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Wirtschaft

Spielerwechsel bei der WestLB

Nach zwei Jahren Amtszeit muss der Vorstandschef der WestLB gehen. Nachdem Sengera zuerst einen Milliarden-Verlust der Bank für 2002 zu verantworten hatte, kam nun noch ein kritisches Gutachten der Finanzaufsicht hinzu.

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Bankchef Jürgen Sengera gibt seinen Posten ab

Jürgen Sengera ist hart im Nehmen. Der Vorstandsvorsitzende der WestLB AG hat als einstiger Torwart der Handball-Nationalmannschaft viele scharfe Angriffe abgewehrt. Doch jetzt wird der frühere Spitzensportler an seinem Bank-Schreibtisch ausgewechselt. Der Chef der fünftgrößten deutschen Bank hatte nach der Vorlage eines Milliarden-Verlustes für das Jahr 2002 bereits deutlich an Rückhalt verloren.

Ein Gutachten der Finanzaufsicht zu einem Einzelengagement der Bank brachte ihn letztlich zu Fall. Mit dem Abgang am Montag (23. Juni 2003) steht die Frage, wohin steuert die Bank, wieder im Raum. Die Bank teilte nach einer Sitzung der WestLB-Anteilseigner in Düsseldorf mit, es habe "unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Geschäftspolitik" gegeben. Sengeras Vertrag sei "in gegenseitigem Einvernehmen" aufgelöst worden, ebenso der Vertrag mit Personalvorstand Andreas Seibert.

Saunders oder Sengera

So zurückhaltend der Westfale mit seinen Auftritten als Bankchef selbst auch war, in den vergangenen Wochen bestimmten Schilderungen aus der schillernden Londoner Finanzwelt die Wahrnehmung der Bank. Es entstand in Düsseldorf der Eindruck, dass Star-Investmentbankerin Robin Saunders ihren Chef Sengera im Griff habe und nicht umgekehrt. Laut Presseberichten stellte die Finanzaufsicht bei der Prüfung des jüngsten Vorsorgefalls - eine Wertberichtigung bei einem Großkredit für eine Leasinggesellschaft - eine mangelnde Risikokontrolle fest.

Sengera, der in seiner Sportlerzeit in Anspielung auf den ähnlich klingenden Namen des ostafrikanischen Nationalparks "Serengeti" gerufen wurde, trat bei der WestLB ein schweres Erbe an. Vor knapp zwei Jahren übernahm er den Vorstandsvorsitz von Friedel Neuber, der 20 Jahre an der Spitze der größten deutschen Landesbank stand. Der Neue musste nicht nur die WestLB-Aufspaltung in eine öffentlich- rechtliche Landesbank NRW und eine kommerzielle WestLB AG meistern. Der Diplom-Volkswirt wollte die Bank von politischer Einflussnahme abnabeln. Gegen seinen Vorgänger gab es immer wieder Klüngel- und Filzvorwürfe.

Kritik an hohen Risiken

Als Erfolg kann der 60-Jährige starke Kostensenkungen vorweisen. Sengera startete mit dem Paukenschlag, dass mehr als jeder zehnte Arbeitsplatz im Konzern bis Ende 2004 gestrichen werden soll. Die Bank müsse für den Wegfall der Staatsgarantien Mitte 2005 fit gemacht werden. Dem gegenüber stehen hohe Abschreibungen auf Beteiligungen und eine milliardenschwere Risikovorsorge, die den Bankkonzern 2002 tief in die roten Zahlen drückte. Der Vorsteuerverlust von nahezu 1,7 Milliarden Euro war der höchste unter den deutschen Großbanken. Vor allem die WestLB-Miteigentümer Sparkassen kritisierten hohe Risiken.

Kratzer am Image der Bank hinterließ auch die Finanzierung eines Pipeline-Baus in Ecuador. Trotz massiver Kritik von Umweltschützern hielt der Vorstand um Sengera an dem sehr umstrittenen Projekt fest. Damit wurde die WestLB AG immer wieder Thema im Düsseldorfer Landtag. Keine schöne Debatte für die mitregierenden Grünen, deren Einfluss aber nicht zur Beerdigung des Pipeline-Projektes reichte. über die Ablösung Sengeras dürfte kein politischer Streit entbrennen. Die CDU erklärte, der Prüfbericht der Finanzaufsicht habe keine andere Lösung zugelassen.

Anders könnte es bei der Auswahl des Nachfolgers sein. Der Aufsichtsrat der WestLB werde sich am 2. Juli weiter mit dem Thema beschäftigen, hieß es am Montag aus dem Unternehmen. Über die Nachfolge Sengeras würden die Organe der Bank zu einem späteren Zeitpunkt beraten. Zunächst rückt Johannes Ringel vorübergehend an die Spitze der WestLB. (kap)

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