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Europa

Spaniens Präsidentschaft beginnt künstlerisch

Spanien hat sein Kulturprogramm für die sechsmonatige Dauer seiner EU-Ratspräsidentschaft vorgestellt. Geht es nach der Ministerin, so wird Kultur in der EU im nächsten halben Jahr zum Schwerpunkt.

Die spanische EU-Ratspräsidentschaft stellt ihr Kulturprogramm vor. Brüssel, 04.01.2009. (Foto: DW)

Das Projekt "Travesías" im Atrium des EU-Ratsgebäudes in Brüssel

Ein über 30 Meter langes, geschwungenes Band aus vielen tausend Leuchtdioden hängt unter der Decke des Brüsseler Ratsgebäudes. Menschen in Bewegung sind darauf zu sehen. Bunt flackert es, wenn sie gehen, kriechen, klettern. Geschaffen hat das Werk, das den Namen „Travesías“ trägt, was Übergang oder Passage bedeutet, der spanische Künstler Daniel Canogar.

Metapher für Wandlungen innerhalb Europas

Der Künstler Daniel Canogar (Foto: DW)

Daniel Canogar hatte die Idee zu "Travesías"

Er hatte die Idee dazu, als er im Ratsgebäude ein ständiges Kommen und Gehen von Menschen beobachtete: "Ich möchte das Kunstwerk als eine Art Brücke sehen, als Übergang, als Abenteuer", so der Künstler, "für mich ist das eine Metapher für die tiefen Wandlungen, die wir als Mitglieder der EU erlebt haben.“

Jede Ratspräsidentschaft bringt traditionell ein solches Kunstwerk mit. Canogar will den Politikern, die ihm vielleicht allzu ernst vorkommen, auch etwas Spielerisches geben. Die spanische Ratspräsidentschaft legt besonderen Wert darauf, dass Kunst aber nicht nur für Politiker und Bürokraten da ist, sondern - so betont die spanische Kulturministerin Angeles González Sindesie - sie soll alle Europäer bereichern und ihnen eine Hilfe sein: "Kultur bringt uns nicht nur uns selbst näher, sie bringt uns auch den anderen und dem Verständnis für andere näher.“

Kultur wird zum Schwerpunkt

Symbolbild Spanien übernimmt die EU-Ratspräsidentschaft von Schweden (DW-Grafik: Per Sander)

Spanien hat die EU-Ratspräsidentschaft von Schweden übernommen

Spanien will die Kultur zu einem Schwerpunkt seiner Ratspräsidentschaft machen. Da ist natürlich auch ein wenig Eigenwerbung mit im Spiel. Nach den blumigen Worten der Ministerin sei der ganze Kontinent eine einzigartige Wiege der Kultur, Europa eine "Quelle für großen schöpferischen Reichtum". Europa habe "immer kulturelle Avantgarde gefördert", so González.

Das wüssten Künstler auf der ganzen Welt, die die spanische Ratspräsidentschaft so anlocken will. "Sie wissen, dass wir nicht versuchen, andere auf billige Weise nachzuahmen. Sie wissen, dass sie hier nur untereinander im Wettbewerb stehen, im Wettbewerb, etwas zu schaffen, was noch nie jemand erschaffen oder auch nur erträumt hat.“

Zahmer als die Tschechen

Eine umstrittene Skulptur, die ein zubetoniertes Spanien zeigt, des tschechischen Künstlers David Cerny im Ratsgebäude in Brüssel 2009 (Foto: dpa)

Der tschechische Künstler Cerny zeigte Spanien letztes Jahr zubetoniert

Kritiker könnten hier einwenden, Spanien wolle mit der Kultur wohl ein wenig ablenken von der wirtschaftlichen Lage im eigenen Land, die in der EU tatsächlich einzigartig ist - einzigartig schlecht. Doch Ministerin González glaubt, Kultur schaffe nicht nur ästhetische Werte, sondern auch Arbeitsplätze und Innovation.

Das offizielle spanische Kunstwerk mag eigenwillig sein, aber es regt niemanden auf - ganz anders als vor einem Jahr der tschechische Beitrag. Der Künstler hatte mit nationalen Klischees gespielt und dabei beispielsweise Bulgarien als Hock-Klo dargestellt oder Spanien als völlig zubetonierte Fläche. Nach massiven Protesten der bulgarischen Regierung musste das Hock-Klo für den Rest der Präsidentschaft verdeckt werden.

Autor: Christoph Hasselbach/ Nina Haase

Redaktion: Nicole Scherschun

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