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Europa

Spaniens Regierung leitet Ermittlungen ein

In Spanien kommt nach dem Ende des Fluglotsenstreiks der Flugverkehr langsam wieder in Gang. Dennoch kommt es zu Verspätungen. Die spanische Regierung leitete Ermittlungen gegen 100 Fluglotsen ein.

Flughafentower auf dem Flughafen in Madrid (Foto: dpa)

Die Fluglotsen arbeiten wieder

Spanien wird die Fluglotsen zur Rechenschaft ziehen, die den Luftverkehr mit einem wilden Streik 24 Stunden lang lahmgelegt haben. "Der Ausstand wird Konsequenzen haben", sagte Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba in der Nacht zum Sonntag (05.12.2010) in Madrid. Die Staatsanwaltschaft in der spanischen Hauptstadt führte Ermittlungen gegen die Teilnehmer des Streiks. Die Flughafengesellschaft AENA leitete Disziplinarverfahren gegen 100 Lotsen ein. Mehrere Organisationen erstatteten Strafanzeige.

Der Innenminister versicherte, dass sich ein Chaos wie am Freitag und Samstag auf den spanischen Flughäfen nicht wiederholen werde.

Erst am Samstagnachmittag starteten auf den Großflughäfen von Madrid, Barcelona, Palma de Mallorca und den Kanarischen Inseln wieder Maschinen. Nach Angaben der Flughafenbehörde AENA wird sich die Lage frühestens innerhalb 48 Stunden wieder vollständig normalisieren. Lufthansa fliege Spanien wieder an, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft am Sonntag. Es könne jedoch weiter vereinzelt zu Verspätungen kommen. Die Fluggesellschaft Air Berlin setzt Sondermaschinen ein, um die Urlauber so schnell wie möglich zurück nach Deutschland zu bringen. Auch Maschinen aus Österreich und der Schweiz seien im Einsatz, gab ein Sprecher von Air Berlin bekannt.

Regierung rief Alarmzustand aus

Die Regierung hatte als Reaktion auf den Streik der Fluglotsen erstmals seit dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975) den Alarmzustand ausgerufen. Das Militär übernahm die Gewalt über die Kontrolltürme. Den Lotsen wurde damit gedroht, sie nach Militärrecht zu langen Haftstrafen zu verurteilen, wenn sie den Ausstand nicht beenden sollten.

Wartende auf spanischem Flughafen (Foto: AP)

Warten auf den nächsten Flug

Mit Beginn der Nachmittagsschicht kehrten die Fluglotsen dann zum Dienst zurück. Die Situation in den Kontrolltürmen und den Flugüberwachungszentren normalisierte sich allmählich. Der Luftraum über Spanien konnte wieder geöffnet worden. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen die am Streit beteiligten Lotsen ein. Wie die Behörde mitteilte, sollten in Madrid vom kommenden Donnerstag an 100 Lotsen zum Verhör vorgeladen werden. Es sei nicht auszuschließen, dass einige von ihnen in Untersuchungshaft kämen.

Auswirkungen in ganz Europa

Von dem Streik betroffen waren mehr als 600.000 Passagiere. Die Aktionen wirkten sich in ganz Europa aus. Vielleicht hat auch deshalb die Regierung Härte zeigen wollen. "Wir lassen uns von den Lotsen nicht erpressen", betonte Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba nach einer Krisensitzung des Kabinetts. Auch die Lotsengewerkschaft USCA rief schließlich "eindringlich" dazu auf, den Dienst wieder aufzunehmen.

Auch rund 14.000 Gäste deutscher Reiseveranstalter saßen in Spanien fest. Dazu zählten gut 3500 Kunden von Thomas Cook. Sie alle wollten schon am Freitagabend oder am Samstag wieder zurückfliegen, wie ein Sprecher des Deutschen Reiseverbandes der Nachrichtenagentur dpa sagte. Die Reiseveranstalter würden dafür Sorge tragen, dass sie bei weiteren Verzögerungen untergebracht werden.

Gestrandete Passagiere in Madrid (Foto: AP)

Auf dem Flughafen Madrid müssen noch immer Tausende Reisende abgefertigt werden

Auf dem Madrider Flughafen hatten Iberia und mehrere andere Linien alle Flüge bis Sonntag abgesagt. Auf den spanischen Airports waren für Samstag 4300 Flüge vorgesehen gewesen. Am Vortag waren wegen des nicht angemeldeten Lotsenstreiks mehr als 2000 Flüge ausgefallen. Tausende von Passagieren hatten die Nacht in den Wartehallen der Flughäfen in Madrid, Barcelona oder auf Mallorca verbracht.

Die Flughafenbehörde AENA erklärte, sie sei zu Verhandlungen mit den Fluglotsen erst dann bereit, wenn auf den spanischen Flughäfen wieder Normalität herrsche. Die Lotsen wollten mit ihrer Aktion auf einen Beschluss der Regierung reagieren, die eine neue Regelung für die Dienstzeiten der Fluglotsen eingeführt hatte. Die Behörden wollen außerdem die Großflughäfen in Madrid und Barcelona in Teilen privatisieren.

Autor: Annamaria Sigrist, Marko Langer (mit dpa, rtr)
Redaktion: Michael Wehling

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