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Wirtschaft

Sparen statt Auto kaufen

An schlechte Nachrichten sind deutsche Arbeitnehmer im Moment gewöhnt. Die neueste: Die Rentenbeiträge steigen. Aber wohin eigentlich?

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Noch scheint die Sonne über dem Rentner-Dasein

Das deutsche Rentensystem ist krank – und die schwarzen Löcher im Berliner Haushalt zeigen es. Die gesetzliche Rente wurde früher allein durch die so genannte Umlage finanziert, also die Beiträge, die von jungen Menschen im Moment aufgebracht werden. Doch wegen eines ungünstigen "demografischen Faktors" sind die rosigen Zeiten seit vielen Jahren vorbei, ist sich Bernd Katzenstein vom Deutschen Institut für Altersvorsorge sicher: "Seit 1970 gibt es einfach nicht genug Nachwuchs. Und deshalb wird diese Entwicklung so weitergehen, da kann sich jeder schon mal drauf einrichten," sagte er im Gespräch mit DW-WORLD.

Schon jetzt deckt die Durchschnittsrente von knapp 700 Euro nicht einmal das deutsche Existenzminimum ab, obwohl jeder Arbeitnehmer fast 20 Prozent seines Gehalts an die Rentenkasse abführt. Doch die Beiträge reichen nicht aus. Die heutigen Renten werden zu einem Drittel aus Steuern bezahlt. Dabei gibt es Alternativen: Zusätzlich zur Beitrags-Rente kommt die so genannte Kapitaldeckung – also das private Sparen der Jüngeren für ihre eigene Rente. Dieses Sparen wird in Deutschland erst seit vergangenem Jahr staatlich gefördert und ist als Riester-Rente bekannt geworden – benannt nach dem ehemaligen Arbeitsminister.

Andere sind schneller Obwohl andere europäische Länder das gleiche Problem haben, sind sie einer Lösung oft schon viel näher. "Besonders die kleinen Staaten wie die Niederlande und die Schweiz, aber auch Großbritannien, sind einfach viel früher in die Kapitaldeckung eingestiegen", meint Rentenexperte Katzenstein. In einigen Staaten besteht die Rente bereits zur Hälfte aus privat angesparten Mitteln. In Deutschland sind es nur 15 bis 20 Prozent. Ein vom Deutschen Institut für Altersvorsorge vierteljährlich veröffentlichtes Rentenbarometer zeigt: Drei Viertel der Deutschen weigern sich hartnäckig, in ihre private Altersvorsorge zu investieren. Vielen ist das System zu kompliziert. "Die Politiker sagen ihnen das natürlich nur ungern, weil sie ja wiedergewählt werden wollen" meint Katzenstein.

Ein anderes EU-Land mit erheblichen Schwierigkeiten ist Griechenland. Hier steht das Rentensystem kurz vor dem Kollaps. Die Renten sind vergleichsweise hoch, aber die Beiträge zu niedrig. Und Pensionsansprüche zu bekommen, muss man nur 15 Jahre arbeiten – weniger als in jedem anderen EU-Staat. Das treibt letztlich das Haushaltsdefizit nach oben. Da sind die überwiegend osteuropäischen EU-Beitrittsländer wesentlich besser auf die nächsten Jahre vorbereitet. "Sie haben nach dem Ende des Kommunismus gleich angefangen, ein vernünftiges System aufzubauen", sagt Katzenstein. Polen und Ungarn sind nach einer aktuellen Studie ganz vorne in der Entwicklung, weil sie Ende der 90-er Jahre begonnen haben, eine private Altersversorgung zu fördern.

Europäische Lösungen

Wandernde Senioren mit Thumbnail

Zusätzlich belastend für die europäischen Rentensysteme ist die geringe Lebensarbeitszeit. In Deutschland beginnt das gesetzliche Rentenalter eigentlich erst mit 65, der tatsächliche Durchschnitt liegt aber bereits bei 60,5 Jahren. Und je älter die Menschen werden, desto länger beziehen sie Rente. So erhöht sich in ganz Europa die durchschnittliche Rentenbezugsdauer. In Deutschland zwischen 1960 und 2001 von 9,9 auf 16,2 Jahre.

Experten wie Katzenstein fordern schon lange radikale Reformen für Europa. Neben einem späteren Rentenbeginn sind das die Einführung einer kapitalgedeckten Zusatzversorgung sowie einer privaten Alterssicherung. Katzenstein meint: "Wenn ich Politiker wäre, würde ich den Leuten die Wahrheit sagen: Spart für die eigene Rente und verschiebt den Konsum auf später!"

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