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Terroranschläge

Spaniens Justiz räumt schweren Fehler im Umgang mit Attentäter ein

Im Jahr 2015 sollte der mutmaßliche Kopf der Terrorzelle von Barcelona abgeschoben werden, doch ein Richter sah in dem Mann keine Gefahr. Nun wird untersucht, welche Kontakte er anschließend in Belgien knüpfte.

Spanien Terrorverdacht Polizisten (picture-alliance/Photoshot/X. Jinquan)

Nach wie vor suchen Polizisten in Ripoll nach Spuren der Attentäter

Im März 2015 hätte der aus Marokko stammende Imam Abdelbaki Es Satty in seine Heimat abgeschoben werden können, doch die Ausweisung wurde nach Angaben der spanischen Behörden von einem Richter gestoppt. Er habe damals befunden, der Imam stelle keine "ausreichend schwere Gefahr für die öffentliche Ordnung" dar. Stattdessen sei er um eine "Integration in die spanische Gesellschaft" bemüht.

Ob dies zum Zeitpunkt des Urteils noch der Fall war, lässt sich heute kaum noch beurteilen. Es Satty hatte zum Zeitpunkt seiner geplanten Abschiebung eine vierjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels verbüßt. Laut der Zeitung "El Mundo" soll sich Es Satty im Gefängnis mit einem Häftling angefreundet haben, der 2004 an dem islamistischen Anschlag auf Vorortzüge in Madrid mit 191 Toten beteiligt war.

Einfluss auf Attentäter unklar

Vor knapp zwei Jahren zog Es Satty nach Ripoll, um dort als Imam zu arbeiten. Ob und wann er die anderen Täter, die zum größten Teil ebenfalls aus Marokko stammen, radikalisierte, ist noch nicht abschließend geklärt. Bei den Moscheebesuchern, die den 45-Jährigen näher kannten, gehen die Meinungen dazu auseinander.

Spanien Ripoll Moschee Imam Abdelbaki es Satty (Getty Images/AFP/P. Barrena)

In diesem Gebäude in Ripoll befindet sich die Moschee, in der Es Satty als Imam arbeitete

Nach Es Satty wurde in der Folge der Anschläge tagelang gefahndet. Nach letzten Erkenntnissen der Ermittler kam er kurz vor den Attentaten bei einer Sprengstoff-Explosion in einem Haus in Alcanar, rund 300 Kilometer südlich von Ripoll, ums Leben. In dem Haus soll die Zelle ihre Taten geplant haben. Nach der versehentlichen Explosion habe die Gruppe laut Aussage vom Dienstag einen Plan B in Kraft gesetzt - Autoanschläge in Barcelona und Cambrils anstelle eines Bombenattentats.

Spuren führen ins Ausland

Die Zelle gilt inzwischen als zerschlagen. Acht mutmaßliche Terroristen sind tot, gegen drei weitere laufen Ermittlungen, ein vierter wurde vom Ermittlungsrichter wieder auf freien Fuß gesetzt. Doch erst jetzt beginnt für die Fahnder die Puzzlearbeit, denn immer mehr Indizien weisen darauf hin, dass die Attentäter Kontakte ins Ausland und dort eventuell Unterstützung bei der Planung ihrer Taten hatten.

So sollen laut Zeitung "El Pais" mindestens drei Mitglieder der Terrorzelle in den Tagen vor den Anschlägen von Barcelona und Cambrils nach Marokko, aber auch nach Belgien, in die Schweiz und nach Frankreich gefahren oder geflogen sein. Der Grund dieser Reisen sei den Ermittlern noch nicht bekannt. Engere Beziehungen nach Belgien soll auch der Imam Es Satty gehabt haben.

In dem zerstörten Haus in Alcanar fanden die Ermittler Medienberichten zufolge Flugtickets nach Brüssel, die auf seinen Namen ausgestellt gewesen sein sollen. Es Satty hatte sich zumindest Anfang 2016 in Belgien aufgehalten. Dort soll er laut Brüsseler Staatsanwaltschaft für drei Monate eine freie Stelle einer Moschee in Diegem nahe der Hauptstadt übernommen haben. Verbindungen zu den Attentätern der islamistischen Anschläge vom März 2016 in Brüssel sind aber bislang nicht bekannt.

djo/cw (afp, dpa)