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Wirtschaft

Spekulationen über faule Kredite in China

Ernst & Young hat seinen Bericht über faule Kredite in China zurückgezogen. Haben die Wirtschaftsprüfer einen peinlichen Fehler begangen oder wurden sie unter Druck gesetzt?

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Der Börsengang steht bevor: Bank of China

Ernst & Young begründet den Rückzug damit, dass sich die Zahlen nicht halten ließen. Es gebe inhaltliche Fehler. Der Bericht wurde Anfang Mai veröffentlicht und sorgte für großes Aufsehen. Demnach sollen Chinesische Banken auf faulen Krediten in Höhe von 900 Milliarden US Dollar sitzen und mehr als ein Drittel von ihnen sollen in den Händen der vier großen Staatsbanken sein. Mit faulen Krediten bezeichnet man die unrentable Kreditvergabe, die vom Staat beeinflusst wird. Oft können solche Kredite nicht zurückgezahlt werden.

Nachrichten wie die Ergebnisse der Ernst & Young Studie sind in der chinesischen Regierung nicht sehr willkommen, unter anderem weil die Bank of China und die Industrial and Commercial Bank of China kurz vor einem Börsengang in Hongkong stehen. Mit 9,8 Milliarden US Dollar ist der geplante Börsengang von Bank of China der weltweit größte seit sechs Jahren.

Enorme Diskrepanz

Bank of China

Die Erwartungen an den größten Börsengang seit sechs Jahren sind enorm

Kein Wunder, dass die chinesische Zentralbank heftig auf den Bericht von Ernst & Young reagierte. Lächerlich und nicht zu verstehen sei der Bericht, so ein Sprecher. Nach den offiziellen Statistiken betrage das Volumen von faulen Krediten 133 Milliarden US-Dollar. "Wenn man der offiziellen Statistik glaubt, liegt der Anteil fauler Kredite an den insgesamt von der jeweiligen Bank vergebenen Krediten in den vier Staatsbanken bei acht Prozent", sagt Frank Song, Direktor vom Forschungszentrum für Finanzen in China an der Universität Hongkong. "Ernst & Young dagegen sagt eine Quote von mehr als 17 Prozent voraus. Das ist doppelt so viel wie die offizielle Version. Diese enorme Diskrepanz lässt sich schwer erklären. Ich denke die tatsächliche Quote liegt irgendwo dazwischen."

Nun wird über den Grund des Rückzugs von Ernst & Young spekuliert. Eine international renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wie diese setzt ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel und bekennt sich öffentlich zu inhaltlichen Fehlern in ihren Berichten - das macht einen schlechten Eindruck und schadet dem Image des Unternehmens. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass Ernst & Young offensichtliche Fehler übersehen haben? "Die Kalkulation der faulen Kredite ist ein kompliziertes Verfahren", sagt Song. "Die Vorhersage basiert auf vielen Hypothesen, die man leider unbedingt als Tatsache ansehen muss. Sonst kommt man nie weiter. Man kann in diesem Fall nur von Schätzungen sprechen. Jeder kleine Fehler führt zu einer Verzerrung des Endergebnisses." Ferner seien viele Wirtschaftsprüfer in dieses Verfahren eingebunden. "So können Fehler entstehen."

Börsennotierung in Gefahr

Andererseits stehen chinesische Staatsbanken wegen der so genannten faulen Kredite in den Schlagzeilen. Faule Kredite bilden für eine Börsennotierung eine potenzielle Gefahr, so der Experte Song. "Trägt eine Bank viele faule Kredite auf den Schultern, hat sie ein großes Risiko. Sollten Turbulenzen auf dem Finanzmarkt entstehen, wie Schwankungen auf dem Immobilienmarkt, Stagnation oder Währungsschwäche, macht sich die Auswirkung der faulen Kredite in der Bilanz der Finanzhäuser deutlich bemerkbar. Sogar das Stammkapital wird so gefährdet. Deswegen verfolgen die Investoren jede aussagekräftige Zahl über die faulen Kredite", sagt Song.

Börse in Hongkong

Börse in Hongkong

Als Vorbild aller chinesischen Banken soll die Bank of China am 1. Juni an der Hongkonger Börse die internationale Gemeinschaft überzeugen. Zwar steht sie für die boomende Konjunktur des Landes, aber sie trägt noch die Merkmale einer traditionsreichen Staatsbank in China. Die institutionellen Investoren zeigen jedoch Zuversicht. Die Papiere von Bank of China seien schon zwei bis dreifach überzeichnet worden, hieß es aus internen Kreisen.

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