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Fußball

Spielerberater in der Kritik

Die Branche der Spielerberater ist ins Zwielicht geraten. Sie würde die Spieler und die Vereine abzocken, horrende Honorare kassieren. Sogar von „Kinderhandel“ oder „sportlicher Zuhälterei“ ist die Rede.

Im Fußball lässt sich viel Geld verdienen

Im Fußball lässt sich viel Geld verdienen

Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball sorgte für Aufsehen, als er konkrete Zahlen an eine Hamburger Zeitung weitergab. Laut Rauball wurden alleine in der vergangenen Saison von den Vereinen der 1. und 2. Bundesliga 171 Millionen Euro an Transfersummen aufgebracht. Zusätzlich sollen 58 Millionen Euro an die jeweiligen Berater gegangen sein. „Das Verhältnis zwischen Berater-Provision und Ablösesumme ist grotesk“, so Rauball.

Manfred Schulte bei derArbeit am Computer, Foto: Thomas Klein

Spielerberater Manfred Schulte

Die Spielerberater in Deutschland wehren sich gegen derartige Beschuldigungen, gestehen aber ein, dass es zu viele schwarze Schafe in der Branche gibt. Gerade die Berater ohne Lizenz können agieren, wie sie wollen, dabei greifen Sie zu legalen, aber oft auch zu illegalen Mitteln. Manfred Schulte ist lizenzierter Berater und Geschäftsführer der Spielerberatung Prosoccer aus Köln. Er vertritt Profis wie Jan Schlaudraff von Hannover 96 oder Robert Huth vom FC Middlesborough. Sein Konzept: Schulte plädiert für Offenheit gegenüber seinen Verhandlungspartnern. Gerne dürfen seine Klienten zu Vertragsverhandlungen Familienangehörige oder Freunde mitbringen. Er betont, dass seine Firma Prosoccer das Geschäft der Spielerberatung „offen und transparent“ betreibe. Spieler und Verein würden immer mit in alle Gespräche einbezogen, auch wenn es um die Provision des Beraters geht. Das Besondere: Es gibt keinen Vertrag zwischen Prosoccer und den Spielern, alles läuft auf freiwilliger, auf Vertrauensbasis.

„Einheitliche Kontrolle für alle Spielerberater!“

Das ist eher untypisch. Schnell viel Geld verdienen und das möglichst „lautlos“, so heißt die Devise der meisten Spielervermittler. Zwischen fünf und zehn Prozent des Brutto-Jahresgehaltes eines Profis bekommt ein Spielerberater für eine erfolgreiche Vermittlung. Die Höhe der Provision hängt ganz vom Verhandlungsgeschick des Beraters ab. „Ausschläge nach oben, aber auch nach unten sind möglich“, so Schulte. Da kann man nicht gerade von einem transparenten Geschäft sprechen. Um dieser Undurchsichtigkeit Herr zu werden, wurde im Jahre 2007 die Deutsche Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung (DFVV) gegründet. Zusammen mit dem Deutschen Fußball Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) wollen die bisher über 50 Mitglieder an einer sauberen Lösung arbeiten.

Der ehemalige bulgarische Spieler Krassimir Balakow (l.) unterzeichnet neben Bernd Stubenrauch (r.), Aufsichtsrat beim sächsischen Oberligisten VFC Plauen einen Beratervertrag. Foto: dpa

Fußballspieler unterschreibt Vertrag mit seinem Berater

Nur geändert hat sich bisher wenig: Nach wie vor können zu viele Spielerberater unbehelligt ihrer Arbeit nachgehen. Bei Verstößen gegen das Regelwerk des DFVV können Sie nicht belangt werden und entgehen somit möglichen Sanktionierungen durch den DFB. Zwar gibt es ein von den Verbänden und der Spielervermittlung ausgegebenes Regelwerk, doch das gilt eben nur für die lizenzierten Berater. „Was nützt uns eine Straßenverkehrsordnung, wenn sie keiner kontrolliert? Dann würden auch hier alle fahren wie sie wollen. Genauso ist es bei dem Regelwerk für uns lizenzierte Berater“, kritisiert Manfred Schulte ein fehlendes Kontrollorgan seitens des DFB. Er fordert eine einheitliche Kontrolle für alle Spielerberater. „Wenn das so weiterläuft, dann wäre es für uns lizenzierte Vermittler viel besser, wir würden alle unsere Lizenz abgeben und würden in der Grauzone arbeiten wie unsere `Kollegen´ ohne Lizenz“, so Manfred Schulte.

Das Vorbild muss England sein

Schulte geht noch einen Schritt weiter und schiebt den schwarzen Peter den Vereinen zu. Denn wenn es um die großen Stars geht, scheint vielen Klubs jedes Mittel recht zu sein. Nicht selten fließen dann auch Summen, die keine seriösen Geschäfte vermuten lassen. „Ein unseriöser Berater kann nur dann undurchsichtige Geschäfte machen, wenn er mit einem ebenso unseriösen Geschäftspartner zu tun hat“, sagt Schulte. Die Schuld nur auf die Berater zu schieben, ist damit zu einseitig. Ein externes Kontrollorgan einzurichten, wäre an dieser Stelle wohl der richtige Weg.

Ganz wie in England: Dort gibt es bereits eine Lösung, die auch in Deutschland funktionieren könnte. Im Mutterland des Fußballs überweist der Verein die Provision des Spielerberaters an die FA, das englische Gegenstück zum DFB. Die FA leitet das Geld dann weiter an die Vermittler. Jeder kann auf diese Weise nachvollziehen, wer wann für wen gearbeitet hat - transparent eben! Was im Mutterland des Fußballs bereits funktioniert, kann auch in Deutschland klappen, doch nur wenn Vereine, Berater und Verbände an einem Strang ziehen und sich an ein allgemein gültiges Regelwerk halten.

Autor: Thomas Klein

Redaktion: Wolfgang van Kann

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