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Amerika

Spezialagent in 20 Wochen: Die FBI-Ausbildung

Das FBI: Schießfreudige Agenten im Kampf gegen das Böse. Ausgebildet werden sie auf der FBI-Akademie in Quantico im US-Bundesstaat Virginia. Und dort lernen Zoologen und Hausfrauen erstmal – was wohl? Schießen natürlich!

Emblem der FBI-Akademie (Foto: Bergmann / DW)

In der FBI-Akademie erhalten die Spezialagenten der amerikanischen Bundespolizei 20 Wochen lang ihre Grundausbildung

Es knallt, ohrenbetäubend. "Was Sie hier hinter mir sehen, ist das Training unserer neuen Agenten", erklärt Spezialagent Kurt Crawford vom Pressebüro des FBI und muss wegen der Geräuschkulisse immer wieder eine Pause machen. "Es wird viel geschossen hier auf dem Gelände in Quantico", sagt er, "über eine Million Schuss werden jeden Monat verbraucht."

Die neuen Agenten in beiger Hose und dunkelblauem Polohemd stehen in einer großen Mulde, in der sich der Schießstand befindet. Sie üben, mit ihrer Dienstwaffe, einer Glock, die Zielscheibe zu treffen. Für manche ist das eine neue Erfahrung. "Es kommen alle möglichen Leute zu uns", erklärt Ausbildungschef Timothy Delandy. "Veteranen aus dem Irak- und Afghanistan-Krieg, ehemalige Polizisten, aber auch Bauern, Zoologen und Piloten. Manche haben noch nie in ihrem Leben eine Waffe in der Hand gehabt."

Zehntausende Bewerbungen

Schießstand beim FBI (Foto: Bergmann / DW)

Rund 3600 Schuss Munition verbraucht ein angehender FBI-Agent während seiner Ausbildung

FBI-Agent können nur Männer oder Frauen mit amerikanischer Staatsbürgerschaft werden, die zwischen 23 und 37 Jahre alt sind und sich in einem anderen Beruf bereits bewährt haben. Welcher ist nicht so entscheidend. Wer aber Erfolge vorweisen kann und zum Beispiel Personalverantwortung hatte, hat bessere Chancen, das Auswahlverfahren zu überstehen.

Die Auswahl dauert insgesamt ein Jahr. Von den Zehntausenden, die sich online bewerben, schaffen es nur rund 7000, zu den Tests zugelassen zu werden. 1100 dürfen dann jährlich auf die Akademie. Jeden zweiten Sonntag wird eine neue Klasse in Quantico begrüßt, sagt Delandy. Fast alle würden sich aus Patriotismus für die FBI-Laufbahn entscheiden.

Mindestens 30 Liegestützen

"Die Neuen kommen immer am Sonntagabend gegen fünf Uhr an", erklärt der Ausbilder. "Am Montag müssen sie ihren Eid ablegen, den ganzen Papierkram erledigen, Versicherungsformulare ausfüllen und ähnliches. Dann bleiben sie 20 Wochen bei uns."

In diesen 20 Wochen geht die Auswahl weiter. Körperliche Fitness wird bereits am zweiten Tag getestet. Wer nicht mindestens 30 Liegestützen ohne Unterbrechung schafft (bei Frauen liegt die Hürde bei 14), der kann es in der 7. Woche noch einmal versuchen - oder muss gehen. Auch Kurz- und Langstreckenlauf und Sit-Ups gehören zum Fitness-Test.

Gesetze verstehen

Spezialagent Schott (Foto: Bergmann / DW)

Spezialagent Richard Schott erklärt den angehenden Kollegen, wann sie ihre Waffe benutzen dürfen

Das sportliche Training macht ein Viertel der Ausbildung der neuen Agenten aus, genauso wie die Schießübungen. Dazu kommt in gleichem Anteil die Theorie: Die Agenten müssen Gesetze lernen und wissen, wie man Nachforschungen anstellt und Berichte schreibt. Oberste Priorität beim FBI hat mittlerweile die Terrorbekämpfung.

Noch bevor sie eine Waffe in die Hand bekommen, erklärt ihnen Spezialagent Richard Schott von der juristischen Abteilung des FBI, wann sie diese Waffe einsetzen dürfen: Sie müssen sich an die sogenannte "Deadly Force"-Richtlinie halten. Die besagt, dass ein FBI-Agent nur schießen darf, "wenn er berechtigten Grund zu der Annahme hat, dass die Gefahr besteht, dass der Verdächtige in unmittelbarer Zukunft andere tötet oder ihnen schweren gesundheitlichen Schaden zufügt", so Schott.

In den Rücken schießen

Geübt wird das mit Video-Simulationen in einem fensterlosen Raum. Der Agent kann hinter einer Metallplatte in Deckung gehen und richtet eine präparierte Waffe auf die Leinwand. Die jeweilige die Situation wird im Videofilm kurz erklärt und dann heißt es: Action! In diesem Fall flüchtet ein Mann mit einer Waffe in der Hand in ein Gebüsch. Er wird verdächtigt, zu einer Terrororganisation zu gehören und ein Bundesgebäude in die Luft gesprengt zu haben. Der FBI-Agent soll ihn festnehmen. Und darf und sollte dem Flüchtenden auch in den Rücken schießen.

Im richtigen Leben sei es eben anders als im Fernsehen oder Film, erläutert Spezialagent Schott. Wenn die Agenten erst warten müssten, bis sie erkennen können, was der Verdächtige in der Hand hält, kann es schon zu spät sein. Auch versuchen FBI-Agenten nicht, so erklärt Schott, dem anderen die Waffe aus der Hand zu schießen oder ihn am Bein zu verletzen. Denn dadurch würde die Gefahr, die von dem Mann oder der Frau ausgeht, nicht gebannt. Deswegen gilt: Gezielte Schüsse auf den Körper des Gegners abfeuern.

Töten lernen

Für manche neue Agenten wird das zum Problem: "Wenn wir einem neuen Agenten in der ersten Woche unsere Richtlinie erklären, dann wird manchem erst klar, dass er tatsächlich auf einen anderen Menschen schießen muss und ihn dabei töten kann", so Schott. "Einigen wird in diesem Moment bewusst, dass sie nicht töten können. Die verlassen die Akademie, gleich in der ersten Woche."

Spezialagent Schott ist seit 20 Jahren im Dienst. Er hat selbst zwar oft die Waffe ziehen, aber noch nie auf jemanden schießen müssen, erzählt er. Denn: Trotz der 12.000 Agenten, die US-weit im Einsatz sind, gebe es verhältnismäßig wenig Schusswechsel mit FBI-Agenten.

Echte Kulisse

Straßenzug von Hogans Alley (Foto: Bergmann / DW)

In der realistischen Straßenkulisse von "Hogan's Alley" trainieren die Agenten den Ernstfall

Wie eine Festnahme auch ohne Waffe vor sich gehen kann, sollen die Agenten in möglichst realistischer Umgebung üben. Deswegen besteht das letzte Viertel ihrer Ausbildung aus den praktischen Übungen in "Hogan’s Alley". So heißt die Straße auf dem FBI-Gelände, in der es eine Bank, ein Motel und Geschäfte gibt. Bewohner und Verdächtige sind Statisten und hinter den Hausmauern verbirgt sich schon mal eine Lagerhalle. Aber zum Üben von Hausdurchsuchungen oder Festnahmen reicht es. Dabei müssen die Agenten zum Beispiel auch lernen, aufgebrachte Menschen in Schach zu halten, die eine Festnahme verhindern wollen.

Viele kommen wieder

Nach 20 Wochen ist die Grundausbildung beendet. 850 Agenten schaffen es jedes Jahr. Sie sollen in eines der 56 FBI-Büros im Land geschickt werden können. Ihr Einstiegsgehalt: gut 57.000 Dollar im Jahr. Nach der Grundsausbildung seien sie in der Lage, auch in kleinen Büros mit wenigen Kollegen alle Fälle bearbeiten zu können, sagt Ausbildungschef Delandy.

"Wir wissen, dass sie noch keine Experten in Sachen Finanzbetrug sind und nicht am ersten Tag ein Gangmitglied festnehmen", räumt er ein. "Aber dazu haben wir dann spezielle Trainings, die sie später in ihrer Laufbahn absolvieren."

Nach Quantico werden die FBI-Agenten also noch das eine oder andere Mal zurückkehren.

Autorin: Christina Bergmann
Redaktion: Anna Kuhn-Osius

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