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Sport

Spezialboden für Meisterreiter

Für Zuschauer mag es wie gewöhnlicher Sand aussehen. Doch bei den Deutschen Meisterschaften der Spring- und Dressurreiter in Balve handelt es sich um eine Spezialmixtur von Reitbodenexperten.

Dressurreiter Matthias Alexander Rath reitet im Juni 2008 in Balve bei den Deutschen Meisterschaften im Dressurreiten auf seinem Pferd Sterntaler. Foto: dpa

Wichtig ist auch, was unter den Hufen ist

Auf der Anlage des Reitervereins Balve im Sauerland laufen die letzten Vorbereitungen für ein sportliches Großereignis: die deutschen Meisterschaften der Dressur- und Springreiter (11.-14. Juni). Besondere Sorgfalt komme bei einem solchen Turnier der Vorbereitung des Bodens zu, betont der ehemalige langjährige Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Dieter Graf Landsberg-Velen. Schließlich gehört Deutschland zu den führenden Reiternationen, so dass im idyllischen Balve praktisch auch die Weltspitze an den Start geht. Und diese Reiter - daran lässt Graf Landsverg-Velen keinen Zweifel - müssen einen Boden vorfinden, von dem sie sagen, dass sie darauf mit ihren Pferden die höchstmögliche Leistung erzielen können.

Boden nicht gleich Boden

Der 84jährige Graf, Hausherr im nahegelegenen Wasserschloss Wocklum, schaut täglich vorbei, um sich über den Stand der Vorbereitungen zu informieren. Denn im Reitsport ist Boden schließlich nicht gleich Boden. Auf einem Springplatz müssen die Pferde gut abhufen können und bei der Landung nach einem Hindernissprung einen festen Stand haben. Oder wie es der erfahrene Pferdeexperte formuliert: "Er muss griffig sein, darf aber trotzdem nicht zu hart sein."

Springreiter Marcus Ehning auf Gitania bei den Deutschen Meisterschaften 2008 in Balve. Foto: Karl-Heinz Frieler

Marcus Ehning auf Gitania bei den Deutschen Meisterschaften 2008 in Balve

Dressurreiter, weiß Dieter Graf Landsberg-Velen, stellen andere Ansprüche an den Untergrund. "Sie möchten, dass der Boden ein bisschen elastischer ist, aber nicht so tief greift." Für die deutschen Meisterschaften legt der Reiterverein Balve den Dressurplatz komplett neu an. Aufgetragen wird letztlich ein Boden, der speziell zurechtgemischt wird für die Bewegungsabläufe der Pferde bei Übungen wie Piaffe oder Pirouette. Dafür die ideale Bodenmischung zu finden, merkt der Graf lakonisch an, sei eben eine Wissenschaft für sich.

Beim Galopp nicht wegrutschen

Zwei Bagger bei Außenarbeiten am Reitboden Foto: Fa. Vornbrock

Außenarbeiten am Reitboden

Eine "Wissenschaft", mit der sich Richard Vornbrock seit 20 Jahren offenbar gut auskennt. Mit seinem in Dorsten ansässigen Reitbodenunternehmen gehört er zu den Marktführern in Deutschland. Bei der Erstellung eines Dressurplatzes wie in Balve geht es bereits im Anfangsstadium um Millimeter-Arbeit. Mit Hilfe modernster Laser-Technik wird der Platz vermessen. Ein mit diesen Daten gespeister Rechner liefert dann die Vorgaben für die Erdarbeiten. Griffig müsse der Boden auf einem Turnierplatz sein, sagt auch Firmenchef Richard Vornbrock. So griffig, dass ein Pferd beim Galopp durch eine Kurve nicht wegrutscht. Andererseits darf der Boden nicht zu hart, zu fest sein. Denn das gehe auf die Gelenke der Tiere. Und da der Untergrund bei einem Turnierplatz etwa in München ein anderer ist als in Münster, stellt Vornbrock jeweils auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmte Mischungen zusammen. Das Erfolgsrezept besteht in der gelieferten Mixtur, die nur für Laien wie gewöhnlicher Sand aussieht.

Natürlich lässt sich der 49jährige Bodenspezialist nicht genau in die Karten schauen, aber er nennt die wichtigsten Bestandteile: "Mittlerweile ist das modernste und meistgebrauchte Material ein Sand mit Textilmaterial gemischt. Zusätzlich aber auch ein Gewebematerial, was so ähnlich wie ein Netz aussieht, um eben eine Armierung im Boden zu bieten."

Reitböden werden auch exportiert

Zwei Dressurreiter bei einer Vorführung auf der Messe Equitana in Essen. Foto: dpa

Reitboden aus Dorsten auch auf der Messe 'Equitana'

Auch wenn landauf, landab immer mehr Turniere stattfinden, lebt das Unternehmen nicht nur von Sportereignissen wie den Deutschen Meisterschaften in Balve oder einer Großveranstaltung wie der Pferdemesse "Equitana" in Essen. Reitsport ist mittlerweile ein Breitensport. Es gibt Unmengen privater Reitanlagen, aber auch Vereinsreitanlagen, deren Böden regelmäßig erneuert werden müssen. Ein gleichmäßiger Untergrund, wissen verantwortungsbewusste Hobbyreiter, schont die Gesundheit ihrer Pferde. Ob kleiner Reitverein oder ein Großturnier: Pferde sorgen für Umsatz. Richard Vornbrock: "Die Einzelaufträge schwanken zwischen 2.000 und 200.000 Euro. Und der Jahresumsatz liegt bei 1,5 bis zwei Millionen." Mit seinem Unternehmen hat sich Vornbrock auf dem Markt als feste Größe etabliert. Inzwischen bestellen auch Vereine und Turnierveranstalter aus europäischen Nachbarländern die Spezialböden aus Dorsten.

Spezialmischung für Ben Hur

Filmszene aus Ben Hur. Foto: dpa

Wagenrennen bald auf neuem Untergrund

Und, was der 49jährige Firmenchef besonders als Qualitätsbeweis für sein Produkt betrachtet, auch etliche Weltklassereiter ordern den Untergrund. "Allein unter den 20 weltbesten Reitern aus dem Dressur- und Springlager sind fünf, die regelmäßig auf unseren Böden trainieren. Darauf bin ich sehr stolz." Neben aktiven Reit-Assen wie Monika Theodorescu gehört auch ein altbekannter Könner im Sattel dazu: Hans-Günter Winkler, der mit seiner Stute Halla Olympiageschichte schrieb. Und womöglich noch in diesem Jahr Ben Hur. Ein als "Monutainment"-Erlebnis angekündigtes Spektakel, mit dem eine Münchner Produktionsgesellschaft Großstadien in Europa füllen will. Damit die Nachfahren von Ben Hur bei dem Rennen der Kampfwagen nicht aus der Kurve getragen werden, hat Richard Vornbrock eine neue Bodenmischung kreiert, die den Härtetest bereits bestanden hat.


Autor: Klaus Deuse

Redaktion: Stefan Nestler

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