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Politik

Spionagehilfe Google Earth

In 80 Tagen reiste Jules Verne um die Welt. Google-Benutzern reichen dazu ein paar Mausklicks. Mit Satellitenbildern können sie den Globus ausspionieren. Terroristen eröffnet dieser Service ungeahnte Möglichkeiten.

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Brandenburger Tor und Berliner Regierungsviertel von oben

Google Earth: Erdkugel

Faszinierend: Der Blick auf die Weltgoogle

Nachdem bereits Regierungsvertreter Südkoreas, Australiens und der Niederlande Befürchtungen geäußert hatten, Satellitenbilder von Google Earth könnten von Terroristen ausgenutzt werden, hat sich nun auch der indische Präsident diesen Bedenken angeschlossen. Abdul Kalam sagte, dass die genauen Karten und Fotos bereits gefährdete Objekte zu noch leichteren Zielen für Terroristen machen. Der indischen Zeitung "The Times of India" zufolge hat sich auch das indische Ministerium für Wissenschaft und Technik mit dem Satellitenprogramm beschäftigt. Ergebnis: Die detaillierten Bilder des indischen Parlaments, der Präsidentenresidenz oder der umliegenden Regierungsstellen bilden eine potenzielle Gefahr.

Indien ist Einzelfall

Google Earth: Niagara-Fälle

Wie weit ist es bis zu den Niagara-Fällen?

Als nicht ganz nachvollziehbaren Einzelfall betrachtet Gerhard Geiger, Sicherheitsexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, die indische Kritik: "Es gibt verschiedene Möglichkeiten um an Informationen zu kommen. Über Satellitenfotos, Radaraufnahmen oder Infrarotsysteme. Die Aufnahmequalität ist unterschiedlich zu beurteilen, auf einer Skala von "normal" bis "ultrahochauflösend". Für militärische- und sicherheitsrelevante Analysen sind eigentlich nur die ultrahochauflösenden Aufnahmen entscheidend, also besser als ein Meter. So gut sind die bei Google Earth verwendeten Aufnahmen nicht." Das Bundesinnenministerium sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf. Zwar seien Luftaufnahmen von gefährdeten Gebäuden immer ein sensibles Thema, aber das US-Unternehmens, das vor allem durch seine Internet-Suchmaschine berühmt geworden ist, betrachte man nicht als zusätzliche Gefährdung im Bereich der Terrorabwehr. Ähnliche Einschätzung kommen auch vom Bundesnachrichtendienst BND. Um Terroranschläge vorzubereiten müsse man immer noch vor Ort sein, heißt es dort.

Keine militärischen Bedenken

Google Earth Screenshot Berlin Deutschland Reichstag

Spielzeug oder Gefahr? Das Satellitenprogramm Google Earth

Auch aus militärischer Sicht gibt es in Deutschland keine Bedenken. Aus Kreisen des Verteidigungsministeriums wird an die veränderte sicherheitspolitische Lage seit Ende des Ost-West-Konflikts erinnert. Durch die vertrauensbildenden Maßnahmen des so genannten Wiener Dokuments von 1999 sei die internationale Zusammenarbeit so stark, dass die über Google zugänglichen Satellitenbilder keine erhöhte Gefährdung für Bundeswehreinrichtungen oder internationale Einsätze bedeuteten.

Steigendes Sicherheitsrisiko

Google Earth: Der Kreml in Moskau.

Der Kalte Krieg ist vorbei: Blick auf den Kreml in Moskau

Satellitenfotos waren im Internet auch vorher schon verfügbar, allerdings nur über sperrige Datenbanken. Der stark erleichterte Zugang durch Google Earth ist ein neuer Gesichtspunkt, meint Sicherheitsexperte Geiger. "Früher wäre es eher aufgefallen, wenn sich terroristische Vereinigungen Satellitenbilder beschafft hätten. Dass heute jeder mit einem Mausklick kostenfrei an die Bilder kommen kann, ist schon als steigendes Sicherheitsrisiko zu bewerten." Allerdings müsse man in der Betrachtung doch deutlich zurückhaltender sein, als es der indische Staatspräsident gewesen ist.

Animation zur Spionage

Google Earth: Berlin Alexanderplatz, Bild 24

Blick vom Schreibtisch auf den Berliner Alexanderplatz

Wie stark Google Earth zum Spionieren animiert, zeigt die Aktion einer britischen Online-Zeitung. "The Register" hatte Anfang Oktober einen öffentlichen Spionage-Wettbewerb über Google Earth gestartet. Unter dem Titel "Find the Black Helicopter" sollten die Leser ungewöhnliche und geheime Militärobjekte lokalisieren. Eine Aktion mit großem Erfolg und enormer Resonanz. Schon nach wenigen Tagen gab es hunderte Zuschriften. Gefunden wurden sogar Aufnahmen von Hubschraubern auf einer Militärbasis im irakischen Basra.

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