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Wirtschaft

Spekulationen um italienisch-deutsche Autoehe

Aufregung beim Autobauer Opel: Der italienische Konkurrent Fiat wird als heißer Anwärter für die Übernahme des angeschlagenen Unternehmens gehandelt. Die Bundesregierung und Fiat selbst reagieren zurückhaltend.

Dunkle Wolken über dem Opel-Werk in Bochum Foto:AP)

Dunkle Wolken über Opel (hier das Werk in Bochum)

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bestritt am Donnerstag (23.04.2009), dass es bereits eine Vorentscheidung für Fiat als Opel-Mehrheitseigentümer gebe. "Die Bundesregierung führt Gespräche mit verschiedenen Interessenten ohne jede Vorfestlegung. Dabei geht es vor allem um eine gesunde Perspektive für die Arbeitnehmer und das Unternehmen", sagte der CSU-Politiker. Auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch, in dessen Bundesland das Opel-Stammwerk Rüsselsheim liegt, betonte, es gebe keinerlei Vorentscheidungen. Neben Fiat gehöre unter anderem auch der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna zu den möglichen Interessenten, teilte Koch mit.

Bundesregierung will helfen

Opel mit seinen rund 25.000 Beschäftigten in Deutschland will sich dringend von seiner US-Muttergesellschaft General Motors lösen, die von der Insolvenz bedroht ist. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat für den Fall des Einstiegs eines privaten Investors staatliche Unterstützung, etwa in Form von Bürgschaften, zugesagt.

Bundeskanzlerin Merkel mit Opelarbeitern in Rüsselsheimn (Foto:AP)

Bundeskanzlerin Merkel mit Opelarbeitern in Rüsselsheim

Die Nachrichtenagentur Reuters meldete unter Berufung auf Regierungskreise in Berlin, der Leiter des Opel-Verhandlungsteams des Bundes, Wirtschafts-Staatssekretär Jochen Homann, sei am Donnerstag nach Washington gereist. Neben Gesprächen mit der US-Regierung sollten auch Kontakte zu Fiat gesucht werden. Fiat-Chef Sergio Marchionne werde am Freitag selbst in die USA reisen, berichtete Reuters weiter.

Fiat reagiert zurückhaltend

Marchionne selbst äußerte sich zurückhaltend zu Berichten aus Deutschland. Er habe nichts anzukündigen, erklärte der Manager in Turin. Es sei nichts vereinbart. "Nach allem was ich weiß hatten wir keine direkten Gespräche mit Opel", sagte Marchionne.

Fiat-Chef Sergio Marchionne (Foto:AP)

Fiat-Chef Sergio Marchionne

Er bekräftige zugleich die Entschlossenheit von Fiat zu einer Allianz mit dem angeschlagenen US-Hersteller Chrysler. Die US-Regierung hat der früheren Daimler-Tochter eine Frist bis Ende April gesetzt, um sich mit Fiat zu einigen. In diesem Fall kann Chrysler auf einen weiteren Kredit von 6 Milliarden Dollar hoffen.

Noch keine Einigung mit Chrysler

Fiat soll Chrysler mit der Technik und dem Wissen für den Bau kleiner Autos versorgen und im Gegenzug einen Chrysler-Anteil von 20 Prozent bekommen. Die Gespräche darüber kommen aber offenbar nur schleppend voran. Am Donnerstag teilte Fiat mit, die endgültigen Bedingungen für eine Zusammenarbeit seien noch immer Gegenstand von Verhandlungen.

Die Spekulationen über eine italienisch-deutsche Autoehe hatte ein Bericht von "Spiegel-online" ausgelöst, wonach bereits am kommenden Dienstag eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet werden soll. Der Chef des Opel-Gesamtbetriebsrates, Klaus Franz, konnte diesen Termin nicht bestätigten, kommentierte den "Spiegel"-Bericht aber mit den Worten: "Ich gehe aber davon aus, dass er stimmt":

Betriebsrat gegen Verbindung mit Fiat

Zugleich hatte Franz energischen Widerstand gegen das Unternehmen aus Turin angekündigt. Er fürchte bei einem Einstieg von Fiat einen "dramatischen Abbau von Arbeitsplätzen bei Opel und Werksschließungen in Deutschland", sagte der Arbeitnehmer-Vertreter.

Ein Fiat Panda im Straßenverkehr in Italien.

Ein Fiat Panda im Straßenverkehr in Italien.


Opel und Fiat hatten schon einmal zusammengearbeitet, wenn auch mit wenig Erfolg. Die Opel-Mutter GM hatte sich vor neun Jahren mit zehn Prozent an Fiat beteiligt. Anstatt den italienischen Autobauer wie ursprünglich angestrebt ganz zu übernehmen, stieg GM aber Anfang 2005 wieder aus der Allianz aus - gegen eine Zahlung von 1,5 Milliarden Euro.


2008 hat der Fiat-Konzern insgesamt 2,15 Millionen Fahrzeuge verkauft, Opel und die britische Schwester Vauxhall setzten 1,46 Millionen Autos ab. Im ersten Quartal 2009 rutschte Fiat nach Angaben vom Donnerstag in die roten Zahlen. Der Fehlbetrag erreichte 410 Millionen Euro, der Umsatz schrumpfte stark von knapp 15,1 auf 11,27 Milliarden Euro. (wl/det/hf/dpa,ap,rtr,afp)

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