Spitzelvorwürfe gegen Volkswagen | Aktuell Deutschland | DW | 15.04.2018
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Der VW-Konzern im Zuliefererstreit

Spitzelvorwürfe gegen Volkswagen

Im erbitterten Streit mit dem Zulieferer Prevent soll der VW-Konzern auch Spitzel eingesetzt haben. Die Wolfsburger weisen das weit von sich und sprechen von "Recherchen". Prevent äußert sich "schockiert".

37 "Zielpersonen" sollen ab März 2017 beschattet worden sein. Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, beauftragte ein Jurist aus der VW-Einkaufsabteilung über die Kanzlei Hogan Lovells eine Berliner Sicherheitsfirma. Es sei um Informationen über Mitglieder der Prevent-Eigentümerfamilie, zahlreiche Führungskräfte der Tochterfirmen sowie drei Anwälte der Unternehmensgruppe gegangen.

Der Vorgang lief bei dem Wolfsburger Autokonzern intern unter dem Decknamen "Herzog", wie es weiter heißt. Die Privatermittler suchten demnach auch Wohnadressen auf und dokumentierten ihre Beobachtungen in zahlreichen Dossiers.

Ein VW-Sprecher bestätigte der "Bild am Sonntag" den Vorgang. Ziel sei es gewesen, mehr Transparenz über die Strukturen und Netzwerk der Unternehmensgruppe zu bekommen. "Nach unseren Erkenntnissen sind die Recherchen von dem Dienstleister stets im Rahmen der rechtlichen Vorschriften durchgeführt worden", sagte der Sprecher demnach. Aus der Kanzlei Hogan Lovells, die VW in dem Fall berät, heißt es, der beauftragte Dienstleister "sollte zu jeder Zeit möglichst offen auftreten und sämtliche Rechercheschritte schriftlich dokumentieren". Dabei habe man betont: Alle gesetzlichen Regeln seien einzuhalten, sagte ein Vertreter der Kanzlei der Deutschen Presse-Agentur. Die "Bild am Sonntag" zitiert aus Unternehmenskreisen, die Ermittlungen seien möglicherweise "über das Ziel hinausgeschossen".

Wolfsburg Niedersachsen Firma Prevent (Imago/regios24)

Die Firma Prevent in einem Gewerbegebiet nahe Wolfsburg

Prevent fordert den neuen Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess auf, die Vorwürfe rasch zu untersuchen. "Im Sinne unserer Mitarbeiter und Partner müssen die Verantwortlichen umgehend und abschließend Klarheit schaffen", ließ das Unternehmen erklären. "Das Vorgehen von VW hat uns zutiefst schockiert, vor allem, weil offenbar auch das Privatleben von Mitarbeitern ausgeforscht wurde."

Video ansehen 02:04

Volkswagen: Alle Zeichen auf Neuanfang

Hinter Prevent steht die bosnische Investorenfamilie Hastor, die mit der gescheiterten Machtübernahme beim Autozulieferer Grammer und ihrer Beteiligung am inzwischen insolventen Küchenhersteller Alno für Schlagzeilen gesorgt hatte. Die Aussetzung von Lieferungen bei zwei Prevent-Firmen nach einem durch Volkswagen gekündigten Auftrag hatte im August 2016 in mehreren VW-Werken die Bänder still stehen lassen - trotz einstweiliger Verfügungen des Landgerichts Braunschweig, die zur Wiederaufnahme der Belieferung verpflichten sollten. Vor kurzem hatte Prevent nun Kündigungen und Kurzarbeit an eigenen Standorten angekündigt, weil der Autobauer Verträge fristlos beendet habe.

rb/cw (afp, dpa, BamS)

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