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Politik

Spielberg brüskiert Peking

Steven Spielberg tritt aus Protest gegen die chinesische Sudan-Politik als künstlerischer Berater für die Olympischen Spiele 2008 zurück. Menschenrechtsorganisationen gratulieren dem Star-Regisseur, Peking schweigt.

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Nicht mehr dabei: Steven Spielberg

Er könne nicht länger an den Feiern mitarbeiten, während China und andere Länder nicht genug unternähmen, um das Leid in Darfur zu beenden, erklärte Steven Spielberg am Mittwoch (13.2.2008). Er habe die chinesische Regierung wegen ihrer engen Beziehungen zum Sudan wiederholt aufgefordert, sich für Stabilität und Sicherheit in der westsudanesischen Krisenregion Darfur einzusetzen, hieß es in einer Erklärung des Oscar-Preisträgers.

Sudan - Frau vor chinesischer Flagge

Stein des Anstoßes: Chinas Kontakte zum Sudan


Die Lage habe sich weiter verschlimmert. Die Gewalt nehme zu. "Während Chinas Repräsentanten mir mitteilten, dass sie daran arbeiteten, die schreckliche Tragödie in Darfur zu beenden, setzt sich die grausame Realität des Leidens dort unvermindert fort", so Spielberg weiter. Angesichts dessen erlaube es sein Gewissen nicht weiterzumachen. "Zu diesem Zeitpunkt sollte meine Zeit und Energie nicht für olympische Zeremonien aufgewendet werden, sondern dafür, alles zu tun, was ich kann, um die unbeschreiblichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu beenden, die weiter in Darfur begangen werden."

China Peking Generalprobe für Olympia 2008 Skulptur

Generalprobe für die Eröffnungsfeier

Spielberg sollte bei der Inszenierung der Eröffnungsfeier für die Sommerspiele im Sommer 2008 ehrenamtlich helfen. Vor dem Hintergrund der Tragödie in Darfur und der engen Beziehungen Chinas zum Regime in Sudan, das dafür verantwortlich gemacht wird, hatten mehrere Künstler seinen Olympia-Einsatz kritisiert.

Das Außenministerium in Peking und die Olympia-Organisatoren gaben auf Anfrage zunächst keine Stellungnahmen ab. In chinesischen Medien wird der Vorfall bisher totgeschwiegen.

Öl für Waffen

China hat starke wirtschaftliche Interessen im Sudan und bezieht einen Großteil der Ölexporte des afrikanischen Landes. Dafür liefert China Waffen und verteidigt die Regierung in Khartum im Weltsicherheitsrat. Seit Anfang 2003 sind in Darfur bei Angriffen der von der sudanesischen Regierung unterstützten islamischen Dschandschawid-Milizen auf die schwarzafrikanische Bevölkerung mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen, über zwei Millionen wurden vertrieben.

Lob von Menschenrechtlern

China Peking Generalprobe für Olympia 2008 Feier

Ohne Spielberg: Kulturprogramm für Olympia


Exiltibetische Kritiker Chinas begrüßten Spielbergs Entscheidung. Pekings Führung sei verantwortlich für zunehmende Menschenrechtsverletzungen in China und Tibet und hafte auch für den "Völkermord" im Sudan, teilte die "Free Tibet Campaign" mit. Politiker und Prominente sollten ihre Teilnahme an den Spielen noch einmal überdenken. Ihre Anwesenheit demonstriere eine stillschweigende Duldung der Menschenrechtslage in China und ermutige die Führung in Peking zu weiteren Verstößen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch lobte Spielbergs Entscheidung und forderte Peking auf, die Wahrung der Menschenrechte auch im eigenen Land zu gewährleisten. Dafür sollten sich auch Sponsoren, Regierungen und die Nationalen Olympischen Komitees einsetzen, forderte die Organisation in New York. (sams)

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