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Katalonien

Spanien: Sorgen an den Börsen

Die spanische Zentralregierung droht Katalonien mit der Zwangsverwaltung. Unternehmen reagieren mit Abwanderung, viele Touristen bleiben weg. Anleger an den Finanzmärkten hoffen allerdings auf eine Lösung des Konflikts.

Spanien Katalonien Ultimatum Symbolbild Fußgänger in Barcelona (Reuters/G. Fuentes)

Fußgänger in Barcelona - mit den Farben Kataloniens auf dem Rücken

Der Deutsche Aktienindex DAX wie auch sein europäisches Gegenstück, der EuroStoxx50, zeigten am Donnerstag Bremsspuren, nachdem Katalonien erneut eine wichtige Frist unbeachtet ließ. Beide Börsenbarometer verloren ein halbes Prozent. Die Börse in Madrid gab ein Prozent nach.

Katalonien ließ am Morgen eine von der Regierung in Madrid gesetzte Frist verstreichen, ohne sich eindeutig zu den eigenen Unabhängigkeitsbestrebungen zu äußern. Die Zentralregierung will am Samstag darüber beraten, die autonome Region unter Zwangsverwaltung zu stellen. "Das sorgt für Unsicherheit", sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. "Der Markt rechnet allerdings mit einer Lösung des Konflikts, da beide Seiten viel zu verlieren haben."

Spanien Finanzkrise (Reuters)

Schwere Zeiten - die Börse von Madrid

Die sich hinziehende Krise verlangt ihren Tribut von der Wirtschaft Kataloniens. Mittlerweile haben mehr als 800 Firmen ihren Hauptsitz aus Katalonien abgezogen, in andere Regionen verlegt und das mit dem Risiko erhöhter Instabilität begründet. Die Regierung in Madrid kürzte unterdessen mit Blick auf die derzeitige Krise ihre Prognose für das kommende Jahr. Die spanische Wirtschaft wird demnach nur noch um 2,3 Prozent wachsen, bisher waren 2,6 Prozent angepeilt.

Sorgen auf den Ramblas

Betroffen ist offenbar auch Kataloniens Tourismusindustrie. Barcelona und die umgebende Region zogen 2016 mehr Besucher an als jede andere Provinz Spaniens. Rund 18 Millionen Touristen kamen, das war ein Viertel aller Besucher Spaniens. In den ersten zwei Wochen im Oktober sei der Tourismus um 15 Prozent zurückgegangen, berichtete die Lobbyvereinigung Exceltur. Ladenbesitzer in Barcelona klagen: "Man merkt es. Unser Geschäft ist im Oktober um ein Viertel zurückgegangen", sagte Susana Garcia der Nachrichtenagentur AFP. Sie betreibt einen Kiosk auf den Ramblas, Barcelonas bekanntem Boulevard: "Es ist besorgniserregend."

Spanien Prachtstraße Las Ramblas in Barcelona (Getty Images/J. Juinen)

Die Ramblas in Barcelona

Dagegen liefen spanische Staatsanleihen am Donnerstag sehr gut. Die Refinanzierungskosten Spaniens zogen angesichts der Krise in den letzten Wochen scharf an. Der Abstand zwischen deutschen und spanischen 10 Jahres-Anleihen liegt inzwischen bei 122 Basispunkten. Das sind 23 Punkte mehr als vor einem Monat.       

Der "Schwarze Montag" 

Einzig der Euro zeigt sich offenbar ganz unbeeindruckt von der Krise. Er stieg am Donnerstag auf ein Wochenhoch und 0,4 Prozent auf 1,1837 Dollar zu.

Im Jahr 1987 fiel der 19. Oktober übrigens auf einen Montag - es wurde der "Schwarze Montag": Der US-Aktienindex Dow Jones stürzte innerhalb weniger Stunden ab und verlor fast 23 Prozent, nachdem er im August 1987 noch eine neue Bestmarke erreicht hatte. Es ist bis heute der größte Crash der Nachkriegszeit. Ein konkreter Auslöser für die massiven Verkäufe seinerzeit war nicht erkennbar. Der damalige Chef der New Yorker Börsenaufsicht SEC, David Ruder, sagte später, steigende Zinsen und ein hohes Handelsdefizit hätten zu den Massenverkäufen beigetragen. Damals wie heute waren die Börsen auf Rekordkurs.

 ar/bea (rtr, afp)

 

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