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Asien

Spenderorgane aus dem Todestrakt

In China werden jedes Jahr mehr Straftäter hingerichtet als im Rest der Welt. Zwei Drittel aller Spenderorgane stammen von den Hingerichteten. Jetzt soll ein neues Organspendesystem Korruption und Missbrauch eindämmen.

Spenderherz wird zur Transplantation vorbereitet (Foto: AP)

Spenderherz wird zur Transplantation vorbereitet

Am Mittwoch (26.08.2009) berichtete die Tageszeitung "China Daily", dass die Regierung in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz in Peking ein landesweites System für Organtransplantationen aufbauen will.

Nur ein Prozent der Bedürftigen erhalten Spenderorgan

Damit soll die Abhängigkeit von Exekutionen sowie Missbrauch und Korruption eingedämmt werden. Nur rund ein Prozent der etwa 1,5 Millionen Menschen, die in China auf eine Transplantation angewiesen sind, erhalten nach Information von "China Daily" ein Spenderorgan. Der illegale Organhandel ist daher zu einem lukrativen Geschäft geworden.

Korruption und Missbrauch

Vize-Gesundheitsminister Huang Jiefu war derjenige, der überraschenderweise einräumte, dass etwa 65 Prozent der Spenderorgane von Hingerichteten stammen würden. Er betonte jedoch, dass die Rechte des Todeskandidaten respektiert würden und dieser seine Einwilligung zur Spende leisten müsse.

Logo Gesellschaft für bedrohte Völker

Die Gesellschaft für bedrohte Völker verurteilt den Handel mit Organen von Hingerichteten

Dass das nicht immer der Fall ist, äußerte der oberste Chirurg für Transplantationen im Shanghaier Huashan Krankenhaus, Qian Jianmin, gegenüber "China Daily". Er deutete an, dass es im gegenwärtigen Zuteilungsprozess mit den verschiedenen Behördenebenen zu Korruption kommen kann. "Einige ignorieren rechtliche Verfahren und machen satte Gewinne." Empfänger von Organen zahlen zwischen 100.000 und 200.000 Yuan (10.000 bis 20.000 Euro) für ein Organ.

Zahlreiche Indizien deuteten auch darauf hin, dass gezielt Gefangene "auf Bestellung" getötet worden seien, um lebenswichtige Organe wie Herz, Nieren oder Leber zu beschaffen, äußerte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Mittwoch.

Traditionell geringe Bereitschaft zu Organspenden

Der Vize-Gesundheitsminister Chinas sagte auch, dass Hingerichtete keine angemessene Quelle für Organtransplantationen seien. Deshalb sind am Dienstag Pilotprojekte für ein nationales Spendersystem angelaufen. Mit dem System und einer Datenbank soll die Zuteilung der Organe nach festen Grundsätzen erfolgen und besser beaufsichtigt werden, berichtete die Zeitung "China Daily". Ein neu zu schaffender Fonds werde bedürftige Hinterbliebene von Spendern finanziell unterstützen.

Die geringe Bereitschaft zu Organspenden erklärt sich durch die konfuzianische Tradition. Demnach soll der Körper eines Toten aus Achtung vor den Vorfahren unversehrt bleiben, die meisten Chinesen verweigern daher eine Organspende.

Die Organspenden von lebenden Personen hat 2006 zwar um 40 Prozent zugenommen, machen aber nur 15 Prozent der Transplantation aus. Nach einem Gesetz von 2007 sind solche Spenden auch nur zwischen Blutsverwandten und Ehepartnern oder jemandem erlaubt, zu dem es eine "emotionale Verbindung" gibt. Trotzdem kommt es auch hier zu Korruption und Missbrauch. Berichten zufolge, fälschen Vermittler Dokumente, um eine solche Beziehung vorzutäuschen.

Rund 5000 Exekutionen jährlich

Mit dem neuen Spendesystem reagiert die chinesische Regierung möglicherweise auch auf die schon seit Jahren währenden Vorwürfe internationaler Menschenrechtsorganisationen. Diese werfen China schon lange Missbrauch mit Organen von Hingerichteten vor.

Ein Todeskandidat auf dem Weg zur Hinrichtung (Foto: dpa)

Auch sein Organ könnte Spenderorgan gewesen sein: Todeskandidat auf dem Weg zur Hinrichtung

Die Zahl der Hinrichtungen in China wird als Staatsgeheimnis behandelt. Die amerikanische Dui Hua Stiftung, die sich für politische Gefangene in China einsetzt, schätzt, dass jährlich rund 5.000 Verurteilte exekutiert werden. Immer noch kann die Todesstrafe in China für 68 Tatbestände angewendet werden, darunter auch für nicht gewalttätige Verbrechen.

Ob das Geschäft mit den Organen Hingerichteter und der illegale Organhandel wirklich gestoppt werden kann, bleibt unklar. Wichtig wird sein, dass die chinesische Regierung ernsthaft versucht, mit dem Spendesystem den unmenschlichen Handel zu unterbinden. (ssr/HF/dpa/ap/rtr/afp/kna)

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