1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Spieglein, Spieglein …

Spiegeln kann man sich im Spiegel – im Spiegelei aber nicht. Spiegelblank und spiegelglatt können sehr gefährlich sein. Eitelkeit aber auch. Der Spiegel kann blenden – oder die Wahrheit ans Licht bringen.

Audio anhören 06:51

Spieglein, Spieglein ...

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Der wohl bekannteste Vers über den Spiegel stammt aus dem Grimmschen Märchen Schneewittchen. In diesem Märchen ist die Königin so eitel, dass sie keine schönere Frau in ihrem Königreich dulden möchte. Über die Antwort des Spiegels – „Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr“ – ist sie so wütend, dass sie zur Verbrecherin wird. Die maßlose Eitelkeit und ihre Folgen werden den Märchenfreunden als böse Charaktereigenschaft verkauft.

Über Eitelkeit und Selbstliebe

Eine Junge Frau schaut sich durch einen Fresnel-Spiegel an

Spiegelkabinett: ein Gesicht, mehrere Facetten

Der Spiegel hat eine Vielzahl übertragener Bedeutungen. In Schneewittchen werden uns zwei der populärsten gezeigt: Hochmut und Eitelkeit – übrigens nach dem katholischem Glauben beides Todsünden. Jemand, der sich gerne und oft im Spiegel betrachtet, ist eitel. Aber es gibt Eitelkeit – und Eitelkeit, in Form von Selbstverliebtheit.

Auch das ist möglich und Thema einer alten Erzählung, nämlich der griechischen Sage um Narziss. Dieser verliebte sich beim Blick in einen See in sein eigenes Spiegelbild. Aus unstillbarer Selbstliebe soll er sich dann erdolcht haben. Zerstören sollte man einen Spiegel aus Wut über das entgegenblickende Gesicht aber nicht, denn einem Aberglauben nach bedeutet ein zerbrochener Spiegel sieben Jahre Unglück.

Ein nützlicher Gegenstand

Spiegel kaputt zerbrochen

Spiegel sind sehr empfindlich und mit Vorsicht zu behandeln

Die beiden Geschichten zur Eitelkeit halten uns Menschen den Spiegel vor, sie zeigen uns unsere sehr menschlichen Fehler und Macken. Und die sieht man im Spiegel ja sehr schnell. Nach all den Geplauder über Eitelkeit kommen wir wieder auf den Gegenstand Spiegel zurück: Er ist seit Jahrtausenden ein sehr begehrter Gebrauchsgegenstand mit einer glatten, reflektierenden Fläche.

Die ersten Spiegel waren aus Metall, im Mittelalter aus Glas, genau wie heute, aber mit einer feinen Silberschicht überzogen, damit man sich auch darin sehen kann. Der Begriff Spiegel ist dem Lateinischen entlehnt und steht für sehen oder spähen. Spähen kann man mit Spiegeln ja wunderbar, sogar um die Ecke – übrigens ein alter Spionagetrick, der in Kinderzeitschriften immer wieder für Unterhaltung sorgt. Und Autofahrer sind ohne Rückspiegel und Außenspiegel ziemlich aufgeschmissen. Aber Vorsicht, denn in Spiegeln sieht man alles spiegelverkehrt, also seitenverkehrt – eben nicht ganz genau so wie die Realität aussieht.

Verschiedene Blickwinkel

Mann mit Glatze

So ganz blank ist diese Glatze noch nicht

Mit Spiegeln kann man also auch das sehen, was einem sonst nicht direkt in den Blickwinkel kommt. So wird der spöttische Ausdruck Spiegeleierbauch benutzt, wenn ein Mann so dick ist, dass er selbst im größten Spiegel nicht mehr seine Gesamtansicht genießen kann, denn dann muss er sich auf einen Spiegel stellen, um seine Männlichkeit mal wieder betrachten zu können.

Auch anderweitig hat es der Mann nicht so leicht mit dem Spiegel. Wenn es nämlich um die fehlende Kopfbehaarung geht. Dabei ist so eine spiegelblanke Glatze ja nicht unbedingt negativ zu sehen. Denn die Redewendungen spiegelblank oder so blank, dass man sich darin spiegeln kann, werden in Zusammenhang mit großer Reinlichkeit benutzt. Und Männer sollen es mit der Reinlichkeit – zumindest dem Vorurteil nach – nicht so genau nehmen. Da hatten es Frauen, zumindest in der Barockzeit, noch leichter: In dieser Zeit wurde nämlich die Hinteransicht einer Frau liebevoll Spiegel genannt – angelehnt an die Fachsprache von Jägern, die das helle runde Hinterteil eines Rehs Spiegel nennen. Heutzutage benutzen Frauen eher den Spiegel, um ihre Kehrseite kritisch zu beäugen, und keineswegs, um sie liebevoll zu beschreiben.

Achtung: Spiegelglatt!

Eisläuferin im Sonnenschein

Spiegelglattes Eis: gefährlich, aber zum Schlittschuhlaufen wunderbar

Spiegelglatte Flächen werden nur von wenigen gerne gesehen – von Eiskunstläufern und Bobfahrern zum Beispiel. Denn ist im Winter der Schnee festgefahren oder gibt es gar Blitzeis, werden Straßen schnell zu spiegelglatten Rutschbahnen. Selbst der geübteste Fahrer ist da machtlos. Das Auto entwickelt ein Eigenleben.

Auch mancher Fußboden kann sich zu einer unheilvollen, spiegelglatten Rutschbahn entwickeln. Nämlich dann, wenn er mit einem bestimmten Wachs behandelt, gebohnert wird, damit er schön glänzt. Ist man dann zu schnell unterwegs, liegt man platsch! auf dem Boden. Schnell ist da eventuell die eigene schöne Ansicht im Spiegel verdorben. Taucht man dann mit eingegipster Nase auf, wird mancher bestimmt große, erschrockene Spiegeleieraugen machen.

Spiegelnde Pfanneneier

Spiegelei

Niemand weiß so richtig, wie ich zu meinem Namen kam

Apropos Spiegeleier. Weshalb die beliebte Zubereitung eines Eies in der Pfanne Spiegelei genannt wird, ist noch nicht wirklich geklärt. Sprachwissenschaftler vermuten, dass der Begriff daher kommt, weil das Eiweiß die Form eines Spiegels hat und das Eigelb aussieht wie ein Gesicht, das aus dem Spiegel herausschaut. Ihr Frauen, hergehört: Alle, die allein beim Wort Spiegelei schon an Kalorien denken und kritisch im Spiegel betrachten, welche Makel sie so angeblich haben, die sollten nochmals an die Königin aus Schneewittchen denken – ihre Eitelkeit strafte sie letzten Endes und sie hatte nie mehr die Möglichkeit, sich im Spiegel zu betrachten.




Arbeitsauftrag
Lest euch den Songtext von Gerhard Schöne: „Der Spiegel“ durch: http://bit.ly/1M4kqO2. Dann geht es an die Interpretation. Dabei könnt ihr unter anderem folgende Fragen beantworten: Wen beschreibt der „Erzähler“? Wie stellt ihr euch die beschriebene Person vor? Ist sie glücklich? In welcher Beziehung steht der „Erzähler“ zu dieser Person? Was rät er ihr?

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads