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Aktuell Europa

Spannende Stichwahl in Polen

In Polen wird bei der zweiten Runde der Präsidentenwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amtsinhaber Komorowski und dem Nationalkonservativen Duda erwartet. Duda hatte die erste Wahlrunde überraschend gewonnen.

Amtsinhaber Bronislaw Komorowski oder Herausforderer Andrzej Duda: Rund 30 Millionen Wahlberechtigte entscheiden in einer Stichwahl über den künftigen Präsidenten Polens. Seit 7 Uhr haben die Wahllokale geöffnet. Die erste Runde vor zwei Wochen hatte der nationalkonservative Duda, Kandidat für die Oppositionspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS), gewonnen.

Wahl Polen 2015 Kandidat Duda (Foto: rtr)

Überraschungssieger der ersten Runde: Andrzej Duda

Mit knapp 35 Prozent ließ er überraschend seine Konkurrenten hinter sich, darunter auch den amtierenden Präsidenten, der von der liberalkonservativen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) unterstützt wird und rund einen Prozentpunkt weniger erhielt. Da keiner der beiden die notwendige absolute Mehrheit erreichte, muss nun in einer Stichwahl entschieden werden.

Eine zwei Tage vor der Wahl veröffentlichte Umfrage sieht Duda mit 51 Prozent knapp vor dem 62-jährigen Amtsinhaber Komorowski. Erste Prognosen werden nach Schließung der Wahllokale um 21 Uhr MESZ erwartet.

Wahl Polen 2015 Kandidat Komorowski (Foto: rtr)

Komorowski versuchte auf den letzten Metern noch aufzuholen

Kampf um letzte Stimmen

In zwei TV-Duellen (Artikelbild) haben beide Kandidaten noch einmal um Wählerstimmen geworben. So machte sich Komorowski die Forderung des in der ersten Wahlrunde Drittplatzierten Pawel Kukiz zu eigen, der für die Einführung des Mehrheitswahlrechts nach einem Referendum eintrat. Darüber hinaus kündigte er an, 670 Millionen Euro in die Schaffung 100.000 neuer Jobs zu investieren.

Duda erneuerte in den Fernsehdebatten seine Versprechungen zu Steuererleichterungen, vor allem für Familien und Einkommensschwache, und einer Senkung des Renteneintrittsalters. Er wolle die Rente mit 67 wieder abschaffen, die "gegen den Willen der Bürger" eingeführt worden sei.

Der Mann hinter Duda

Der 42-jährige promovierte Jurist ist seit Jahren eng mit der PiS verbunden - und mit den Brüdern Kaczynski. Bis zu dem Flugzeugabsturz des damaligen Präsidenten Lech Kaczynski im April 2010 arbeitete er in dessen Kanzlei im Präsidentenpalast. Als Bronislaw nach dem Flugzeugunglück das Präsidentenamt übernahm, reichte Duda zwar seinen Rücktritt ein, erhielt sich aber weiterhin die Gunst des PiS-Parteichefs und Zwillingsbruder des toten Präsidenten, Jaroslaw Kaczynski. Dieser nominierte Duda im vergangenen Jahr zum Präsidentschaftskandidaten.

Stimmungstest

Das Ergebnis der Stichwahl wird noch aus einem anderen Grund mit Spannung erwartet: Die Wahl gilt als Stimmungstest vor den Parlamentswahlen im Herbst. Die PiS ist die größte Oppositionspartei Polens und stellte bis 2010 mit Lech Kaczynski den Präsidenten. Sollte Duda die Präsidentschaftswahl gewinnen, könnte dies womöglich auch zu einem Sieg der PiS bei der Wahl zum polnischen Parlament führen.

nin/qu (dpa, afp)