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Wirtschaft

Spaniens Banken gestresst

Viele Spanier sind sauer auf ihre Banken, darunter die Kunden der "Caixa". Viele bekommen keine Kredite mehr, sehen ihre Existenz gefährdet. Der Banken-Stresstest der EZB soll verlorenes Vertrauen wiederherstellen.

"Den Banken vertraue ich überhaupt nicht mehr." Joan Ferrer hat eine klare Meinung, wenn es um den spanischen Finanzsektor geht. "Sie kassieren Geld von Dir, aber wenn Du etwas von ihnen willst, dann verlangen sie Sicherheiten, die Du gar nicht geben kannst. Sie ziehen Dich aus bis aufs letzte Hemd. Das ist einfach unmoralisch."

Ferrer besitzt einen kleinen Verlag in Barcelona. Im Jahr 2009 drehte die Caixa-Bank ihm den Geldhahn zu und kündigte alle seine Kredite - mitten in der Expansion des Geschäfts. Das Familienunternehmen hatte sein Vater vor über 50 Jahren gegründet - nun musste der Sohn es schließen.

Neuanfang mit Hilfe der Familie

Aber so schnell wollte er nicht aufgeben und wagte den Neuanfang. Mit finanzieller Unterstützung von seiner Familie und von Freunden gründete er einen neuen Verlag. Diesmal will er ohne die Hilfe einer Bank auskommen.

Xavier Martinez Tomás, Cafébesitzer in Barcelona (Foto: DW)

Xavier Martinez Tomás, inzwischen Cafébesitzer

So wie er denken immer mehr Spanier. Auch Xavier Martinez Tomás. Er ist eigentlich Textildesigner, arbeitete mehr als 40 Jahre lang selbstständig in der Modebranche. Ein hartes Geschäft mit hohem Risiko. Denn die Kollektionen müssen langfristig vorfinanziert werden, bezahlt wird ein Auftrag oft erst nach einem Jahr.

Mit den Banken hatte er während dieser Zeit schon häufig Probleme - doch so richtig schwierig wurde es erst, als er beschloss, sein eigenes Café zu eröffnen. "Meine Bank wollte damals dreimal so hohe Sicherheiten, wie ich ihnen bieten konnte", erzählt er. "Ich wusste nicht, wo ich die hernehmen soll. Und sie haben mir das einfach nicht zugetraut."

Mit 60 Jahren war er seinem Finanzberater zu alt. Um an Geld zu kommen, musste schließlich die Wohnung seiner Geschäftspartnerin verkauft werden, für rund 200.000 Euro. Unfreiwillig, denn sie sollte die Altersvorsorge sein.

Die Kredite fließen nicht

Spanien konnte inzwischen den Euro-Rettungsschirm verlassen, die Wirtschaft erholt sich langsam. Der

Banken-Stresstest

der Europäischen Zentralbank (EZB) soll helfen, auch bei den Investoren das verlorene Vertrauen wiederherzustellen.

Erklärtes Ziel der Europäischen Zentralbank ist es außerdem, dass die europäischen Banken wieder mehr Kredite vergeben sollen, statt das Geld für zukünftige Krisen zurückzuhalten. Denn nur so lässt sich das Wachstum weiter ankurbeln.

Börse in Barcelona (Foto: DW)

Börse in Barcelona

Joan Hortalà, der Präsident der Börse von Barcelona, bringt es auf den Punkt: "Im Moment sind die Banken ja ausreichend mit Kapital ausgestattet. Die Europäische Zentralbank ist außerdem bereit, ihnen Geld zu leihen, damit sie es vergeben können an Familien, an Konzerne, an Firmen. Aber die Kredite fließen nicht."

Banken im Wandel

In den letzten zwei Jahren hat sich die Bankenlandschaft in Spanien drastisch verändert. "Es gab viele Fusionen", erklärt Juan Ribas, Professor an der privaten Wirtschaftsuniversität EADA in Barcelona. "Jetzt sind nur noch sechs oder sieben große Banken übrig geblieben und einige kleinere Sparkassen. Die sind alle stabil."

Das Problem für viele Banken ist, dass sie aus der Immobilienkrise noch jede Menge ungedeckter Hauskredite in ihren Bilanzen haben. Bei der katalanischen Caixa-Bank waren es im Juni dieses Jahres noch über zwei Milliarden Euro an Hypotheken, die als notleidend eingestuft wurden.

Professor Juan Ribas von Business School Barcelona (Foto: DW)

Wirtschaftsprofessor Juan Ribas ist zuversichtlich

Der Wirtschaftsexperte ist dennoch optimistisch: "Obwohl es noch ein paar Zweifel gibt, denke ich doch, dass die Banken diese Risiken im Griff haben und auch Reserven gebildet haben", so Ribas.

Vor der Finanzkrise hat auch die Caixa großzügig Kredite vergeben, zum Beispiel für den Kauf von Immobilien. Als ehemalige Sparkasse gilt sie als Bank für Jedermann. Spanische Haus- oder Wohnungskäufer konnten sich über sehr lockere Regeln für die Rückzahlung ihrer Kredite freuen. Doch als die Blase platzte, drehte die Bank den Geldhahn zu - und brauchte plötzlich selbst Geld.

Die EZB wirbt für mehr Vertrauen

Mit mehr als 40 Milliarden Euro mussten die spanischen Geldhäuser am Ende von der EU gerettet werden. Dieses Szenario soll sich nach dem Willen von EZB-Chef Mario Draghi nicht noch einmal wiederholen.

Der Banken-Stresstest der Europäischen Zentralbank soll offenlegen, wie es den Banken in Europa wirklich geht, um das Vertrauen in die Geldhäuser wiederherzustellen. Wirtschaftsexperten wie Juan Ribas halten das für den einzig richtigen Schritt.

Er glaubt, dass es in Spanien bald eine neue wirtschaftliche Perspektive geben wird, dass sich auch kleinere und mittelständische Firmen stärker ins Ausland orientieren werden und neue Märkte erobern.

Nichts lieber als das würde der Industriedesigner Jordi Busquets schon jetzt tun. Gerade erst hat er sein neues Büro im Zentrum des angesagten Stadtteils Gracia eröffnet. Gern würde er Mitarbeiter einstellen, um größere Projekte zu bearbeiten. Unter seinen Kunden sind auch deutsche Markenhersteller. Doch um zu wachsen, braucht er Kredit. Er hofft, dass nach dem Banken-Stresstest das Geld wieder bei den Unternehmern ankommt, wo es dringend gebraucht wird.

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