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Kultur

Spazieren auf dem Drei-Schluchten-Damm

Bei ihrer Fertigstellung 2009 wird es die größte Talsperre der Welt sein. Ab Freitag (1.7.) ist der Drei-Schluchten-Damm am Jangtse für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Projekt ist nicht nur umweltpolitisch umstritten.

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Der chinesische Staudamm kann 18 Atomkraftwerke ersetzen

Zuerst dürfen täglich nur 1000 Menschen direkt auf den knapp zwei Kilometer langen Staudamm. Auf der einen Seite sieht man den ruhigen Stausee, der 600 Kilometer stromaufwärts zur 30-Millionen-Metropole Chongqing hinaufführt. Die Fläche des Stausees ist zweimal so groß wie die des Bodensees. Auf der anderen Seite fällt das Wasser 100 Meter tief und treibt 26 Turbinen mit einer Gesamtleistung von 18.200 Megawatt. Das entspricht der Leistung von etwa 18 Atomkraftwerken durchschnittlicher Größe.

Ein politisches Projekt

Bauarbeiten am Drei Flüsse Staudamm in China

Blick auf das gigantische Bauwerk

Noch sind nicht alle Turbinen im Betrieb. Aber allein der Blick von der Talsperre verursacht einen optischen Schock. Schockiert ist auch die Umweltaktivistin Dai Qing. Ihr ist das Projekt bei weitem nicht transparent genug, auch wenn man jetzt Besuchern erlaubt, auf die Talsperre zu steigen. "Nun wurde die Talsperre für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die aber wenig Ahnung von all den Details des Projekts hat: von der Flutung, von Zwangsumsiedlungen, oder auch von der Erdbeben-Gefahr, von der Veränderung der Umwelt und der Wasserqualität und so weiter", sagt Dai Quing.

Der Drei-Schluchten-Damm auf dem Jangtse ist ein politisches Projekt. Bereits bei seiner Vorstellung hatte ein Drittel der Delegierten im Volkskongress, dem chinesischen Parlament, ernste Bedenken gehabt und dagegen gestimmt. Eine Seltenheit bei den Entscheidungsabläufen in China.

Segen für die Schifffahrt

Drei Schluchten Staudamm

Umweltpolitisch umstritten - die größte Talsperre der Welt

Nun steigt der Pegelstand. Die magische Grenze von 175 Metern ist noch nicht erreicht. Derzeit liegt der Pegel bei 150 Meter, sagt Gu Bin, Manager auf dem Touristenschiff "Sunshine". Fast die Hälfte seines Lebens verbrachte der 36-Jährige auf dem Jangste. Für den Schiffsverkehr ist der Staudamm ein Segen. Die gefährlichen Riffe sind verschwunden. Die Schifffahrt wird sicherer. "Die Kapitäne freuen sich. Es ist einfach sicherer. Für Touristen ist es vielleicht auch nicht schlecht, dass sie mehr sehen können. Früher konnte man je nach Pegel nur ein Drittel der Strecke befahren", erzählt Gu Bin.

Dennoch macht sich Gu Sorgen um die Zukunft der drei Schluchten, die er auch als seine eigenen ansieht. Die Landschaften verändern sich, das merkt er, obwohl er jeden Tag die malerische Strecke an der Qutang-Schlucht, Wu-Schlucht und Xiling-Schlucht entlang fährt.

Problem der Umsiedlung

Letzte Ernte

Die letzte Ernte vor der Umsiedlung

Nicht nur die Natur leidet unter dem Spruch von Mao "Es ist eine Riesenfreude, mit Himmel, mit Erde und mit Menschen zu kämpfen." 1,3 Millionen Menschen mussten wegen des Staudamm-Projekts umgesiedelt werden, heißt es offiziell. Inoffiziell werden es viel mehr gewesen sein. Für die chinesische Regierung ist das Kapitel abgeschlossen. Für die Umweltaktivistin Dai Qing allerdings nicht: "Das Problem mit der Umsiedlung ist, dass weder Sozialwissenschaftler noch Ökonomen an dem Umsiedlungsplan beteiligt waren. Für die Politiker sind die Umsiedler nichts anderes als Ware oder Tiere, die sich beliebig über hunderte oder gar tausende von Kilometern verschieben lassen."

Kluft zwischen Arm und Reich

Die Umgesiedelten haben Schwierigkeiten, sich in den neuen fremden Städten einzuleben. Sie fallen wegen ihres bäuerlichen Dialekts auf und fühlen sich behandelt wie Bürger zweiter Klasse. Das ist üblich in den Großstädten, wo die Kluft zwischen Arm und Reich ohnehin groß ist. Auch sind nicht alle glücklich mit der Entschädigung, an der korrupte Beamte kräftig mitverdienen.

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