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Politik

Spionieren am Schreibtisch

Wenn ein Geheimdienst von sich reden macht, dann hat er meist ein Problem. Der CIA leidet unter negativen Schlagzeilen und immer mehr Leute fragen sich, was die Agenten eigentlich die ganze Zeit tun.

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Erst waren es die falschen Informationen über Saddams Waffen. Dann das Fehlen zuverlässiger Infos über Irans Atomprogramm. Zudem ist Bin Laden immer noch auf freiem Fuß, obwohl die ersten Steckbriefe nun fast fünf Jahre alt sind. Präsident Bush riss der Geduldsfaden. Er ließ den CIA-Chef feuern, obwohl er mal gerade ein Jahr im Amt war. Um den Nachfolger gibt es Streit im Kongress. Und vorläufig ungelöst ist die Frage: Was machen eigentlich Amerikas Agenten?

Das CIA-Hauptquartier liegt im Washingtoner Vorort Langley in Virginia, im Grünen, an der Schnellstrasse zu Tyson's Corner, einer der größten Shopping-Mall Amerikas. Ein Schild mit der Aufschrift "George Bush Center for Intelligence" steht an der Zufahrtsstrasse. Gut getarnt, der Geheimdienst.

Bürokraten statt Macher

Von hier aus werden Satelliten und Abhörantennen gesteuert, es wird geplant, gelauscht und analysiert. So muss man es zumindest vermuten. Aber wenn man den Klagen der Kritiker Glauben schenkt, dann haben die Bürokraten hier die Macher abgelöst. Schreibtischtäter statt 007. Es gibt angeblich kaum noch CIA-Mitarbeiter, die in der Lage sind, sich unerkannt unter ein fremdes Volk zu mischen und geschmeidig Geheimnisse auszukundschaften. Zu gefährlich, zu anstrengend, zu schlecht bezahlt? Die Nachfrage beim CIA hilft nicht weiter: Man darf ausländischen Medien hier keine Auskunft geben.

Dass das aktuelle Berufsbild der CIA-Mitarbeiter von landläufigen Vorstellungen abweicht, wird jedoch auf den amerikanischen Berufs- und Karrieremessen schnell deutlich. Keine "Career fair" an einer renommierten amerikanischen Uni, bei der nicht auch die CIA mit einem Stand vertreten wäre. Neben Disney und General Electric, Microsoft und General Motors. Denn alle suchen die gleichen Kandidaten: Ingenieure und Softwarespezialisten. Der Unterschied: beim CIA gehört angeblich der Lügendetektor zum Bewerbungsgespräch.

Bibliothekar verdient mehr als Agent

Dass die CIA Kritiker vielleicht nicht ganz Unrecht haben, lässt die Webseite der CIA vermuten. Wie jedes gute amerikanische Unternehmen hat der CIA zu vergebende Jobs säuberlich im Internet aufgelistet. Unter www.cia.gov/employment/index.html finden sich die Karrieren, die in Agentenromanen in der Regel ausgespart werden: Anwalt, Fahrer, Fitness Spezialisten, Software-Experten. Wie viel dem CIA die Fähigkeiten der Mitarbeiter wert sind, lässt sich hier genau taxieren: Ein politischer Analyst kann es auf ein Jahresgehalt von 114.882 US Dollar bringen, ein Bibliothekar auf 74.782 US Dollar. Anwälte werden bei der CIA mit einem Jahresgehalt bis zu 135.136 US Dollar geködert.

Die Agenten oder "Core Collectors" im "Elite Corps" für geheime Operationen, die Informationen aus erster Hand sammeln sollen, müssen sich für ihre Dienst am Vaterland mit weniger als der Hälfte des Anwaltssalärs begnügen: 65.769 US Dollar.

Oh Moneypenny, bleibt nur zu hoffen, dass es die Aston Martin Dienstwagen noch gibt!

  • Datum 11.05.2006
  • Autorin/Autor Stephan Bachenheimer
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8Sao
  • Datum 11.05.2006
  • Autorin/Autor Stephan Bachenheimer
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