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Europa

Spanische Bürgerrechtler fordern Entschuldigung von Merkel

Spanische Bürgerrechtler fordern von Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Entschuldigung für die Verbrechen der deutschen Wehrmacht im spanischen Bürgerkrieg.

Bildergalerie Guernica

Die Stadt Guernica wurde 1937 vom Luftwaffenverband Legion Condor zerstört

Es ist noch gar nicht lange her, da war die deutsche Kanzlerin in Spanien sehr beliebt. Sie galt dort sogar als die mit Abstand populärste ausländische Politikerin - so das Ergebnis einer Umfrage für die Madrider Zeitung "El Mundo." Das war Anfang 2010. Doch mit der Eurokrise begann das Ansehen der Kanzlerin zu sinken. Warum? Die Spanier haben in der Berliner Regierungschefin ihre Retterin in der Not gesehen: Viele haben von Deutschland mehr erwartet, auf mehr Hilfe gehofft. Doch Merkel hat sie enttäuscht.

Viele Spanier von Merkels EU-Sparpolitik enttäuscht

Diese Enttäuschung äußerte sich auch musikalisch: Der spanische Sänger Alejo Stivel widmete der Kanzlerin ein Lied. Der Titel: "Ojala" - "Hoffentlich." Das war im Oktober 2012. Damit wollte der Sänger "den Leuten eine Stimme geben, denen es schlecht geht". Davon gab es und gibt es in Spanien immer noch viele. Am Ende des Musikvideos ist Stivel zu sehen, wie er in Berlin aus dem Taxi steigt und zum Kanzleramt geht. Merkel empfängt ihn nicht. So hinterlegt Stivel seinen Wunsch und den der Krisenopfer beim Pförtner: "Hoffentlich passiert etwas!" Das Lied wurde zur Hymne der Proteste gegen die Sparpolitik von Angela Merkel.

Soldaten der Legion Condor im Jahr 1939

Soldaten der Legion Condor bei der Siegesparade der Nationalisten im Mai 1939 in Madrid

Nun wird die Bundeskanzlerin an ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte erinnert. Kurz vor Merkels Reise fordern spanische Bürgerrechtler von der Bundesregierung eine Entschuldigung für die deutsche Unterstützung des Franco-Regimes im Spanischen Bürgerkrieg. Angela Merkel solle ihren Besuch in Spanien nutzen, um "die historischen Schulden für die Verbrechen der Legion Condor zu begleichen", forderte die Vereinigung zum Erhalt der Historischen Erinnerung (ARMH).

Deutsche Streitkräfte unterstützten General Franco

Die Legion Condor, eine Einheit der deutschen Wehrmacht, war ab 1936 im Spanischen Bürgerkrieg im Einsatz. Dort unterstützte sie das Regime des Generals Francisco Franco im Kampf gegen die Spanische Republik. Dadurch trug die Legion entscheidend zum Sieg Francos über die Republikaner bei. "Das Land, das Sie führen, hat enorme Schulden bei den Opfern der Franco-Diktatur", heißt es nun in einem offenen Brief der spanischen Bürgerrechtler an Angela Merkel.

Nach Informationen des Deutschen Historischen Museums verfügte die Legion Condor im Herbst 1936 über 100 Flugzeuge und 5000 Mann. Insgesamt kamen rund 20.000 deutsche Wehrmachtssoldaten auf dem spanischen Kriegsschauplatz zum Einsatz. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs bot der Spanische Bürgerkrieg eine Gelegenheit zum Test neuer Waffensysteme, besonders für die Luftwaffe. Traurige Berühmtheit erlangte der Luftwaffenverband der Legion Condor durch die Vernichtung der nordspanischen Stadt Guernica im Jahr 1937.

Treffen mit spanischen Bürgerrechtlern nicht geplant

Merkel und Rajoy Regierungstreffen in Berlin

Amtskollegen: Mariano Rajoy und Angela Merkel

Die Organisation ARMH, die jetzt eine Entschuldigung von Deutschland fordert, setzt sich in Spanien für eine gesellschaftliche Aufarbeitung der Schrecken des Franco-Regimes ein und kümmert sich um die Opfer.

Noch ist unklar, ob Angela Merkel auf die Forderung der spanischen Bürgerrechtler reagieren wird. Bisher steht kein Treffen mit den ARMH-Vertretern auf dem offiziellen Programm. Die Bundeskanzlerin wird sich mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy treffen. Anlass des Spanien-Besuchs ist die Vorbereitung des Gipfels der Europäischen Union am 30. September in Brüssel.

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