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Wirtschaft

Spekulationen über irisches Defizit

Die Spekulanten sind wieder da. Diesmal ist nicht Griechenland, sondern Irland ihre Zielscheibe: Das hochverschuldete Land könnte bald Mittel aus dem EU-Rettungsfonds benötigen. Irland wiegelt ab.

Irische Flagge in der Form des Landes auf Euro-Scheinen (Grafik: Fotolia/Stephen Finn)

Irland - das neue Sorgenkind in der Eurozone?

Irland ist hochverschuldet - eigentlich keine Neuigkeit. Doch in diesen Tagen zeigen sich die Märkte äußerst unsicher und besorgt über diese Tatsache. Spekulationen machen sich unter den Anlegern breit, dass Dublin bald auf Mittel aus dem EU-Rettungsfonds angewiesen sein könnte. Das Land muss derzeit Rekordzinsen für das Geld vom Kapitalmarkt bezahlen.

Irland bemüht sich um Beruhigung der Finanzmärkte

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (Foto: AP)

Die anderen EU-Staaten versuchen die Märkte zu beruhigen

Trotz dieser Panik unter den Finanzanlegern versuchen Irland und die anderen EU-Staaten die Märkte zu beruhigen. Es gebe keine Notwendigkeit, Mittel aus dem Rettungsfonds in Anspruch zu nehmen, bekräftigt die Regierung in Dublin. Der ehrgeizige Konsolidierungskurs werde fortgesetzt. Der Chef des Internationalen Währungsfonds IWF, Dominique Strauss-Kahn, sagte am Samstag (13.11.2010) am Rande des Asien-Pazifik-Gipfels in Japan, Irland könne "ganz gut alleine zurechtkommen. Auch Deutschland meint, dass Irland aus eigener Kraft seine Staatsfinanzen ordnen könne. Die Bundesregierung habe nicht den geringsten Anlass, daran zu zweifeln, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Freitag in Berlin.

Angesichts neuer Spekulationen über das staatliche Defizit und die Rekordzinsen für irische Staatsanleihen versuchten die Finanzminister aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien bereits am Rande des G20-Gipfels in Seoul in einer gemeinsamen Erklärung die Gläubiger des Landes zu beruhigen.

Die Märkte bleiben misstrauisch

Irlands Premierminister Brian Cowen (Foto: AP)

Irlands Premierminister Brian Cowen muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten

In einer Reuters-Umfrage gingen indes 20 von 30 Analysten davon aus, dass Irland Ende kommenden Jahres internationale Hilfen in Anspruch nehmen muss. Anleger verlangen für das Halten von Staatsanleihen weiter drastische Risikoaufschläge im Vergleich etwa zu deutschen Anleihen. Weder der EU-Rettungsschirm noch der Anleihenkauf der Europäischen Zentralbank oder die angekündigten Sparprogramme können sie überzeugen. Die Aufschläge für irische Anleihen nähern sich immer mehr dem Niveau Griechenlands an.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, die EU sei in der Lage, Irland notfalls zu helfen. "Es ist wichtig zu wissen, dass wir in der Europäischen Union und in der Eurozone alle Instrumente bereitliegen haben, um notfalls zu handeln", sagte Barroso. Konkrete Maßnahmen müssten jetzt jedoch nicht unternommen werden. Das Finanzministerium in Dublin erklärte, Berichte über Vorbereitungen von Finanzhilfen an Irland seien völlig falsch. Irland habe keine Bitte um irgendeine Unterstützung gestellt.

Autorin: Rayna Breuer (rtr, afp, dapd)
Redaktion: Thomas Grimmer, Annamaria Sigrist

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