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Wirtschaft

Spielwarenhersteller kehren zurück

Die mageren Jahre sind vorbei. Die deutschen Spielzeughersteller machen wieder gute Geschäfte – mit traditionellem Spielzeug. Und: Immer mehr Firmen kehren Asien den Rücken und produzieren wieder in Deutschland.

Barbie-Puppe in einem Schaufenster

Bei Kleinkindern immer noch gefragt: Die Barbie-Puppe

Es ist über fünf Jahre her, dass der amerikanische Spielzeughersteller Mattel über 1,5 Millionen in China hergestellte Spielwaren zurückrufen und einen Verkaufsstopp verhängen musste. Das Spielzeug war mit Farben bemalt, die einen sehr hohen Bleigehalt aufwiesen. Seitdem ist viel geschehen in der Branche, sagt Ulrich Brobeil vom Deutschen Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) in Stuttgart. So wurde die europäische Spielzeugrichtlinie novelliert und der Verband unterstützt die Unternehmen bei der Sicherheitsüberprüfung: "Es werden Fachkräfte ausgebildet, wir bieten Online-Datenbanken an mit den aktuellen Vorschriften. Wir prüfen die Spielsachen auch selber. Wir haben hier in unserem Büro in Stuttgart auch ein Messgerät für Schwermetalle", sagt Brobeil.

Seit einigen Jahren erobern wieder klassische Spielzeuge die deutschen Kinderzimmer. Kreative Spiele werden vom Nachwuchs gewünscht und von den Eltern auch bewusst gekauft. Ein Trend auf der am Mittwoch (01.12. 2012) beginnenden Spielwarenmesse in Nürnberg sind zum Beispiel Seifenblasen, die nicht wie früher aus kleinen Röhrchen, sondern aus einer Pistole geschossen oder per Rakete erzeugt werden können.

Der Spielzeugindustrie geht es richtig gut

Ulrich Brobeil, Finanzvorstand und Pressesprecher, Deutscher Verband der Spielwarenindustrie e.v. (DVSI) in Stuttgart (Foto: DVSI)

Ulrich Brobeil vom DVSI

Der Umsatz mit Computerspielen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. High Tech aber ist nach wie vor gefragt. Natürlich bekommen die Kids glänzende Augen bei Hubschraubermodellen, die sogar über Nachbars Grundstück fliegen können – Ärger mit den Nachbarn ist da womöglich vorprogrammiert.

Der Branche kann es egal sein: Nach mageren Jahren legt die deutsche Spielzeugindustrie seit 2009 zu: 2010 mit einem Plus von fünf Prozent, 2011 sind es nach Angaben von Ulrich Brobeil, rund sechs Prozent. Im vergangenen Jahr wurden rund 2,7 Milliarden Euro umgesetzt: "Die deutsche Spielzeugindustrie steht ganz weit oben, der geht es richtig gut im Moment." Die deutschen Hersteller liegen in der Top-Ten-Liste der Hersteller weltweit auf Platz sechs, hinter den USA, Japan, China, England und Frankreich.

Produktionen werden verlagert

Märklin-Lok (Foto: AP)

Märklin rollt zurück in die Kinderzimmer

Immer mehr Fabrikanten setzten wieder auf den Standort Deutschland beziehungsweise auf Europa: "Europa, ich sage jetzt bewusst Europa, sicher auch Deutschland, scheint hier als Produktionsstandort wieder attraktiver zu werden", sagt Brobeil: "Wenn wir jetzt die letzten Jahre nehmen, da wurden noch 70 Prozent der Spielwaren in China produziert. Das reduziert sich immer weiter – jährlich etwa um fünf Prozent." Und dieser Trend werde sich weiter fortsetzen.

Steigende Produktionskosten, der Mangel an Arbeitskräften gepaart mit hohen Rohstoff- und Energiepreisen sind Gründe für die Produktionsverlagerung aus asiatischen Ländern nach Europa. Unter den Rückkehrern sind traditionelle Unternehmen wie der Plüschtierhersteller Steiff, der vor 132 Jahren von Margarethe Steif gegründet wurde: "Die Firma Steiff hat sich vor ein paar Jahren schon aus Asien zurückgezogen, auch Märklin produziert mittlerweile in Osteuropa." Auch die Unternehmensgruppe Simba Dickie sei ein Beispiel. Sie produziere vollständig in Europa beziehungsweise Deutschland.

Magere Jahre sind vorbei

Spielzeug aus Bioplastik Quelle: www.greentoys.com

Auch das gibts: Spielzeug aus Bioplastik

Die deutsche Spielzeugbranche hat einige turbulente Jahre hinter sich. Es gab eine Reihe von Firmenfusionen und Insolvenzen in der Vergangenheit. So wurde der 1903 gegründete Holzspielzeughersteller Heros von der Simba-Dickie-Group übernommen. Das 150 Jahre alte Traditionsunternehmen Märklin musste 2009 Insolvenz anmelden. Seit Anfang dieses Jahres aber arbeitet der Modelleisenbahnbauer wieder eigenverantwortlich, nachdem er sich mit den Banken einigen konnte: "Nach der Insovlenz geht es ihnen wieder ganz gut", sagt Brobeil. Das hänge nicht zuletzt mit einer neuen Produktlinie zusammen: "Die ist eher etwas für Kinder. Das ist in den vergangenen Jahren doch etwas vernachlässigt worden." Denn Märklin-Eisenbahnen haben nicht nur das Herz der Kinder, sondern vor allem der Väter höher schlagen lassen.

Bei den deutschen Spielzeug-Fabrikanten wird Qualität groß geschrieben. Das liegt vor allem daran, dass sich nach den vielen Rückrufaktionen von gefährlichem Spielzeug aus China, das Bewusstsein der Verbraucher gewandelt hat. Und die Eltern sind heute auch bereit, mehr Geld für Spielzeug auszugeben.

Autorin: Monika Lohmüller
Redaktion: Henrik Böhme

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