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Alltagsdeutsch – Podcast

Spieglein, Spieglein an der Wand

Wer schön sein will, muss leiden – oder er geht in die Praxis eines Schönheitschirurgen. Eine Möglichkeit, die gerade in den letzten Jahren immer beliebter wurde. Doch die Sehnsucht nach künstlicher Schönheit ist alt.

Sprecherin:
"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?" So fragt im Märchen eine Königin ihren Zauberspiegel. Doch auch in Wirklichkeit stellen sich viele Menschen täglich diese Frage. Und so mancher, der mit seinem Aussehen nicht zufrieden ist, sucht Hilfe beim plastischen Chirurgen.

Sprecher:
Der plastische Chirurg oder, wenn es sich um eine Frau handelt, die plastische Chirurgin, ist zuständig für Schönheitsoperationen. Plastisch, das Adjektiv zum Substantiv "Plastik", leitet sich ab vom griechischen Ausdruck "plastiké techné" und bedeutet: "die Kunst, zu formen". Chirurg kommt vom griechischen "cheirurgos". Es bedeutet: "mit den Händen eine Kunst ausüben". Im Deutschen ist das Wort Chirurg die Berufsbezeichnung für einen Arzt, der in einer langen und streng festgelegten Ausbildung die Fähigkeit erworben hat, Operationen am ganzen menschlichen Körper durchzuführen.

Sprecherin:
Doktor Jürgen Stettner, der Leiter einer Privatklinik in Köln, hat diese Ausbildung. Nach vielen Berufsjahren als Krankenhaus-Chirurg hat er sich auf die plastische Chirurgie spezialisiert.

Dr. Stettner:
"Das sind Eingriffe, die zu einer ästhetischen Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes führen. Da sind Brustoperationen, Nasenoperationen, Gesichtsoperationen, Fettabsaugung. Das sind die häufigen Eingriffe, die durchgeführt werden."

Sprecher:
Im medizinischen Zusammenhang verwendet ist Eingriff ein anderer Ausdruck für Operation. Das Wort geht auf das langobardische "anagrip", "Antastung", zurück. Der Begriff ist ganz wörtlich zu nehmen. Denn bei einem Eingriff, bei einer Operation, greift der Arzt mit seinen Instrumenten ja tatsächlich in den menschlichen Körper ein. Im nicht-medizinischen Zusammenhang bezeichnet Eingriff eine – oft unerwünschte – Einmischung. So wird zu große Neugierde, Aufdringlichkeit oder Indiskretion einem anderen Menschen gegenüber schnell zum Eingriff in die Privatsphäre.

Sprecherin:
Doktor Stettners Eingriffe sind von den Patienten natürlich ausdrücklich erwünscht. Plastische Operationen werden in den meisten Fällen nicht aus medizinischen Gründen durchgeführt. Es geht nicht darum, Krankheiten zu behandeln, sondern das Aussehen zu verbessern. Es wird also am gesunden Körper operiert. Die Sehnsucht nach künstlicher Schönheit ist alt. Wissenschaftler glauben, sogar an der berühmten Büste der ägyptischen Pharaonengattin Nofretete Hinweise auf plastische Operationen zu erkennen. Denen hätte sich die schöne Königin dann schon vor über 3000 Jahren unterzogen.

Sprecher:
Bevor ein plastischer Chirurg wie Doktor Jürgen Stettner einen Eingriff vornimmt, stellt er eine ausgiebige Diagnose. Der Begriff leitet sich vom griechischen Verb "diagignoskein" ab. Wörtlich übersetzt bedeutet es "durch und durch erkennen". In seiner Diagnose stellt der Arzt fest, welche Beschwerden der Patient hat. Oder anders ausgedrückt: Was dem Patienten fehlt. Ein plastischer Chirurg stellt in seiner Diagnose fest, welche optischen Mängel der Patient zu haben glaubt und wie sie beseitigt werden können. Beispielsweise empfinden weibliche Patienten ihren Brustumfang häufig als zu klein. Das kann der Arzt korrigieren.

Dr. Stettner:
"Der Eingriff beginnt mit Gespräch, wobei die Hautverhältnisse, die Brustverhältnisse untersucht werden. Und dann wird ein entsprechendes Implantat ... wobei wir Möglichkeiten haben, verschiedene Größen des Implantates selbstverständlich, verschiedene Formen des Implantates zu wählen – und dann wird ein Eingriff entweder in Vollnarkose durchgeführt, auch manchmal im Dämmerschlaf, und das Implantat entsprechend dann eingesetzt, wie wir's geplant haben."

Sprecherin:
Ein Implantat, vom lateinischen "implantare", "einpflanzen", ist ein künstliches Teil, das vom Arzt bei Bedarf in den menschlichen Körper eingesetzt werden kann. So können zum Beispiel zerstörte Zähne durch Implantate ersetzt werden. Auch defekte Hüft- oder Kniegelenke werden gegen Implantate ausgetauscht. Ein geeignetes Implantat muss die gleiche Festigkeit haben, wie das Gewebe, das ersetzt wird. Nur so kann es seine Aufgabe dauerhaft erfüllen.

Sprecher:
Gewebe
ist das Substantiv zum Verb "weben". Es geht auf das althochdeutsche "weban" zurück und bedeutet, durch Verflechten von Fäden ein textiles Material herstellen. Ein Gewebe ist also nichts anderes, als ein Stoff. Im medizinischen oder biologischen Sinn, also bezogen auf Lebewesen, bezeichnet das Wort Gewebe die unterschiedlichen stofflichen Materialien eines Körpers. Eine spezielle Art von Gewebe ist zum Beispiel die Haut oder das Muskelgewebe. Eine andere Form von Gewebe liegt im Inneren der weiblichen Brust und gibt ihr die Form. Wenn ein plastischer Chirurg die Brust mit einem Implantat vergrößert, muss sich das Implantat genauso anfühlen, wie das natürliche Brustgewebe. Schließlich soll das Ergebnis möglichst natürlich aussehen.

Dr. Stettner:
"Der größte Anteil der Patientinnen, die zu einer Brustvergrößerung kommen, sind junge Frauen, meistens nach einer Schwangerschaft, die entweder vor der Schwangerschaft oder während der Schwangerschaft ihre Brust erlebt haben und sich dann wünschen, eine ähnliche Brust zu bekommen, wie sie in der Schwangerschaft war. Nach der Schwangerschaft ist es leider so, dass sich bei manchen Patienten das Drüsengewebe verkleinert durch Hormoneinfluss. Und manchmal ist es so, dass die Haut sich verändert. Und das kann man wieder weitgehend restaurieren in einen ästhetischen und für die Patienten befriedigenden Zustand."

Sprecherin:
Ein ausgebildeter Chirurg, der sich auf Schönheitsoperationen spezialisiert hat, wird trotzdem nicht gerne Schönheitschirurg genannt. Die korrekte Berufsbezeichnung lautet plastischer Chirurg. Schönheitschirurg nennen sich oft auch Ärzte aus anderen Fachgebieten, zum Beispiel Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, die zwar Schönheitsoperationen durchführen, aber nicht die lange Spezialausbildung zum Chirurgen absolviert haben. Die Bezeichnung plastischer Chirurg dagegen darf nur derjenige auf sich anwenden, der wirklich Facharzt für Chirurgie ist.

Sprecher:
Doktor Stettner hat seine Ausbildung zum Chirurgen nicht nur in Deutschland absolviert, sondern einen Teil davon auch in Polen. Knapp zwanzig Jahre lang hat er in Warschau gelebt. Deshalb ist er auch perfekt zweisprachig. Die Patientinnen und Patienten interessieren sich natürlich weniger für seine Sprachkenntnisse als für seine Kunst als plastischer Chirurg. Besonders häufig nimmt er einen Eingriff vor, der die Falten aus einem alternden Gesicht verschwinden lässt und so den Anschein der Jugendlichkeit zurückgibt, die Gesichtsstraffung.

Dr. Stettner:
"Heutzutage sind die Techniken und Möglichkeiten entwickelt worden, die tatsächlich darauf hinauszielen, junge Gesichtskonturen wieder herzustellen, ohne die Haut zu spannen. Und das ist eigentlich das Ziel. Im Alter erschlafft nicht nur die Haut, sondern das Gewebe darunter vor allem. Und das Gewebe darunter wird wieder in die richtige Position gebracht."

Sprecherin:
Die Kontur, abgeleitet vom altfranzösischen "contorner", "sich wenden", "drehen", bezeichnet die äußere Begrenzung eines Gegenstandes oder Körpers. Man kann auch sagen: den Umriss. Die Konturen eines Gesichts, auch Gesichtszüge genannt, sind in der Jugend faltenfrei und straff. Das Wort geht zurück auf das althochdeutsche "straf", "hart". Mit den Jahren verliert das Gewebe seine Spannung. Falten bilden sich. Das Gesicht erschlafft. Dieses Wort leitet sich vom mittelhochdeutschen "slaf" ab und bedeutet "locker", "welk", "ohne Halt".

Sprecher:
Gesichtsstraffungen, Nasenkorrekturen, Fettabsaugung und andere schönheitschirurgische Eingriffe werden schon lange nicht mehr nur von Frauen wahrgenommen. Inzwischen haben auch die Männer den Reiz der nicht ganz echten Schönheit entdeckt.

Dr. Stettner:
"Der Anteil der Männer bleibt über die letzten Jahre konstant. Es ist natürlich so, dass die Männer sich freier dazu äußern und eher bereit sind, das zu machen. Aber der weibliche Anteil nimmt dementsprechend zu, so dass das sich prozentual im Grunde genommen die Waage hält."

Sprecherin:
Die Redensart sich die Waage halten stammt aus dem 17. Jahrhundert und verweist auf ein Kinderspiel. Zwei Kinder sitzen auf den Enden eines Balkens, der über einen Baumstamm gelegt ist. Sie versuchen, ihre Balkenenden auf einer Höhe zu halten, denn wer zuerst nach oben gedrückt wird, hat verloren. Sich die Waage zu halten ist also ein anderer Ausdruck für "an Anzahl, Größe oder Gewicht gleich sein". In der Praxis von Doktor Stettner hält sich eben die Anzahl der männlichen und weiblichen Patienten die Waage.

Sprecher:
Ein erfahrener Chirurg führt nur Eingriffe durch, die er selber auch verantworten kann. Und er klärt seine Patientinnen und Patienten vorher gründlich über die Risiken eines schönheitschirurgischen Eingriffs auf.

Dr. Stettner:
"Die Risiken sind: Also, Wundheilungsstörungen können dann auftreten, manchmal mehr oder weniger sichtbare Schnitte. Es gibt – extrem selten – vorübergehende Nervenschwächen, selbstverständlich Schwellungen, Infektionen. Das sind allgemein Risiken bei jeder Operation, die dann auftreten könnten."

Sprecherin:
Schwellungen
sind Verdickungen im Gewebe. Nach Operationen entstehen oftmals Schwellungen rund um das operierte Gebiet, weil Blut in das Gewebe sickert, solange die Schnittwunden noch nicht völlig verheilt sind. Dem Wort Schwellung liegt das altsächsische Verb "swellan" zugrunde. Es bedeutet "sich ausdehnen", "sich aufblähen".

Sprecher:
Gefährlicher als eine Schwellung, die bald wieder verschwindet, ist eine Infektion. Der Begriff geht zurück auf das spätlateinische Wort "infectio". Die ursprüngliche Bedeutung ist "Verfärbung", "Vergiftung". Medizinisch bedeutet Infektion eine Ansteckung durch Krankheitserreger oder auch einfach nur Schmutz. Durch eine Infektion werden heftige Reaktionen des Körpers, zum Beispiel Fieber, ausgelöst. Wunden, die durch Bakterien oder Schmutz infiziert wurden, heilen sehr schlecht. Ärzte achten daher streng darauf, bei Operationen die Risiken so weit wie möglich zu kontrollieren. Ein anderer Ausdruck hierfür wäre: die Risiken im Griff zu behalten.

Dr. Stettner:
"Es ist ja die Aufgabe des Arztes, für den Patienten ein gutes Ergebnis zu erreichen. Mit möglichst wenig Risiken. Und das heißt, wir entwickeln uns weiter zu diesem positiven Ergebnis. Und die Risikohäufigkeit hat sich in letzter Zeit deutlich verringert. Auch Gesichtsstraffungen sind mit viel, viel weniger Problematik behaftet, weil wir einfach mehr gelernt haben."

Sprecherin:
Gesichtsstraffungen sind heute mit viel weniger Problemen behaftet, als noch vor einigen Jahren. Der Ausdruck mit etwas behaftet sein bedeutet, etwas an sich zu haben, das man lieber loswerden möchte, etwas gegen seinen Willen mit sich herumzutragen. Das Wort behaften, althochdeutsch "hafta", bedeutet so viel wie Verknüpfung. Deutsche Begriffe gleicher Herkunft sind zum Beispiel das Substantiv "Haft", ein anderes Wort für Gefängnisaufenthalt, außerdem die Verben "haften", "kleben" und "heften".

Sprecher:
Nicht alle Patienten riskieren eine eventuell problembehaftete Operation nur aus Gründen der Eitelkeit. Viele Menschen haben ihr gutes Aussehen durch Unfälle oder Krankheiten verloren. Ob medizinisch notwendig, oder nur zur Verschönerung gedacht – Doktor Stettner ist stolz auf jede Operation, mit der er einer Patientin oder einem Patienten zu besserem Aussehen verholfen hat.

Dr. Stettner:
"Faszination ist das, dass man tatsächlich als Arzt ziemlich schnell und plausibel und evident Ergebnisse erreicht, die die Patienten zufrieden und glücklich machen, mit viel mehr Selbstbewusstsein. Also, das ist die Faszination, dass man tatsächlich mit den ästhetisch-plastischen Eingriffen einen sehr positiven Effekt auf das Leben des Patienten erreichen kann."

Sprecherin:
Und vielleicht werden sich die, die einen erfolgreichen schönheitschirurgischen Eingriff hinter sich haben, eine Frage nicht mehr stellen; die Frage der Königin im Märchen: "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?"


Fragen zum Text:

Wie nennt man äußere Begrenzung eines Körpers?
1. Gewebe
2. Kontur
3. Schwellung

Der Begriff Chirurg kommt aus dem …?
1. Lateinischen
2. Griechischen
3. Französischen

Das Gegenteil von erschlafft ist …?
1. plastisch
2. behaftet
3. straff


Arbeitsauftrag:
Begrüßenswerte Verschönerungen oder inakzeptable Befriedigung der Eitelkeit – diskutieren Sie in der Gruppe über schönheitschirurgische Eingriffe.

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