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Wirtschaft

Spekulation um griechische Parallelwährung

Das Szenario ist nicht neu: Bekommt Griechenland seine Finanzprobleme nicht dauerhaft in den Griff, könnte das Land eine Parallelwährung einführen und trotzdem vorläufig im Euro bleiben.

Die Idee ist nicht neu, aber wieder aktuell, seit die Euro-Krisenmanager zunehmend die Geduld im Schuldenpoker mit der griechischen Regierung unter Premierminister Alexis Tsipras und Finanzminister Yanis Varoufakis verlieren.

Aber wie lässt sich der ungesteuerte und unkalkulierbare Austritt des Landes aus dem Euro, der so genannte "Graccident", verhindern, ohne auf viele Jahre hinaus immer mehr Milliarden nach Athen überweisen zu müssen? Die Einführung einer Parallelwährung könnte die Antwort auf diese Frage sein. Bereits vor drei Jahren hatte Thomas Mayer, damaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank, die Schaffung des "Geuro", einer neben dem Euro in Griechenland gültigen Währung ins Spiel gebracht.

"Die jüngsten Meinungsumfragen lassen darauf schließen, dass Parteien, die das Anpassungsprogramm der Troika ablehnen, in der nächsten griechischen Regierung eine dominierende Rolle spielen werden", hatte Mayer vor knapp drei Jahren geschrieben. Es dauerte zwar länger als von Thomas Mayer prognostiziert - doch die Entwicklung nach dem Wahlsieg von Alexis Tsipras gibt ihm Recht.

Der Weg des geringsten Widerstands könnte darin bestehen, dass die finanzielle Unterstützung für die griechische Regierung eingestellt wird, die Zahlungen für den Schuldendienst fortgesetzt werden und die griechischen Banken mit Hilfe einer europäischen "Bad Bank" stabilisiert werden", schlägt Mayer in der Studie vor.

Neue Drachme oder "Geuro"?

In diesem Fall könne eine griechische Parallelwährung zum Euro, eine Art neue Drachme, die Mayer auf den Namen "Geuro" tauft, entstehen, "wenn die Regierung Schuldverschreibungen zur Bedienung ihrer laufenden Zahlungsverpflichtungen begibt", schreibt Mayer im Research Briefing "Der Geuro - Eine Parallelwährung für Griechenland?" vom 23. Mai 2012.

Thomas Mayer, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank

"Geuro" als Weg des geringsten Widerstands? Thomas Mayer, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank

Griechenland könnte weiter seine Staatsschulden in Euro - mit Hilfe der Partner in der EU - bedienen, würde im Euro bleiben, könnte aber durch die Abwertung der Parallelwährung seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern und seine Tourismusbranche und Exportwirtschaft ankurbeln. Das Krisenland könne so eine Wechselkursabwertung durchführen, ohne die Europäische Währungsunion offiziell zu verlassen, so Mayer. "Es läge dann in der Hand der griechischen Behörden, den Wechselkurs der Parallelwährung gegenüber dem Euro durch eine umsichtige Fiskalpolitik und Strukturreformen zu stabilisieren und so die Tür für eine künftige Rückkehr in den Euro offen zu halten", lautet Mayers Fazit.

Mittlerweile geben ihm immer mehr Wirtschaftsexperten Recht. Das "Handelsblatt" zitiert den Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, den Chefvolkswirt der DZ Bank, Stefan Bielmeier und den Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, die sich die Einführung einer griechischen Parallelwährung vorstellen können.

Nobelpreisträger als Befürworter

Nobelpreisträger Christopher Pissarides

Nobelpreisträger Pissarides: Parallelwährung als "Notlösung"

In der vergangenen Woche hatte Wirtschaftsnobelpreisträger Christofer Pissarides im griechischen Fernsehen ebenfalls für die Einführung einer Parallelwährung plädiert, ohne dass das Land aus der Eurozone austreten müsse. Dies wäre "eine Notlösung", für den Fall, dass der griechische Staat in nächster Zeit die Löhne und Renten nicht mehr in vollem Umfang zahlen könne.

"Der Staat könnte eine bestimmte Art von Wertpapieren ausgeben, die der Anfang einer neuen (Parallel)-Währung werden könnte", zitiert die Deutsche Presse Agentur den Ökonomen. Der aus Zypern stammende Pissarides lehrt an der London School of Economics und hatte 2010 den Wirtschaftsnobelpreis erhalten.

Während die Gespräche mit den internationalen Geldgebern weiter laufen, werden - bis auf weiteres - die griechischen Banken durch kurzfristige Geldspritzen der EZB am Leben erhalten. Griechische Bürger haben angesichts der unsicheren Lage in den vergangenen drei Monaten Schätzungen zufolge mehr als 20 Milliarden Euro von ihren Bankkonten abgehoben.