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Europa

Spanien: Schwieriger Berufseinstieg

Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien ist hoch - und wenn Berufsanfänger einen Job finden, ist er oft nur befristet. Doch eine Reform des Arbeitsmarktes ist schwer durchzusetzen.

Menschen stehen in einer langen Schlange (Foto: AP)

Schlangen vor dem Arbeitsamt in Madrid (Mai 2010)

"Mir geht es wie vielen anderen auch: Ich habe im Ausland gearbeitet, viele Erfahrungen gesammelt, Fremdsprachen gelernt und trotzdem finde ich keinen Job. Es ist traurig." Die Spanierin Esther Delcastillo Alvarez hat einen Abschluss in Kommunikationswissenschaften und sucht einen Job - seit zwei Jahren schon. So wie ihr geht es vielen jungen Spaniern: 40 Prozent der 16- bis 24-Jährigen sind arbeitslos. Trotz guter Ausbildung.

Grafik zur Jugendarbeitslosigkeit in Europa, Stand: Juni 2010 (DW-Grafik: Per Sander)

Nirgendwo in Europa sind so viele junge Menschen arbeitslos wie in Spanien

Keine Chance für Anfänger

Die Kluft zwischen Festangestellten und befristeten Beschäftigten ist in Spanien groß. Zwei Drittel der Spanischen Arbeitnehmer haben unbefristete Verträge. Sie zu entlassen, ist für die Unternehmen sehr teuer: Sie müssen ihnen dann das Gehalt von vier Jahren zahlen. Selbst in der Krise halten die Arbeitgeber also an ihnen fest. Neue Mitarbeiter haben kaum eine Chance auf Festanstellung.

Monica Decarvaiho hat diese Erfahrung gemacht: Acht Jahre lang hat sie in Spanien als Hebamme gearbeitet, immer mit befristeten Verträgen. Einige waren für weniger als einen Monat. "Du weißt nie, wann du eine Arbeit hast und für wie lange. Du kannst nichts planen. Du kannst keine Wohnung kaufen, du kannst gar nichts kaufen, weil du nicht weißt, wann es wieder zu Ende ist", sagt sie. Heute arbeitet die Krankenschwester in Großbritannien. Zurückkommen will sie nicht.

Kein Verlangen nach Reformen

Studenten in einem Hörsaal (Foto: dpa)

Zukunft ungewiss

Auf Druck der europäischen Partner hat Spanien damit begonnen, sein rigides Arbeitsrecht zu lockern. Ein neues Gesetz erleichtert es den Unternehmen, Festangestellten zu kündigen. Wenn es einfacher ist, jemandem zu kündigen, ist es auch einfacher, jemanden neu einzustellen - dieser Gedanke steht hinter dem Gesetz. Doch nicht alle sind damit zufrieden. "Ich weiß nicht, ob das die Situation verbessert. Denn macht es nicht alles schlimmer, wenn jetzt mehr Leute gefeuert werden?", fragt sich Esther Delcastillo Alvarez.

Viele Spanier stellen sich die gleiche Frage. Das Verlangen nach einer Reform sei nicht sehr groß, sagt Gayle Allard, Wirtschaftsprofessorin in Madrid. Die Menschen ohne Job wollten einfach nur eine Arbeit finden. "Sie wollen nicht das System an sich ändern. Sie möchten auch, dass ihnen das Gehalt von vier Jahren ausgezahlt wird, wenn sie entlassen werden. Es gibt einen großen Widerstand gegen Veränderungen."

Großes Problem: Jugendarbeitslosigkeit

Streikende Spanier (Foto: picture-alliance/dpa)

Protest gegen eine Kürzung der Gehälter (Juni 2010)

Die befristet Beschäftigten sind die größten Opfer des Systems. Sie verlieren ihre Jobs, während Festangestellte, auch wenn sie unproduktiv oder inkompetent sind, weiterarbeiten können. "Geschätzte 90 Prozent der zwei Millionen Menschen, die zwischen 2007 und heute ihren Job verloren haben, hatten befristete Verträge. Das ist eine Eigenart des spanischen Arbeitsmarktes. Kein anderes Land hat einen so großen Anteil an befristet Beschäftigten", sagt William Chislett, ein ehemaliger Times-Korrespondent, der in Madrid lebt.

Gewerkschaften haben bereits im Juni gegen die Reformen auf dem Arbeitsmarkt protestiert. Für Ende September planen sie nun einen Generalstreik. Spanien scheint auch in Zukunft seinen unbeliebten Rekord zu halten: die größte Jugendarbeitslosigkeit im Westen.

Autor: Stephen Beard, Madrid / Julia Kuckelkorn
Redaktion: Gero Rueter

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