternehmen die profitieren," sagte Cheyne gegenüber der DW. "Die Sponsoren sind große Unternehmen. Normale Menschen werden vernachlässigt."

McDonald's restaurant

McDonalds hat sich im Olympic-park breitgemacht

Und er meint, dass kleine Unternehmen, die versucht haben, sich etwas vom olympischen Geist abzuzapfen, hart bestraft werden. Einem Metzger drohte man mit einer $30.000-hohen (24.400 euro) Geldstrafe, weil er fünf Würste in Form der olympischen Ringe in sein Schaufenster hing. Und Blumenhändlerin Lisa Cross bekam auch den Unmut der Behörden zu spüren - für ihr Olympia-Blumenarrangement (samt Pappfackel).

"Jeder sagte, 'Was für eine wunderbares Display'! Wir unterstützen ja nur Team GB! Was haben wir verbrochen? Ich sehe nicht, was ich da falsch gemacht habe."

Die Redaktion des Spectator Magazine stimmt ihr zu. Sie sind empört über das, was sie als plumpe Markenkontrolle durch die Behörden betrachten.

"Ich denke sie sind absurd", sagt Redakteur Freddy Gray. "Sie ruinieren ihre eigene Marke durch diesen exzessiven Schutz."

Ambush-Marketing

Doch die Behörden haben das Recht auf ihrer Seite. Verletzung der Olympia-Marken ist eine Straftat. Und Nicht-Sponsoren ist es per Gesetz verboten, in der Nähe von olympischen Einrichtungen zu werben. Man könnte aber auch argumentieren, dass ein Nicht-Sponsor daran schuld ist, denn das sogenannte Ambush-Marketing von US-Sportartikelhersteller Nike bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta hat die Offiziellen und ihre Sponsoren traumatisiert. Mark James ist Dozent für Rechtswissenschaften an der Universität Salford:

"Nike kaufte alle Werbeflächen in und um Atlanta's Zentrum, so dass sie in der Lage waren massive Berichterstattung in den Medien zu bekommen, obwohl die Firma nicht offizieller Sponsor der Spiele war", erklärt er.

Das könnte erklären, warum die Behörden unbedingt Nicht-Sponsoren aus dem olympischen Rampenlicht raushalten wollen. Aber was ist, wenn jemand mit einer Pepsi in der Hand durch die Werbe-Sperrzone spaziert? Und darf jemand der einen Microsoft T-Shirt trägt in den Olympic Park überhaupt rein? Eine Frage für den zuständigen britischen Olympia-Minister Hugh Robertson:

"Er oder sie darf in den Park", sagte er der DW. "Sie werden nur nicht in den Park reingelassen, wenn sie als Teil einer Gruppe kommen und die individuelle Kleidung damit zum Ambush-Marketing wird."

Kleine Unternehmen

Ein Coca-Cola schild entlang der Old Route 66

Coca-Cola ist einer von 11 Sponsoren bei den Spielen

Aber während Coca-Cola nervös wird über mögliche hinterhältige Aktionen von Pepsi, wundert sich Helen Day, warum sie von den olympischen Behörden belästigt wird. Sie betreibt eine kleine Entertainmentagentur mit einer Truppe von Akrobaten. Als sie ein Foto der Mädchen in fünf Ringe veröffentlichte, und ihre Dienste anbot für Olympische Partys, wurde sie mit einem Verbot bestraft.

"Ich denke, sie haben eine richtige negative Stimmung unter Kleinunternehmern verbreitet. Das ist echt Schade, weil wir es feiern wollen. Und schließlich stecken unsere Steuergelder in den Spielen," sagt Day.

Inzwischen ist es fast zu einem Volkssport werden, die Behörden und ihre Sponsoren zu triezen. Ein führender britischer Weinhändler ist mittlerweile so erbittert über die olympische Zensur, dass er hohe Rabatte angeboten hat - für alle Kunden, die beweisen können, dass sie bei Nicht-Sponsoren eingekauft haben.

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