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Europa

Spanien will Internet-Piraterie bekämpfen

Fast überall auf der Welt werden Filme, Musik und Software illegal aus dem Internet heruntergeladen. In Spanien will die Regierung der Internet-Piraterie einen Riegel vorschieben, mit einem stark umstrittenen Gesetz.

Computer Foto: Emanuel Herm

Viele Spanier schauen lieber am Computer die Filme

Andrea und Alejandro sind ein Paar, geeint durch ihre Leidenschaft für das Kino, sagen sie: "Nur der Eintritt ist zu teuer! Für einen drei-D-Film haben wir neulich zusammen zweiundzwanzig Euro bezahlt."

Oft kann sich das Paar diesen Spaß nicht leisten; sie ist Schülerin und er Lehrling. Warum sollen sie also nicht gratis im Internet anschauen, was im Kino viel Geld kostet? Auf spanischen Internetseiten wie "Megaupload" oder "Peliculajonkis" können sie sich viele Filme herunterladen, auch solche, die gerade erst ins Kino gekommen sind. Alejandro tippt etwas in seinen Computer und stöpselt ein Kabel in einen Fernseher mit riesengroßem Flachbildschirm. Dann setzt er sich zu Andrea aufs Sofa und der Film beginnt.

Das Problem des Pantoffelkinos: Viele Filme werden illegal heruntergeladen, was Autorenrechte verletzt. Rund sieben Millionen Zuschauer hat das spanische Kino im vergangenen Jahr verloren und die Filmindustrie musste große Einbußen hinnehmen, während die Macher der Seiten mit den illegalen Downloads gut verdienen, indem sie Werbung schalten.

Gesperrte Internetseiten statt illegale Downloads?

Spanischer Kinokomplex (Foto: Emanuel Herm)

Das spanische Kino hat 2010 rund sieben Millionen Zuschauer verloren. Foto Emanuel Herm Eingestellt am 18.02.2011.

Da scheint es nachvollziehbar, dass die spanische Regierung der Internet- Piraterie den Kampf ansagt und dafür ein neues Gesetz verabschiedet hat. Das neue Internet-Sperrgesetz ermöglicht es der Regierung, Internetseiten zu sperren auf denen Filme, Musik oder Software illegal heruntergeladen werden können.

Das Gesetz schützt etablierte Filmemacher und die Filmindustrie, die sich über den Eintritt für das Kino finanzieren und über den Verkauf ihrer Filme. Doch in der Filmbranche finden sich auch viele, die gegen die neue Regelung sind. Allen voran Alex de la Iglesia, Präsident der spanischen Filmakademie, der wegen des Internet-Sperrgesetzes zurückgetreten ist.

Hinter ihm stehen besonders die kleineren Filmemacher, wie zum Beispiel Alberto Jarabo, Dokumentarfilmer in Palma de Mallorca: Der quirrlige Lockenkopf sitzt in seinem bescheidenen Büro in einem Mietshaus und ist aufgebracht: "Ich bin gegen das neue Gesetz, weil es die Freiheit im Internet, die Meinungsfreiheit insgesamt beschneidet. Wenn der Staat eine Internetseite schließen kann, ist das Zensur. Eine Zeitung zu verbieten, traut sich der Staat nicht so leicht. Aber eine Internetseite ist doch genauso ein Kommunikationsmittel," sagt Jarabo.

Filmemacher Alberto Jarabo (Foto: Emanuel Herm)

Filmemacher Alberto Jarabo sieht die Freiheit bedroht

Legale Downloads

Er hält eine DVD in der Hand mit seinem letzten Dokumentarfilm, in dem es um Gewalt an Kindern geht. Diesen Film könnten sich Andrea und Alejandro auch gratis herunterladen- in diesem Fall sogar legal, denn Jarabo hat den Download im eigenen Interesse von Anfang an freigegeben: "Das Internet ist vor allem eine gute Möglichkeit, seine Arbeit vorzustellen. Sonst würden nur die etablierten Filmemacher ein Publikum finden, aber Dank des Internets können auch die kleinen Autoren ihre Filme verbreiten. Dank Internet haben wir es ein bisschen einfacher," erklärt der Filmemacher.

Forderungen an die Filmindustrie

Jarabos letzten Dokumentarfilm hat die öffentliche Hand finanziert. Deshalb ist es für den Filmemacher selbstverständlich, den Film der Öffentlichkeit auch kostenlos zur Verfügung zu stellen. Ein ähnliches Modell kann sich der Mallorquiner auch für Filmemacher, die vom Verkauf ihrer Filme und vom Eintritt für das Kino leben, vorstellen. Er sagt: "Das Internet hat die Menschen in ihren Gewohnheiten verändert. Sie möchten sich Filme leicht und billig aus dem Internet herunterladen. Aber die Filmindustrie hat sich daran noch nicht angepasst. Ich frage mich, warum macht die Filmindustrie nicht das gleiche wie zum Beispiel "Megaupload"? Also eine Seite ins Leben rufen, von der man sich gratis oder für zwei Euro Filme herunterladen kann."

Diese Modell wäre ebenfalls ein Schritt im Kampf gegen die Internet-Piraterie und ein versöhnliches Angebot für Andrea und Aljandro: Zwei, drei Euro würden sie gern bezahlen für gemütliches Pantoffelkino.

Autor: Stefanie Eichler
Redaktion: Daniel Scheschkewitz / Gero Rueter