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Welt

Spendable Superreiche

SAP-Gründer Hasso Plattner ist als erster Deutscher Mitglied im Klub der Superspender um Bill Gates geworden. Mit ihrem Geld können Milliardäre viel Gutes bewirken. Großspenden polieren aber auch das Image.

"The Giving Pledge", das Spendenversprechen, nennt sich das von Bill Gates und Warren Buffet gegründete Bündnis. Dahinter steht ein loser Zusammenschluss von zurzeit 105 Milliardären, die mindestens die Hälfte ihres Vermögens spenden möchten - zu Lebzeiten oder nach ihrem Tod. Bindende Verpflichtungen sind damit nicht verbunden. Es sind lediglich Absichtserklärungen, eine Überprüfung gibt es nicht.

Bisher war "The Giving Pledge" ein rein amerikanischer Klub. Ab sofort gibt es auch Mitglieder aus anderen Ländern: fünf aus Großbritannien (unter anderem der Virgin-Gründer Richard Branson) und jeweils einer aus der Ukraine, Russland, Südafrika, Indien, Malaysia, Australien - und aus Deutschland: Hasso Plattner.

Verwirrung über Mitgliedschaft

Hasso Plattner, Mitgründer von SAP Foto: Patrick Pleul (dpa)

Milliardär Plattner: Erst Dementi dann Freude

Plattner machte sein Vermögen von geschätzten sechs Milliarden Euro als Mitgründer des deutschen Softwareriesen SAP. Heute arbeitet fast jeder Großkonzern auf der Welt mit den Programmen von SAP. 2003 zog sich Platter aus dem Vorstand des Unternehmens zurück. Seitdem engagiert er sich vor allem im Bereich der Wissenschaft und der Gesundheit, hat eine eigene Stiftung.

Die Mitgliedschaft bei "The Giving Pledge" scheint auf Drängen von Bill Gates zustande gekommen zu sein. Laut eines Berichts der BILD-Zeitung behauptete Plattner zunächst, gar kein Mitglied zu sein und zeigte sich verärgert über Gates. Später gab es jedoch eine offizielle Stellungnahme, in der er erklärt: "Ich freue mich, Mitglied der Giving Pledge Stiftung zu sein. Im Rahmen meiner Mitgliedschaft werde ich das gesamte Kapital meiner Förderstiftung mit den Schwerpunkten Bildung, Kultur und Gesundheit im Sinne des weltweiten Anspruchs von Giving Pledge einsetzen."

Bill Gates und dessen Ehefrau Melinda unterhalten gemeinsam ebenfalls eine Stiftung, die über ein geschätztes Vermögen von etwa 29 Milliarden US-Dollar verfügt. Mit dem Geld der Stiftung wurden die Bereitstellung von Impfstoffen und weitere Gesundheitsprojekte in Entwicklungsländern in Afrika und Asien gefördert.

Solidarität nur ein Grund für Spenden

Eckhard Priller, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung Foto: David Ausserhofer (WZB)

Sozialforscher Priller: "Spenden als Möglichkeit der Einflussnahme"

"Die Solidarität mit Schwächeren ist nur ein Motiv", versucht Eckhard Priller die Spendierfreudigkeit einiger Superreicher zu erklären. Er ist Leiter der Projektgruppe Zivilengagement beim Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Weitere Punkte seien die Möglichkeit der Einflussnahme und des Mitgestaltens, sowie die positive Darstellung der eigenen Person nach außen. Diese Punkte spielten vor allem bei Unternehmen und Großspendern eine Rolle.

Um sich die Dimension des Reichtums einiger Großspender zu veranschaulichen, hilft folgender Vergleich: Bill Gates und Warren Buffet, die Gründer von "The Giving Pledge", haben laut Forbes Magazine gemeinsam ein Vermögen von über 100 Milliarden US-Dollar - mehr als das Bruttosozialprodukt der 25 ärmsten afrikanischen Staaten zusammen oder in etwa so viel wie das eines europäischen Landes wie der Slowakei.

Jeder dritte Deutsche spendet

Das private Spendenaufkommen in ganz Deutschland wirkt dagegen geradezu winzig. 2011 waren es beispielsweise rund 4,1 Milliarden Euro. "Die über 60-Jährigen sind diejenigen, die am stärksten spenden", so Daniela Felser, Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrates. "Die durchschnittliche Höhe einer Spende liegt bei 29 Euro. In Spitzenjahren wie nach dem Tsunami hat jeder zweite Deutsche gespendet, in normalen Jahren spendet etwa jeder Dritte."

Daniela Felser, Geschäftsführerin Deutscher Spendenrat Foto: privat (DW Archiv)

Expertin Felser: "Senioren spenden am meisten"

Damit liegt Deutschland, was die Spendenbereitschaft angeht, im europäischen Mittel. "Wenn wir nach Skandinavien schauen, aber auch in Luxemburg und den Niederlanden ist die Spendenbereitschaft noch wesentlich höher als in Deutschland", stellt Sozialforscher Priller fest. Vor allem für Skandinavien seien ein größerer gesellschaftlicher Zusammenhalt und ein stärkeres Solidaritätsbestreben die Gründe.

Spenden haben auch negative Seiten

Als Land mit einer großen Spendentradition gelten auch die USA. Warren Buffet bezeichnete die Amerikaner einmal als "die großzügigste Gesellschaft der Welt". Ein Vergleich mit Deutschland ist laut Eckhard Priller aber schwierig. "In Deutschland haben wir die Kirchensteuer. In Amerika wird dagegen sehr viel Geld an Kirchen gespendet." Gleichwohl bestehe in den USA aber auch ein größerer gesellschaftlicher Druck auf Unternehmen und vermögende Privatpersonen, gesellschaftlich aktiv zu werden.

Gerade von Großspendern gehe jedoch auch eine gewisse Gefahr aus. "Über das Spenden erfolgt auch eine gewisse Selektion", so Priller. Im Bereich der Forschung beispielsweise bestimmten die finanziellen Förderer der Universitäten häufig, in welche Richtung geforscht werde. Außerdem bestehe die Möglichkeit, dass sich der Staat finanziell aus bestimmten Gebieten zurückzieht.

Es gibt jedoch auch Superreiche, die sich eher für höhere Steuern einsetzten und ihr Geld damit einer demokratisch legitimierten Verteilung zukommen lassen möchten. In Deutschland gab es dazu 2011 eine Initiative von deutschen Millionären, unter ihnen der Sänger Marius Müller-Westernhagen. Giving-Pledge-Neumitglied Hasso Plattner hat sich hingegen immer gegen höhere Steuern für Reiche ausgesprochen.