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Wirtschaft

Spezialfirmen trainieren Manager für Einsatz in Krisengebieten

Der Handel deutscher Unternehmen mit Entwicklungs- und Schwellenländern wächst stetig. Großes Problem dabei: Reisen in die Zielgebiete sind oft gefährlich für die Mitarbeiter. Sicherheitsfirmen versprechen Hilfe.

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Für Unternehmer ist der Irak weiterhin gefährlich - Schutz bieten, wenn überhaupt, oft nur Schusswaffen

Entführungen gehören für viele westliche Unternehmen zum Geschäftsrisiko, wenn sie sich in Krisenländern engagieren. Denn Ingenieure und Unternehmer werden besonders häufig Opfer von Kidnappern. Als besonders gefährlich gelten die Lateinamerika, Russland und Asien, wo sich die durchschnittlich gezahlten Lösegelder innerhalb der letzten vier Jahre verdoppelt haben.

Auch wenn es keinen 100-prozentigen Schutz gegen Entführungen gibt, investieren Unternehmer viel Geld in die eigene Sicherheit. So genannte Krisenmanagement-Firmen helfen ihren Kunden - vom multinationalen Großkonzern bis zum mittelständischen Familienbetrieb - die Risiken im Ausland zu identifizieren und zu minimieren.

Kontakt zu Geheimdiensten

Die Arbeit des Krisenmanagers beginnt damit, aktuelle Informationen über die Sicherheitslage in dem betroffenen Land zu recherchieren. Das geschieht über die Medien, eigene Mitarbeiter in ausgewählten Risiko-Ländern sowie Informationen aus Geheimdienstkreisen.

In Deutschland haben sich einige Hundert deutsche und internationale Sicherheitsdienstleister auf dieses Gebiet spezialisiert. Viele Mitarbeiter haben früher bereits Erfahrungen in entsprechenden Umfeldern gesammelt: als Polizisten, Soldaten, Journalisten, Wirtschaftswissenschaftler oder Politologen.

Teure Informationen

Schon die stets aktualisierten weltweiten Berichte über Gefährdungslagen lassen sich die Firmen teuer bezahlen. Der Zugang zu einem solchen Portal kann schon mit einem fünfstelligen Eurobetrag zu Buche schlagen.

"Die politisch schwierigsten Länder im Hinblick auf Terrorismus, Entführung und Risiken für Mitarbeiter sind in Südamerika die Länder Kolumbien, Mexiko, Brasilien und auch Argentinien", sagt Christof Bentele, Geschäftsführer von Aon Crisis Management. "In den anderen Regionen sind dies Pakistan, Afghanistan, Indien, Indonesien, Malaysia, Philippinen und natürlich der Irak."

Gefährliches Bagdad

Der Irak ist derzeit für Geschäftsleute wohl das gefährlichste Land der Welt. Allerdings lohnt sich auch hier ein Blick auf regionale Unterschiede, sagt Maxim Worcester von "Control Risks Deutschland". "Im irakischen Kurdistan ist es zum Beispiel möglich, ohne Bewaffnung im Konvoi von einer Stadt zu anderen zu fahren. In der Hauptstadt Bagdad dagegen ist es manchmal unmöglich, sich überhaupt fortzubewegen. Wenn man dort durch die Stadt fährt, dann nur in einem Konvoi von drei Autos, die alle gepanzert sind."

Bevor Manager die Arbeit in Krisengebieten beginnen, werden sie von den Sicherheitsfirmen informiert, wie mit Kriminalität, Entführungen, Erpressungen umzugehen hat. In Seminaren erhalten sie anschließend Ratschläge für das richtige Verhalten in Krisengebieten. Eine eintägige Beratung kostet im Schnitt 2000 Euro. "Wir versuchen diesen Menschen Tipps zu vermitteln, wie sie für Terroristen zu einem schwierigen Opfer werden", erläutert Christopher Schramm von Result Group. "Es fängt schon mit der Ankunft am Flughafen an. Hier ist es natürlich besser, unauffällig abgeholt zu werden und nicht mit einem großen Schild mit Namen und Firmennamen darauf."

Tipps & Tricks

Außerdem, fährt Schramm fort, sei es ratsam, einen offiziellen Taxidienst zu rufen, als ein Taxi direkt am Flughafen zu nehmen. Darüber hinaus rät er Managern, ihr Hotel stets zu unterschiedlichen Zeiten zu verlassen und die Fahrstrecken zu variieren. "Wie besteige ich denn mein Auto? Was tue ich, wenn ich merke, dass ich verfolgt werde? Hier raten wir zur nächsten Polizeistation zu fahren und die Verfolgung zu melden." Der Tipp mit der Polizei ist allerdings nicht immer eine Hilfe, schränkt Sicherheitsberater Schramm ein. In einigen Staaten ist die Polizei Teil der organisierten Kriminalität und kein Retter in der Not.

Krisenexperten wie Christopher Schramm helfen auch großen Konzernen dabei, eigene schlagkräftige Sicherheitsabteilungen aufzubauen. Sie müssen immer im Training bleiben und simulierte Ereignisse wie Entführungen durchspielen, sagt Sicherheitsmann Schramm gemäß dem Motto seiner Branche: "Krisen meistert man am besten, indem man Ihnen zuvorkommt".

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