1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Sparmodell: Museum im Hochhausbüro

Frankfurts Museum für Moderne Kunst hat eine neue Dépendance: mitten im Bankenviertel. Dort zeigt es Ausstellungen in einer leeren Büroetage hoch über der Stadt - ohne dafür zu bezahlen.

"Wir werden nicht in die Zeiten zurückkehren, wo wir Ausstellungen nur aus öffentlichen Geldern finanzieren können", sagt Susanne Gaensheimer, die Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt (MMK), bei der Vorstellung ihres neuartigen Finanzierungsmodells, mit dem sie auf die allgemein klammen städtischen Kassen reagiert.

Susanne Gaensheimer

Kreative Klasse: Susanne Gaensheimer ist seit 2009 Direktorin des MMK in Frankfurt

Für das MMK Frankfurt, das mit seiner umfangreichen Sammlung zeitgenössischer Kunst längst aus allen Nähten platzt, hat sie in Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft eine geniale Lösung gefunden - international beachtet und ohne dafür einen Cent der deutschen Steuerzahler zu benötigen. "Im Gegenteil: Die Ausgaben gehen gegen Null", sagt Gaensheimer, die in ihrer ersten Ausstellung in den neuen Räumen Werke nur von Künstlerinnen aus dem hauseigenen Bestand präsentiert - und damit zusätzlich Geld spart. Dafür bekommt sie die komplette Etage eines Bürohochhauses im Frankfurter Bankenviertel als Ausstellungsfläche dazu - das MMK 2.

Privatwirtschaftliches Engagement

Ein Immobilienkonsortium stellt die ungenutzte Bürofläche im Frankfurter Taunusturm zur Verfügung: 15 Jahre muss das MMK2 keine Miete und keine Nebenkosten bezahlen. Darüberhinaus gibt es die Perspektive auf eine längerfristige Zusammenarbeit.

Katharina Fritsch, Tischgesellschaft, 1988

International vielbeachtete Kunst: die "Tischgesellschaft" der deutschen Künstlerin Katharina Fritsch von 1988

Diese Art von Private Public Partnership für die Kunst habe es in Deutschland bislang noch nicht gegeben. "Ein Finanzierungsmodell, das in der deutschen Museumslandschaft einzigartig ist", schwärmt Susanne Gaensheimer auf der Pressekonferenz. Sie zählt zu den erfindungsreichsten Museumsdirektorinnen Deutschlands: Zwei Mal hat sie bereits den Deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig kuratiert und mit ihrer Künstlerauswahl viel Beachtung gefunden. Davon profitiert jetzt auch das MMK, dem sie seit 2009 als Direktorin vorsteht.

Vanessa Beecroft, VB 68, 2011

Frauen-Power im Museum: Videoinstallation von Vanessa Beecroft "VB 68" (2011)

Damit hat das Museum für Moderne Kunst künftig drei Standorte im Frankfurter Bankenviertel. Mit der aktuellen Erweiterung erhält das vor 25 Jahren gegründete Museum 1.750 Quadratmeter hinzu, die mit einer hochkarätigen Ausstellung eröffnet werden: "Boom She Boom" zeigt ausschließlich Werke großer deutscher Bildhauerinnen und Konzeptkünstlerinnen: Katharina Fritsch, Isa Genzken, Rosemarie Trockel sind nur einige Namen, die in der neuen Ausstellungsdépendance präsentiert werden. Alle Arbeiten stammen aus den eigenen Depot-Beständen, eine extrem kostengünstige Ausstellungsvariante. Teure Kunst-Transporte, Versicherungen und Logistik-Probleme fallen bei diesem Modell komplett weg.

Hochkarätige Sammlung

Das MMK Frankfurt sammelt seit 1960 internationale zeitgenössische Kunst. Gründungsdirektor Jean Amman hatte ein Händchen für Trends und populäre Strömungen in der Kunst. Er kaufte gezielt Arbeiten wichtiger, nicht nur deutscher Künstlerinnen an, die mit radikalen Positionen viel Einfluss auf die Kunst-Strömungen der 80er und frühen 90er Jahre hatten: Strickarbeiten von Rosemarie Trockel, Rauminstallationen von Katharina Fritsch und Videoinstallationen von Vanessa Beecroft - um nur einige zu nennen.

Arbeiten von Marlene Dumas, 1995 – 2000

Aufbau der Arbeiten der südafrikanischen Künstlerin Marlene Dumas

Alle werden inzwischen auf den Kunstmärkten zu hohen Preisen gehandelt und gehören zu den etablierten Künstlern in der internationalen Kunstszene. Die Präsentationen im neuen MMK 2 sollen zwei Mal im Jahr wechseln. Die aktuelle Ausstellung

"Boom She Boom"

mit Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen ist vom 19. Oktober bis zum 14. Juni 2015 in Frankfurt zu sehen.

WWW-Links

Audio und Video zum Thema